Ein über 100 Jahre altes Motorrad braucht ein bisschen Extra-Aufmerksamkeit

Teamwork zwischen Mensch und Maschine

Wachendorf war am Samstag Start der Ausfahrt für die Piloten der Motorrad-Veteranen. - Fotos: Heinfried Husmann

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Wer die fragilen uralten Motorräder, die allesamt mehr als 100 Jahre alt sind, gesehen hat, mochte kaum glauben, dass sie am Sonnabend die beiden Ausfahrten über eine Strecke von fast 100 Kilometern durchgehalten haben. „Es gab keine Ausfälle, alle sind heil wieder angekommen“, freute sich Kurt Harries, der zum dritten Mal zu einer VFV-Pionierfahrt eingeladen hatte.

Die zeitlich zum Motorrad-Veteranen passende Kluft gehörte für viele Fahrer mit dazu.

VFV steht für „Fahrzeug-Veteranen-Club“, der regelmäßig in England, den Niederlanden und Deutschland derartige Treffen veranstaltet, die als Zuverlässigkeitsfahrten bezeichnet werden. Dabei geht es nur ums Ankommen. Den einzigen Pokal erhielt Christian Ringgenberg aus der Schweiz, der mit einer „James“ die weiteste Anfahrt auf sich genommen hatte. Zu Recht bezeichnet Werner Ehlers seine Laurin & Klement, Baujahr 1903, auch als „rollendes Zweiradmuseum“. Und Ulrich Wesolek, der mit einer einzylindrigen Clement (Baujahr 1901) das älteste Modell fuhr, bezeichnet diese Fahrzeuge aus der Motorrad-Steinzeit als „Spielzeug für Adelige“. Kein normal situierter Bürger konnte sich seinerzeit ein Motorrad oder gar ein Auto leisten.

Stundenlang könnte jeder Fahrer über sein Fahrzeug erzählen. Dabei geht es fast nie um Straßenlage und Höchstgeschwindigkeit. Vielmehr müssen Zuhörer versuchen, Begriffe wie Rundriemen, Schnüffelventil, Spritzdüsenvergaser oder Tropfschmierung richtig einzuordnen.

Ausfahrten wie an diesem Wochenende definieren den Begriff „Motorsport“ neu. Denn um sie zu überstehen, ist Teamwork zwischen Mensch und Maschine gefragt. Schon an leichten Steigungen spüren die sensibel in ihren Motor hineinhorchenden Fahrer, wenn ihrer Bradbury, Peugeot, oder Indian die Puste ausgeht und sie kräftig in die Pedale treten müssen, um den Motor zu unterstützen.

Wie froh war beispielsweise Hans van Os aus den Niederlanden dass seine Triumph, Baujahr 1912, schon über eine für damalige Verhältnisse völlig neue Technik verfügte: Einen Kickstarter. Ein paar kräftige Tritte und eine sensible Hand am Gashahn sorgten dafür, dass der Motor nicht erst durch anstrengendes Treten in die Pedale zündete.

Oldtimer-Ausfahrt in Wachendorf

Alle Fahrzeuge, die in Wachendorf an den Start gingen, haben eine TÜV-Zulassung. „Das ist dann die amtliche Bestätigung und Belohnung meiner Arbeit“, sagt Baldur Klaas, der eine Royal Enfield von 1913 fährt und von seiner Frau Lian auf einer AJS von 1912 begleitet wird. Dass die ausgestellte Betriebserlaubnis ihm das Fahren nur bei Tageslicht erlaubt, nimmt er gelassen hin, denn seine Maschine verfügt nur über eine Karbidlampe. Damit würde er bei Dunkelheit sowieso nicht fahren, „weil mich dann niemand sieht“.

Und ums Gesehen-werden geht es den Fahrern natürlich auch. Das sah auch eine der Zugführerinnen der Museumsbahn in Bruchhausen-Vilsen so, als die Fahrer am Bahnhof eine Pause einlegten. Sie bat die Teilnehmer, neben ihrer Museumsbahn herzufahren. Doch die gaben ihr aus Sicherheitsgründen einen Korb. „Aber vielleicht nächstes Jahr. Wir denken darüber nach“, vertröstete Kurt Harries sie.

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