Das Trio Sài Gòn begeistert sein Publikum in der Kreissparkasse mit schnellen Stücken

Ein Tanz die Treppe rauf und runter

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Das Trio Sài Gòn ist spezialisiert auf Werke für Flöte, Geige und Klavier. Die zeigte es am Sonnabend in der Kreissparkasse in unterschiedlichen Kombinationen.

Syke - Von Bert Strebe. Es passiert gar nicht so selten, dass man einen Kompromiss schließen muss, der sich dann als die beste Lösung entpuppt. Eine solche Situation ergab sich am Sonnabend beim Konzert des Trios Sài Gòn im Konzertsaal der Kreissparkasse Syke, veranstaltet vom Verein Jazz Folk Klassik. Das Trio ist spezialisiert auf Werke für Flöte, Geige und Klavier. Davon gibt es aber nicht so viele. Also spielte auch mal das Piano nur mit der Geige. Und die Flöte nur mit dem Klavier. Eine aus der Not geborene Entscheidung. Aber durch diesen Kontrast kam die Virtuosität der Stücke, die dann in Dreierbesetzung erklangen, viel stärker zur Wirkung.

Das Trio Sài Gòn besteht aus Carin Levine aus Ristedt an der Flöte, Anna Theresa Steckel an der Violine und Stephan Rahn am Klavier. Die Drei haben sich 2013 während einer Konzertreise in Vietnam gefunden – daher der Name: Die vietnamesische Hauptstadt Ho-Chi-Minh-Stadt hieß früher Saigon.

Den Anfang macht Bohuslav Martinus Trio-Sonate von 1937, ein streckenweise furioses Stück, das sofort die ebenso wasserklare wie warme Akustik des Konzertsaals hervorhebt. Carin Levine bewältigt ihren Part mit lebendiger Verve, Anna Theresa Steckel wirkt eher kontrolliert-konzentriert – aber ihre Bogenführung ist federleicht, ihre linke Hand kann rasend schnell sein, und sie liegt nie auch nur einen Viertelton daneben. Stephan Rahn liefert vom Schimmel-Flügel aus das Fundament, nimmt sich zurück, lässt den Damen jeglichen Vortritt. Dass er auch anders kann, dass er völlig allein den Raum zu füllen imstande ist, zeigt sein Soloauftritt mit dem „Sonetto del Petrarca“ von Franz Liszt. In dem Petrarca-Gedicht, das die Vorlage bildete, geht es um unerfüllte Liebe, aber das Liszt-Stück ist alles andere als getragen. Und Stephan Rahn ist alles andere als ein Hintergrundspieler. Der Applaus fällt sofort begeistert aus.

Und das bleibt so. Nach einem kleinen Philippe-Gaubert-Werk bestreiten Carin Levine und Rahn allein die Sonate Es-Dur von Friedrich dem Großen. Hier geht Levine noch mehr aus sich heraus, riskiert auch mal den Anflug einer Unebenheit im Ton, was aber gut ist: Wer sich nichts traut, wird schnell langweilig. Und das wird Levine, die manchmal in ihre Flöte hineinzulächeln scheint, nie.

Dann übernimmt Anna Theresa Steckel bei der Sonate für Violine und Piano von 1917 die Blickfangposition auf der Bühne. Und siehe da: Auch sie kann die Kontrolle aufgeben, kann auf der Bühne Spaß haben, plötzlich sind die Lippen nicht mehr schmal, und außer den Fingern fliegt auch der Zopf. Und das muss er, denn der erste Satz ist schnell, der zweite schneller, der dritte am schnellsten – bei gleichbleibend kristallinem Klang der Violine. Den Schlusspunkt setzen wieder alle drei mit Nino Rotas Trio für Flöte, Violine und Piano von 1958 – den Komponisten kennt jeder, der den „Paten“ gesehen hat. Die Parallelläufe von Violine und Flöte, wie ein Tanz die Treppe rauf und wieder runter, sind so schön, dass man niederknien würde, wenn man nicht säße.

Das Publikum ist hingerissen und erklatscht sich eine Zugabe. Aber es gibt keine Zugabe, es gibt eine Wiederholung des letzten Rota-Satzes. Was viel besser ist als eine Zugabe.

Die nächsten JFK-Veranstaltungen: Am 7. Mai tritt Carmen Souza von den Kapverden im Sparkassensaal auf, vom 3. bis zum 5. Juni folgt das „Jazz Folk Bike“-Festival.

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