Verfolgungsjagd endet auf Nagelbrett

Tempo 180 auf der B 6: Raser bringt Polizisten in Lebensgefahr

Eine Justitiaskulptur, gegen die Sonne fotografiert.
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Eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sprach Richter Christoph Kellermann gegen einen Raser aus.

Syke – Ein Jahr und sechs Monate Gefängnis ohne Bewährung lautete das Urteil von Strafrichter Christoph Kellermann gegen einen Raser aus Osterholz-Scharmbeck. Die Anklage gegen den Mann lautete im ersten Teil auf Straßenverkehrsgefährdung unter Alkohol- sowie Drogeneinfluss und Fahrens ohne Führerschein. Weil er nach einem Unfall – er hatte einen Streifenwagen touchiert – weiterfuhr, kam das Delikt der Unfallflucht dazu, sowie weitere Anklagen wegen Straßenverkehrsgefährdung unter Alkohol- und Drogeneinfluss, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung gegenüber Polizeibeamten.

Der Strafrichter befand den 30-Jährigen, der bereits 20 Einträge im Strafregister hatte, im Sinne der Anklage für überführt. Zum Zeitpunkt der Straftaten stand der Mann schon unter Bewährung. Bemerkenswert: Mit seinem Urteil toppte der Strafrichter sogar den Antrag der Staatsanwältin. Die hatte zuvor eine Haftstrafe zu Bewährung ausgesetzt sowie eine Geldauflage in Höhe von 3 000 Euro beantragt.

Vergebens machte sich die Anwältin des Mannes stark für eine erneute Bewährungschance und eine geringe Freiheitsstrafe. Sie ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus, ließ in ihrem Plädoyer jedoch keinen Zweifel daran, dass ihr Mandant mit seiner Raserei Gefahr heraufbeschwor und sein Verhalten gegenüber den Polizisten völlig daneben lag.

Bei den Polizeibeamten entschuldigt hat sich der Angeklagte im Gerichtssaal nicht. Der Strafrichter ordnete zudem eine Sperre zum Erwerb einer Fahrerlaubnis von anderthalb Jahren an.

Gleich mehrere Polizeibeamte hatte der Raser in der Nacht des 6.  September 2019 auf der Bundesstraße 6 ab Nienburg bis Steimke in lebensbedrohliche Situationen gebracht. Unter Alkohol- (1,79 Promille) sowie Drogeneinfluss und ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein, lieferte er sich mit den Streifenwagen eine Verfolgungsjagd mit Geschwindigkeiten, die zeitweise Werte von bis zu 180 Kilometern pro Stunde erreichten.

Aufgefallen war er zuvor wegen seiner rasanten Fahrt in Schlangenlinien in Nienburg, wo eine Streifenbesatzung der Nienburger Polizei die Verfolgung auf der Bundesstraße  6 aufnahm. Bei Wietzen übernahmen Streifenbesatzungen aus Syke die Verfolgung – unter Einsatz von Blaulicht und Martinshorn.

Bei Asendorf stellte sich eine Streifenbesatzung mit dem Polizeifahrzeug quer auf die Fahrbahn. Der Raser ließ sich nicht abbremsen. Er nutzte eine Enge aus und fuhr an dem Streifenwagen vorbei. Dabei schrammte er das Polizeifahrzeug, in dem Polizisten saßen, an der rechten Seite. Der Schaden am Auto liegt bei 2 000 Euro. Ein Polizeibeamter sagte als Zeuge: „Wir können froh sein, dass nicht mehr passiert ist.“

Die Verfolgung ging weiter. Ein Überholen, so ein Polizeibeamter, sei, nicht zuletzt wegen des Gegenverkehrs, nicht möglich gewesen. Das rasante Tempo behielt der Mann auch in geschlossenen Ortschaften bei. Das Ende der für den Raser und die Polizisten gefährlichen Verfolgungsfahrt war in Steimke auf der B 6. Dort war auch eine Streifenbesatzung des Kommissariats Weyhe eingesetzt. Ein Nagelbrett soll die Weiterfahrt gestoppt haben. Der Raser musste seine wilde Fahrt aufgeben. Als er den Wagen verließ, wurde er zu Boden gebracht und ließ wüste, obszöne Beleidigungen, insbesondere gegen eine Polizeibeamtin, los.

Im Gerichtssaal sagten Polizeibeamte aus, dass der Mann sich äußerst aggressiv verhalten habe. Er wurde zur Polizeidienststelle Syke verbracht, landete in einer Ausnüchterungszelle und pöbelte dort, so ein Zeuge, weiter herum, übergab sich und urinierte in die Zelle. Vor dem Strafrichter machte der Angeklagte von seinem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch.

Von Dieter Niederheide

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