Technik muss Menschen ersetzen

Ludolf Roshop (rechts) führt den Wirtschaftsausschuss der IHK. Das Foto zeigt ihn mit seinem Stellvertreter Hans-Günter Roess (Mitte) und dem IHK-Geschäftsstellenleiter Constantin von Kuczkowski. Foto: Jantje Ehlers

Weil Fachkräfte fehlen, muss modernste Technik auch in Unternehmen im Landkreis Diepholz Menschen ersetzen. Das zeigt der Erfahrungsaustausch im Wirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) unter der Leitung von Ludolf Roshop, der seit wenigen Tagen Vize-Präsident der IHK Hannover ist.

VON ANKE SEIDEL

Landkreis Diepholz – Die Wirtschaftslage der Unternehmen im Landkreis Diepholz ist gut, aber der Fachkräftemangel zwingt zu Investitionen in technische Alternativen: So lautet das Fazit der Wirtschaftsausschuss-Sitzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Kreishaus Syke.

Industrie, Groß- und Einzelhandel, Dienstleistungsbereich oder Hotel- und Gaststättengewerbe: Vertreter verschiedener Branchen, die das Wirtschaftsleben im Landkreis Diepholz prägen, setzen sich traditionell einmal im Jahr an einen Tisch, um Bilanz zu ziehen – seit mehr als zwei Jahrzehnten unter dem Vorsitz von Ludolf Roshop. Ihn bestätigten die Wirtschaftsvertreter in Syke im Amt. Erst vor sieben Tagen war der Hotelier aus Barnstorf zum Vize-Präsidenten der IHK Hannover gewählt worden, die mehr als 146 000 Betriebe vertritt – davon sind mehr als 36 000 im Handelsregister eingetragen.

Das vergangene Wirtschaftsjahr bewerten die Industriebetriebe im Landkreis Diepholz als „überwiegend sehr positiv“, wie es Constantin von Kuczkowski als Leiter der IHK-Geschäftsstelle Syke nach der – nicht öffentlichen – Tagung des Wirtschaftsausschusses formuliert. Allerdings hätten Export-Firmen zumindest in Teilbereichen mit Sanktionen und Handelshemmnissen zu kämpfen gehabt – wie ein Maschinenbau-Unternehmen aus dem Landkreis, das Produkte auch in den Iran und in die USA liefert. Weltweite Handelsbeziehungen helfen: Der Export in andere Länder kompensierte demnach die besagten Handelshemmnisse.

Wie eng Export-Chancen mit einer tragischen Tierseuche verknüpft sein können, zeigt sich im Bereich der Ernährungsindustrie: Weil wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China 250 Millionen Schweine gekeult werden mussten, bestand im Reich der Mitte großer Importbedarf an Fleisch. Davon profitierten, so der IHK-Geschäftsführer, auch Hersteller von Geflügelprodukten im Landkreis Diepholz.

Der Brexit jedoch ist für die Export-Unternehmen kein Thema: „Das kann nicht schlimmer werden als Exporte in Drittländer“, beschreibt von Kuczkowski die Stimmungslage. „Aber die Beschäftigung ist und bleibt ein Problem“, so der IHK-Geschäftsstellenleiter zum Fachkräftemangel. Genau der führe zu technischen Investitionen wie in die Digitalisierung, „weil man die Mitarbeiter nicht mehr bekommt“. Sogar Zeitarbeitsfirmen könnten die gewünschten Fachkräfte nicht mehr zur Verfügung stellen. Deshalb würden Firmen auch in hoch attraktive Ausbildungen investieren – im Verbund, wie beispielsweise in der Ausbildungswerkstatt Bassum.

Die Strategie, dringend benötigte Fachkräfte selbst auszubilden, gilt genauso für das Hotel- und Gaststätten-Gewerbe, erläutert Ludolf Roshop. „Wir haben Gäste genug“, so der Hotelier. Aber es sei enorm schwierig, Personal zu gewinnen. Das gilt genauso für den Großhandel: „Es ist ein Riesenproblem, Kraftfahrer zu finden“, so Constantin von Kuczkowski.

Auch der Einzelhandel brauche Fachkräfte, wenngleich für leichtere Tätigkeiten auch andere Mitarbeiter eingesetzt werden könnten – „aber mindestens für Mindestlohn“. Dann werde es – angesichts der Online-Konkurrenz – schon schwierig.

Zu den Dienstleistern im Landkreis gehören die Immobilienmakler, die auf ein „sehr gutes“ Jahr zurückblicken könnten, so von Kuczkowski, „aber sie haben stark mit dem Internet zu kämpfen“. Deshalb hätten sich Immobilienmakler aus dem Landkreis zusammen geschlossen, um eine eigene Internet-Plattform zu gründen: „Sie unterstützen sich gegenseitig.“

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