100 Tage Vorsitzender des Kreisheimatbundes: Claus-Dieter Lösche über Strukturen, Mitglieder-Gewinnung und Wünsche

„Mein Herz schlägt für das Häuslingsprojekt“

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Claus-Dieter Lösche, ehemaliger Direktor des Syker Gymnasiums, ist seit den symbolischen 100 Tagen Vorsitzender des Kreisheimatbundes.

Syke - Heimatgeschichte hat im vergangenen Jahrzehnt eine neue Dynamik bekommen. Das belegen Dokumentationen und Bücher, die in kürzester Zeit vergriffen sind – wie das Buch über Heuerlinge von Bernd Robben und Helmut Lensing. Andererseits zucken viele junge Menschen beim Wort „Heimat“ ratlos mit den Schultern. Ein Spannungsfeld, das für Claus-Dieter Lösche (66) von ganz besonderer Bedeutung ist. Seit den symbolischen 100 Tagen erlebt er es als Vorsitzender des Kreisheimatbundes. Was will er bewegen? Wo sieht er Chancen und wo Herausforderungen? Dazu nimmt er im Interview Stellung. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Lösche, wie viele Mitglieder hat der Kreisheimatbund – und in welcher Altersstruktur?

Claus-Dieter Lösche: Dem Kreisheimatbund gehören 80 Vereine an. Wie viele Mitglieder diese Vereine wiederum haben, wissen wir nicht. Für den Kreisheimatbund ist allein der Verein das Kriterium.

Der Nordkreis ist bei uns sehr stark vertreten, im Süden wird es dünner. Das entspricht der Bevölkerungsstruktur im gesamten Landkreis Diepholz. Um die Vereine im Süden zu stärken, gehen wir mit unserem Kreisheimattag bewusst in diesen Teil des Landkreises – wie am 11. Oktober nach Drebber.

Unsere Mitglieder sind in der Regel Menschen über 70 Jahre. Da müssen wir aufpassen, dass die Alten uns nicht wegbrechen, ohne ihre Erfahrungen für die Nachwelt gesichert zu haben.

Das Projekt Häuslingswesen ist für den Kreisheimatbund jetzt das zentrale Thema. Darin bündeln wir einen Großteil der Energie.

Neue Mitglieder zu finden, das ist selbst für Feuerwehren und Sportvereine eine enorme Herausforderung. Lassen sich für den Kreisheimatbund überhaupt junge Menschen gewinnen, selbst wenn sie zum Begriff „Heimat“ keine Affinität zu haben scheinen? Oder geht das doch?

Lösche: Wir gewinnen Mitglieder über Projekte – wie zum Beispiel „Unser Dorf hat Zukunft“, woran sehr viele Menschen engagiert mitarbeiten, oder die Bewahrung von Scheunen. Dann geht das! Es kommt vor, dass sich Leute bei uns melden, die ein altes Gebäude aufarbeiten möchten und nicht wissen, wie man das organisiert. Da können wir natürlich helfen.

Der spektakuläre Fund des Gesseler Goldhorts taucht den Begriff Heimatgeschichte buchstäblich in ein goldenes Licht. Der Landkreis will Originalstücke in einem neuen Anbau am Kreismuseum präsentieren, eine Vereinbarung mit dem Land ist in Vorbereitung. Bringt sich da auch der Kreisheimatbund ein, zum Beispiel mit dem Blick auf die Heimat in der Bronzezeit?

Lösche: Wir müssen erst einmal unser Häuslingsprojekt abschließen. Das bindet einen Großteil unserer finanziellen Kraft. Dieses Projekt läuft einen Zeitraum von drei Jahren. Im nächsten Jahr können wir anfangen, uns ein neues Projekt zu überlegen.

Regionale Projekte sind für unsere Organisation schwierig, weil wir den gesamten Landkreis berücksichtigen müssen. Geeignet dafür wäre beispielsweise die Aufarbeitung der Schweinezucht und der vielen kleinen Buslinien, die es früher im gesamten Landkreis Diepholz gab.

Eine ebenso spannende wie spannungsreiche Epoche der neueren Heimatgeschichte ist das Häuslingswesen. Um die Geschichte dieser Menschen aufzuarbeiten, die dem Bauern einst eine Art Frondienst leisten mussten, hat der Kreisheimatbund sogar einen Mitarbeiter eingestellt. Wie und wann wollen Sie die Ergebnisse einer möglichst großen Öffentlichkeit präsentieren?

Lösche: Für das Jahr 2017 ist eine große Ausstellung im Kreismuseum geplant. Außerdem soll ein Buch mit den Ergebnissen des Projektes erscheinen. Es gibt aber bereits Zwischenergebnisse. Ende August will Dr. Ralf Weber, der das Projekt ja realisiert, uns zeigen, was er bisher an Informationen gesichert und umgesetzt hat. Dr. Weber ist zurzeit im gesamten Landkreis unterwegs, um Interviews mit alten Menschen zu führen, die damals noch als Häuslinge gelebt haben und sich noch erinnern können.

Der Landkreis, der Landschaftsverband Hunte-Weser und die Kreissparkassen unterstützen unser Projekt.

Welches Projekt liegt Ihnen ganz besonders am Herzen – und was wünschen  Sie sich dafür?

Lösche: Mein Herz schlägt für das Häuslingsprojekt! Ich kann mich, aus meiner Kindheit, noch gut an solche Häuser erinnern. Verwandte lebten darin.

Deshalb ist das Projekt auch für mich ganz persönlich eine Aufarbeitung der Geschichte. Dafür wünsche ich mir einen großen Zuspruch der Bevölkerung – und dass wir mit dem Drucken der Bücher nicht nachkommen...

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