10. Tagung zur Regionalgeschichte im Kreismuseum / Von Amerika-Auswanderern bis zu den Hollandgängern und Rückwanderern

Thema Ein- und Auswanderung war zu allen Zeiten ein heißes Eisen

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Gut besucht war die Tagung „Geschichte in der Region“ im Kreismuseum.

Von Dieter Niederheide. „Es wird spannend werden“, kündete Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding zur Einleitung der zehnten Tagung „Geschichte in der Region“ an. Zu der Veranstaltung unter dem Titel „Not, Arbeit und Abenteuer“ hatten Kreisheimatbund, Kreismuseum und IG Bauernhaus geladen.

Vogeding sollte Recht behalten. Die sieben Referate mit den Hauptthemen Aus- und Einwanderung unter den Aspekten der Migration aus den und in die ehemaligen Grafschaften Hoya und Diepholz zeigten, dass Aus- und Einwanderer, Gastarbeiter, Migranten und Flüchtlinge nicht erst seit heute Thema sind.

Was das Heute betraf, referierte Rami Tuncer (Landkreis Diepholz) zur Geschichte türkischstämmiger Arbeitsmigranten seit Ende der 1960er-Jahre. Die Frage: „Was heißt auswandern?“ stellte die Historikerin Dr. Angelika Kroker (Hannover) einleitend zu den sieben Referaten in den Raum – und gab auch gleich eine Antwort: „Es heißt nicht nur, seinen Ort zu verlassen und in ein anderes Land zu gehen, dessen Sprache man nicht versteht. Es geht auch darum, ein besseres Los als das bisherige zu erreichen.“

Wenn die Existenznot im Heimatland am größten war, wanderten die Leute aus. Historiker Ralf Weber ging auf die Auswanderungen via Nordamerika ein, beschrieb aber auch die Schicksale der Hollandgänger (etwa ab dem 17. Jahrhundert). Das „Hollandgehen“ begann, als die Niederlande wirtschaftlich stark wurden. Immerhin gab es im Nachbarland fast viermal so hohe Löhne wie zu Hause. Aus dem Amt Syke zog es 1718 immerhin 357 Leute nach Holland.

Es folgte, so Weber, die Binnenwanderung nach Bremen. Und Millionen von Deutschen wanderten über die Jahrzehnte ab 1880 nach Amerika aus. Wer mit dem Schiff ankam war noch lange nicht eingereist. Ellis Island vor New York war Sitz der Einwanderungsbehörde. Kranke, Analphabeten oder Anarchisten mussten retour.

In den Referaten wurde auch beleuchtet, wie es den Menschen ging, die mit großen Hoffnungen die Heimat verließen. Heinz Riepshoff berichtete über Auswanderer aus Eitzendorf anhand der Chronik (1905) von Pastor Soltmann. Und es wanderten nicht nur Menschen aus unteren Schichten aus. Aus Dörverden, Eitzendorf, Wienbergen oder Stedorf zog es auch Bauernfamilien aus dem Mittelstand in die Staaten – der Not wegen. Anhand der Familien Twietmeyer (Wienbergen) oder Wulzen (später Bischoff) ging Riepshoff auf Einwandererschicksale ein.

Heinz-Dieter Böker (Verden) sprach über den deutschen Friedhof in St. John (Minnesota), während Wilfried Gerke in seinen Ausführungen auf die Frage einging, ob es in der Fremde den Mägden, Holländgängern oder den Gastarbeitern wirklich besser erging.

Ulrich Dannemann (Heiligenfelde) zeichnete zum Thema „Auswanderung und Rückkehr“ den Weg der Steimker Brüder Johann (Hans) und Heinrich (Heinz) Wiegmann auf. Die beiden entstammten der Müllerfamilie Wiegmann (Steimker Berg) und wanderten zwischen den Weltkriegen nach Peru aus. Ditmar Wiegmann, Sohn von Heinrich, kehrte mit seiner Familie wieder nach Deutschland zurück, hat aber die Bindung nach Peru nie aus den Augen verloren.

Anschaulich brachte Dannemann den Zuhörern eine der spannenden Auswanderergeschichten der Region näher. Die regionale Tagung klang mit einer Aussprache zu den Themen aus.

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