Am Tag, als die Schule schloss

Heute vor 50 Jahren endete die Zeit der Volksschule Leerßen

Die Volksschule Leerßen schloss am 28. Juni 1969. Das Gebäude neben dem Kriegerdenkmal existiert noch heute. Foto: Frank Jaursch
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Die Volksschule Leerßen schloss am 28. Juni 1969. Das Gebäude neben dem Kriegerdenkmal existiert noch heute.

Leerßen - Von Heiner Büntemeyer. Als vor genau 50 Jahren, am 28. Juni 1969, die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Leerßen ihre Zeugnisse bekamen, endete nicht nur das Schuljahr 1968/69. An diesem Tag wurde auch die Schule aufgelöst. Es war ein denkwürdiger Tag für das kleine Dorf.

Genaue Angaben darüber, wann in Leerßen eine Schule eingerichtet worden war, liegen nicht vor. In seiner Schulchronik berichtete der damalige Lehrer Emil Seela, dass ursprünglich Ristedt, Sörhausen und Leerßen eine Schulgemeinde bildeten, aus der sich 1891 Leerßen mit Schorlingkamp ausklinkte und eine neue Schulgemeinde bildete. Im April 1908 wurde zwischen den Gemeinden Barrien und Gessel der Schulzweckverband Barrien-Gessel gegründet, der auch Träger der Volksschule in Leerßen wurde.

Auch die Namen der Lehrer sind in der Chronik verzeichnet: Heinrich Stophelmann (1891 bis 1918), Koopmann (1919 bis 1922), Otto Hachmeister (1922 bis 1950), Emil Seela (1950 bis 1962), Friedrich Petroll (1962 bis 1969).

Als Petroll seinen Dienst antrat, wurden in Leerßen nur noch die ersten sechs Schuljahrgänge unterrichtet. Die älteren Schüler besuchten bereits die mehrzügige Mittelpunktschule in Barrien.

Im Juni 1969 vollzog sich nach der Zeugnisausgabe der letzte offizielle Akt am alten Schulstandort: Schulrat Horst Nieswand verabschiedete Friedrich Petroll, den „Alleinlehrer“ der einklassigen Schule, nach mehr als 40 Dienstjahren mit vielen lobenden Worten in den Ruhestand.

Gessels Bürgermeister Heinrich Meyer, der gleichzeitig Vorsitzender des Schulzweckverbandes war, sprach von „leiser Wehmut“, denn mit der Schule verschwinde „Fundament und Mittelpunkt des kulturellen Lebens in der Gemeinde“. Er sei jedoch bereit einzusehen, dass die steigenden Bildungsziele in einer einklassigen Dorfschule niemals verwirklicht werden können.

Die Konzentration auf die Mittelpunktschule Barrien diene allein dem Wohl der Kinder. „Schon aus diesem Grunde ist der Beschluss der Aufsichtsbehörde zu akzeptieren“, so Meyer.

Etwas kritischer betrachtete der Nordwohlder Schulleiter Günther Grawe als Sprecher des GEW-Kreisverbandes die Schulschließung. Mit Blick auf die „Experimentierfreudigkeit der niedersächsischen Schulbehörden“ warnte er davor, „in puncto Neuerungen den Bogen zu überspannen“.

Aber die Schulschließung in Leerßen war noch nicht die letzte im Bereich der späteren Stadt Syke. Auch die 1969 noch bestehenden Volksschulen in Wachendorf, Ristedt und Okel wurden in den Jahren danach noch geschlossen.

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