Plädoyer für den Laubhaufen

Sykes Stadtbiologin redet Klartext beim Insektensterben: „Wir müssen umdenken“

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Die Zahl der Insekten sinkt dramatisch. Gegen diesen alarmierenden Trend kann jeder Gartenbesitzer etwas tun, ist Sykes Stadtbiologin Angelika Hanel überzeugt.

Syke - Von Detlef Voges. Sommerzeit, Insektenzeit? Das ist vorbei. Die Frontscheibe des Autos bleibt sauber, seitdem Insekten massenhaft aus dem Alltag verschwunden sind. Industrialisierung, Insektizide in der Landwirtschaft und in den Gärten – die Gründe für das Insektensterben sind vielfältig.

„Wir müssen umdenken“, sagt Sykes Stadtbiologin Angelika Hanel und spricht von rund 80 Prozent der Insektenpopulation, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen seien.

Ein Verlust, der auch andere trifft. Vögel finden beispielsweise nicht mehr genug Nahrung. „Wir merken das deutlich bei Schwalben und Spatzen“, erklärt Hanel und hebt hervor, dass die Stadt Syke schon seit Jahrzehnten auf den Einsatz von Giften im öffentlichen Grün verzichte. Die Kommune setzt auf mechanische Gerätschaften, auf heißes Wasser oder Abflammen mit Propangas.

Im privaten Bereich gibt es aber kein Verbot für den Einsatz von Giften im Garten. „Die Mittel helfen, verseuchen aber auch das Grundwasser“, betont Hanel.

Rasen: Sechs Zentimeter Mindestlänge

Die Stadtbiologin stellt bei vielen Bürgern den Hang zum immer pflegeleichteren Umgang mit Grün fest. Besonders in Neubaugebieten gebe es Formgehölze im Garten sowie Splitt und Kies auf den Wegen. Der Verzicht auf Bäume, Stauden und Blumen habe aber nichts mit Garten zu tun. „Das ist keine Regenwurmkultur“, so die Biologin, die eine immer ärmer werdende Natur ausmacht.

Für einen falsch verstandenen Ordnungssinn hält die Expertin auch den wöchentlichen Einsatz des Rasenmähers und das Sprengen in der Mittagszeit. Zum einen, so Hanel, mag der heiße Rasen kein kaltes Wasser auf dem Halm, zum anderen verpuffe die Hälfte des Wassers. Wenn überhaupt, sollte man den Rasensprenger erst nach Sonnenuntergang in Betrieb nehmen.

Besser sei Regenwasser für den Garten, da es nicht so alkalisch sei wie das Leitungswasser. Für den Garten empfiehlt die Biologin Regentonnen oder Zisternen, die zwischen 5.000 und 10 .000 Liter fassen.

Auch den zu kurzen Rasen beklagt Hanel. Sechs Zentimeter sollte er mindestens haben. Je kürzer, desto eher verbrenne er. Statt des akkurat aufgeräumten Gartens plädiert die Stadtbiologin für Refugien, in denen sich Tiere wohlfühlen. Etwa ein Laubhaufen für Igel, der dort auch Insekten als Nahrung finde. Oder Sträucher und Blumen für Hummeln und Bienen, Beeren und Obst für Vögel. „Die Bürger sollten sich bei Fachleuten beraten lassen, wo sie was anpflanzen können“, erklärt die Expertin. Allein über den Standort könne man zum Beispiel verhindern, dass Pflanzen von Mehltau befallen würden.

Gut für Natur und Umwelt sind laut Hanel auch Dachbegrünungen. Garage oder Carport seien geeignete Einstiege. Jeder Quadratmeter Grün helfe. Wer mehr wissen wolle, könne sich im Rathaus erkundigen.

In Großstädten gehören begrünte Dächer längst schon zu den Domizilen für Bienenstöcke. Generell haben sich auch Friedhöfe wegen der Vielfalt des Angebots als Insekten-Eldorados erwiesen. „Es gibt ja viele bienenfreundliche Pflanzen“, sagt Hanel, erinnert an Bienen-Apps im Internet und schlägt erneut Gespräche mit Fachleuten vor. Die Biologin betont: „Der Bürger kann mit einfachen Aktionen schon viel für die Natur tun.“

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