Das Theater am Rand präsentierte „Mitten in Amerika“ im Syker Theater

Auf der Suche nach dem Lebenssinn

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Das Ensemble kommt mit spartanischem Requisiten-Einsatz aus.

Syke - Von Rainer Köster. „Panhandle“ – Pfannenstiel – heißt das Gebiet, wo das nördliche Texas und das westliche Oklahoma wie zwei Landzungen aufeinandertreffen. Umzäuntes Grasland flach wie ein Parkplatz, brütend heiß oder eiskalt, windig, staubig, seit Generationen bevölkert von Farmern, Viehzüchtern, knorrigen Cowboys und Landarbeitern.

In diesen eigenwilligen Landstrich „Mitten in Amerika“ versetzt die Schriftstellerin Annie Proulx den jungen Großstädter Bob Dollar. Der soll sich als Scout für einen Schweinemastkonzern nach geeigneten Grundstücken umsehen. Zwischen Ölpumpen, Windrädern und den kantigen Panhandle-Bewohnern wird für den zunehmend (ver-)zweifelnden Helden diese Suche immer mehr zu einer nach dem eigenen Lebenssinn.

Der Schauspieler Thomas Rühmann und der Musiker Tobias Morgenstern haben Proulxs opulentes, mehrere Generationen umfassendes Sittengemälde über die Untiefen der amerikanischen Provinz für ihr „Theater am Rand“ im Oderbruch bearbeitet und präsentierten es am Donnerstagabend im Syker Theater.

Ein Ölfass, ein Hocker im Hintergrund und eine antik anmutende Hammondorgel reichen als Requisiten. Musik wie aus dem Italo-Western begleitet die vier angemessen kostümierten Darsteller zu Beginn auf die Bühne. Rühmann und Morgenstern haben den Roman nicht in einzelne Spielszenen umgesetzt, sondern tragen Passagen weitgehend wortgetreu vor, begleitet von Morgensterns ruhigen Hammond-Klängen.

Die Bearbeitung konzentriert sich auf einen zentralen Handlungsstrang der Erzählung: die Geschichte des holländischen Einwanderers Habakuk van Melkebeek und seines jungen Gehilfen Ace Crouch. Jens-Uwe Bogadtke gibt den Habakuk, der zu Beginn für die Reparatur von Windrädern zuständig ist und später, zu eigenem Grundbesitz gekommen, zum „Petrodollarmilliardär“ wird. Bogadtke ist der einzige, der seine Rollen ausspielt, und er macht das hinreißend skurril inmitten des bewusst statisch agierenden Ensembles, wenn er zum Beispiel zwischen den Szenen als betrunkener Cowboy mit umgeschnalltem Banjo Westernlyrik von sich gibt: „Ein alter Cowboy hat's auch nicht leicht.“ Und als sich Habakuk von Ace Crouch mit Hilfe zweier Torten und eines Klappmessers veranschaulichen lassen muss, dass er sich selbst übertölpelt hat. Als er für sein Öl statt des angebotenen Achtels vom Ertrag empört „mindestens ein Zehntel“ forderte, springt der Funke im Saal über. Neben dem launigen Bogadtke wird Ramona Kunze-Libnow als Ace allerdings zur Stichwortgeberin, die ab und zu im soufflierenden Tobias Morgenstern selbst einen braucht: Ihre Textunsicherheit ist bisweilen irritierend. Eindringlich gelingt aber ihr Monolog über die Folgen der Schweinemast für die Region.

Thomas Rühmann, bekannt aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“, übernimmt auf seine ruhige Art in der Rolle des Bob Dollar die Beschreibung von Land und Leuten. Der Briefwechsel zwischen Bob und seinem zynischen Chef im fernen Denver illustriert die zunehmende Aussichtslosigkeit von Bobs Suche: Keiner will Land für Schweine hergeben. Am Schluss ist es Ace Crouch, der als Erbe von Habakuks Ölmilliarden die Gegend einschließlich der Mastanlagen und Zäune kauft, um sie niederzureißen. Die Prärie soll wieder so werden, wie sie mal war.

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