Testlauf für Kulturticket

Theaterbetrieb im Fokus

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Das Theater gehört seit 2014 der Stadt Syke. Hauptnutzer ist aber noch immer der Landkreis; vor allem mit dem Gymnasium und der Kreismusikschule.

Syke - Von Michael Walter. „Das Gymnasium braucht dieses Theater nicht“ – das habe Landrat Cord Bockhop damals zu ihm gesagt, als es um die Übertragung an die Stadt Syke ging, erzählte Erster Stadtrat Thomas Kuchem am Mittwoch im Ausschuss für Naherholung und Kultur. Die Zahlen, die Kuchem danach präsentierte, sagen etwas anderes: Der Landkreis ist nach wie vor Hauptnutzer des Theaters.

Gymnasium und Kreismusikschule machen zusammen 51 Prozent der Nutzungszeiten im Kalenderjahr 2016 aus. Den Löwenanteil davon hat das Gymnasium mit 46 Prozent. Zum Vergleich: Die Veranstaltungen in Regie der Stadt Syke kommen inklusive der Nutzung durch Schulen in städtischer Trägerschaft auf gerade mal 24 Prozent der Nutzungszeiten.

Landkreis habe seinen Bedarf am Theater unterschätzt

Heinfried Schumacher (SPD) sieht da Gesprächsbedarf und erinnert an die komplexe Vereinbarung, die Stadt und Landkreis damals miteinander getroffen hatten. Bestandteil war unter anderem auch eine Einigung über die Nutzung eines Gebäudetrakts der ehemaligen Orientierungsstufe, den sich Gymnasium (Landkreis) und Realschule (Stadt) teilen. Dieses Paket wolle man auf keinen Fall wieder aufschnüren, betonte Schumacher. Jedoch habe der Landkreis ganz offensichtlich seinen Bedarf am Theater unterschätzt.

„Wir müssen sehen, dass wir zu einer Vereinbarung kommen, damit der Landkreis für Veranstaltungen im Theater auch bezahlt“, so Schumacher.

Mit den anderen Ratsfraktionen im Ausschuss sah sich Schumacher damit im Konsens. Auch Kuchem stimmte ihm zu: „Da wird man drüber sprechen müssen.“

17 stadteigene Veranstaltungen, dennoch ist das Haus fast das gesamte Jahr belegt

Kathrin Wilken von der Abteilung Stadt & Kultur ist im Rathaus die „Produktverantwortliche“ für das Theater. Dem Auschuss konnte sie jetzt mitteilen: „Das Theater ist fast das ganze Jahr über belegt.“ Obwohl die Stadt selbst 2016 nur 17 Veranstaltungen dort hatte. Insgesamt weist die Statistik 93 Termine für das vergangene Jahr aus. Von der Schulveranstaltung über Informationsveranstaltungen bis zu Show, Theater und Event. Auf- und Abbau eingerechnet, ist da kaum noch Luft im Kalender. „Für technische Prüfungen, TÜV-Abnahmen und dergleichen bleiben uns praktisch nur die Sommerferien“, so Wilken.

Dass auch Leute ins Theater kommen, die sich das eigentlich gar nicht leisten können, ist ein Ansinnen der Freien Wählergemeinschaft. Kultur müsse für alle zugänglich sein, lautet die Auffassung der FWG. Daher hatte sie beantragt, eine Kulturticket für Sozialhilfeempfänger einzuführen, über das sie Eintrittskarten zu stark reduzierten Preisen beziehen können.

„Grundsätzlich eine großartige Idee“, fanden durch die Bank alle anderen Beteiligten. Offen sei allerdings: Wie soll die Stadt das umsetzen? Und wie würde sie das abrechnen? Schließlich müsste für jede verbilligte Karte der Differenzbetrag zum vollen Preis im Haushalt ausgewiesen werden. Insbesondere die Grünen sahen dazu noch Informationsbedarf.

Gleis 1 fordert Kulturticket für sämtliche Einrichtungen

Schließlich verständigte sich der Ausschuss einvernehmlich auf einen zeitlich begrenzten Testlauf. Die Stadt soll demnach zunächst einmal zehn solcher Kulturtickets ausgeben, um Erfahrungen zu sammeln.

Der Beigeordnete Joachim Schröder (Gleis 1) wies darauf hin: In einem zweiten Schritt müsste die Stadt jedoch alle Kulturveranstaltungen in das Kulturticket einbeziehen, unabhängig davon, wer sie anbietet. Anderenfalls laufe man Gefahr, eine Zwei-Klassen-Kultur zu schaffen: Auf der einen Seite die städtischen Veranstaltungen, auf der anderen Fremdveranstaltungen, für die das Kulturticket nicht gelten würde.

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