Mit System durch den Orkan

Feuerwehr will sich besser auf Extremwetterlagen vorbereiten

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Sturm Xavier sorgte Anfang Oktober mit vielen umgeknickten Bäumen und abgerissenen Ästen für Vollbeschäftigung bei den Syker Feuerwehren. Auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs waren im Einsatz. 

Syke - Von Michael Walter. Ein heftiger Orkan tobt über Syke. Reihenweise decken Windböen die Dächer ab. Umgestürzte Bäume und herabgerissene Äste blockieren die Straßen. Durch einen Oberleitungsschaden ist zwischen Syke und Barrien ein Intercity liegen geblieben. Und dann fällt in der ganzen Stadt auch noch der Strom aus.

Ein Szenario wie aus einem Katastrophenfilm. Aber trotzdem durchaus nah an der Wirklichkeit. Denn solch ähnliche Situationen hat die Feuerwehr im letzten Herbst bereits erlebt. Die Lehre daraus: Nicht auf alles, was passiert ist, waren die Einsatzkräfte vorbereitet. Die Folge: Ein Arbeitskreis – insgesamt acht Personen aus Feuerwehrkommando und Stadtverwaltung – soll sich systematisch mit solchen Extremwetterlagen auseinandersetzen.

Stadtbrandmeister Stefan Schütte blickt zurück auf Anfang Oktober 2017, als das Sturmtief Xavier über Norddeutschland wütete. „Die Einsatzleitstelle in Diepholz war überlastet und konnte die vielen Einsätze nicht mehr abarbeiten.“ Die internen Abläufe sehen vor, dass in solchen Fällen die einzelnen Feuerwehren lokale Einsatzleitstellen bilden. So geschah es auch in Syke. Vom Gerätehaus an der Nordumgehung aus organisierte die Syker Feuerwehr die Einsätze für alle Ortswehren im gesamten Stadtgebiet.

Für jede Lage ein Konzept

„Zwei Dinge sind uns dabei aufgefallen“, erzählt Schütte. „Es gibt noch andere Kompetenzen in der Stadt. Zum Beispiel können die Mitarbeiter vom Bauhof genauso gut mit der Motorsäge umgehen wie wir. Weniger ideal ist es allerdings, wenn wir uns dann an der gleichen Einsatzstelle über den Weg laufen.“

Für Schütte heißt das: Hier müssen Logistik und Kommunikation verbessert werden. Wer kann wo was? Und wer schickt wen wie wohin? Die Antworten darauf soll der neue Arbeitskreis finden.

Doch das Tätigkeitsfeld geht noch viel weiter. Erneut denkt Schütte an Xavier: „Bei Diepholz ist durch den Sturm ein ICE mit 300 Leuten an Bord liegen geblieben. Die mussten alle versorgt werden. Was würden wir in so einem Fall machen? Wo könnten wir die unterbringen und versorgen mit Essen, Schlaf- und Waschmöglichkeiten?“

Und wenn dann auch noch der Strom ausfällt? „Dann stehst du dumm da“, sagt Schütte. „Und genau deshalb wollen wir auf solche Situationen vorbereitet sein.“ Das Rathaus hat zum Beispiel kein Notstromaggregat. Die Syker Feuerwehr – also da, wo im Ernstfall die Einsatzleitung wäre – übrigens auch nicht. Laut Pressesprecher Ihno Fißer gibt es am Gebäude zwar eine Einspeisung für einen externen Generator, aber kein fest eingebautes Gerät. Die Feuerwehr hat zwar eine Handvoll mobiler Generatoren in ihrem Bestand. „Wir können uns im Notfall aber auch nicht blank machen“, so Schütte. Auch hier müsste also ein Plan her. „Für jede Lage ein Konzept“ gibt Schütte die Devise aus. Am 7. März tritt der Arbeitskreis zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. „Ziele formulieren und Aufgaben verteilen“, fasst Schütte die Tagesordnung zusammen.

Und wie lange wird es dauern, bis es Ergebnisse gibt? 

„Das ist eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt“, sagt der Stadtbrandmeister. „Wenn’s um Organisation geht, kann das relativ schnell gehen. Erste Ergebnisse könnten in einem halben Jahr vorliegen. Anschaffungen dauern länger.“

Der Arbeitskreis sei erst mal für drei Jahre geplant, sagt Schütte. „Bis dahin soll die Konzeption fertig sein. Danach müssen wir sehen, ob der Arbeitskreis dann ausgedient hat oder in anderer Form eine ständige Einrichtung bleibt.“

Ein bisschen was steht aber jetzt schon fest. Etwa die Anschaffung eines Logistikfahrzeugs für Absperrmaterial, Sandsäcke und dergleichen, die bereits erwähnten Notstromaggregate oder auch Pumpen.

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