Wie Sykes Politik mehr als 300 Flüchtlinge koordiniert

Nach der Unterkunft der Job

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Ankunft in Bayern, und dann auf einer Odyssee quer durch die Republik: Rund 180 weitere Flüchtlinge werden bis Ende Januar in Syke erwartet.

Syke - Hunderte von Flüchtlingen, die in den kommenden Wochen auf Städte und Gemeinden des Landkreises Diepholz verteilt werden – aber das ist nur die eine Seite. Denn mit der Unterkunft allein ist es nicht getan, sagt die Kommunalpolitik. Anschließend gehe es vor allem um eine nachhaltige Integration.

Eine ungewöhnliche Initiative starten jetzt Teile der Syker Politik. „Wir stellen einen Antrag auf einen Runden Tisch,“ sagt Heinfried Schumacher, Vorsitzender der Gruppe aus SPD und Grünen im Stadtrat. Sämtliche Institutionen und Organisationen sollen darin vertreten sein und umfassend die Integration der Neubürger auf den Weg bringen. „Alle haupt- und ehrenamtlichen Kräfte bündeln, das ist das Ziel.“

Eine Initiative, die gegenwärtig viel Rückenwind erfährt. „Wir verzeichnen eine ausgeprägte Willkommens-Kultur,“ stellt Schumacher fest, „aus dieser positiven Grundhaltung heraus sollen möglichst schnell Strukturen geschaffen werden, in denen die Menschen aus aller Herren Länder Hilfe finden. Sie sollen möglichst gut und schnell integriert werden.“ Ihm liege noch die Gastarbeiter-Welle in den 60-er Jahren im Gedächtnis. „Da sind schwere Fehler gemacht worden, die nie korrigiert werden konnten. Das darf uns jetzt nicht wieder passieren.“

Das Engagement macht Sinn. Der Landkreis Diepholz hat bisher 1500 Flüchtlinge aufgenommen, bis Ende Januar werden weitere 1600 erwartet, wovon 200 schon eingetroffen sind. Die Stadt Syke hatte sich ursprünglich darauf eingestellt, bis zum Ende des Jahres insgesamt 105 Flüchtlinge aufzunehmen. Eine Quote, die bereits im Sommer erfüllt wurde. Die Zahlen sind inzwischen deutlich nach oben korrigiert. Zurzeit befinden sich 158 Flüchtlinge in der Stadt, bis Ende Januar sollen 184 weitere folgen. Schon allein damit hätte sich die Quote innerhalb von wenigen Monaten verdreifacht. Aber auch damit dürfte nach aktuellen Erkenntnissen das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein. Das Land Niedersachsen hat wegen völlig überfüllter Erstaufnahmelager um Hilfe bei den Kommunen gebeten...

Umso größere Bedeutung kommt dem Runden Tisch zu. Er soll nach den Vorstellungen der stärksten politischen Kraft der Hachestadt sämtliche Richtungen, die zur Integration beitragen können, zusammenführen. Wo können Sprachkurse absolviert werden, welche Kindergärten kommen für welche Familien in Frage, welche Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es und für wen, welche Nachbarschaftsmodelle haben eine Zukunft, welche Wohnungen stehen auf Dauer zur Verfügung. Das sind einige der Fragen, die auf Antworten warten. Und schon wären nahezu alle Institutionen Sykes im Boot. Die Arbeitsagentur genauso wie die Kindergärten, die Arbeitgeberseite wie die Volkshochschule, die Stadtverwaltung wie die Freiwilligenagentur, die Sportvereine, die Kulturvereine, alle.

Ein Sondermodell schlagen SPD und Grüne in Sachen neuem bezahlbaren Wohnraum vor. Nach Genossenschaftsprinzip könnten Neubauten erstellt werden, zusätzliche könnten die Kosten durch die Gewährung von Erbbauzins reduziert werden, zumindest dann, wenn sich die Grundstücke in städtischem Besitz befinden. „Und auch unkonventionelle Projekte sollen auf ihre Machbarkeit überprüft werden. Flüchtlinge, die zum Beispiel in ihren Heimatländern am Bau gearbeitet haben, warum sollten sie hier nicht ebenfalls in diesem Bereich tätig werden?“, sagt Schumacher. Er erwarte nun Vorschläge der Verwaltung.

Für zusätzliche Dringlichkeit hatte unter der Woche eine Ankündigung des niedersächsischen Innenministers gesorgt. Sämtliche Notunterkünfte und Erstaufnahmeeinrichtungen des Bundeslandes seien überlastet, daher würden jetzt Flüchtlinge an Kommunen übertragen. Nur damit könne neuer Platz geschaffen werden für die rund 1000 Flüchtlinge, die täglich eintreffen. Pistorius: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir trotz der intensiven Suche und schnellen Prüfung von Dutzenden Liegenschaften und Geländen und der Schaffung von bislang 18.000 Plätzen in Notunterkünften seit Anfang September diesen Schritt gehen müssen. Wir müssen jetzt auch auf diesem Weg die Ressourcen der Kommunen in Anspruch nehmen. Wir wissen, dass sie dafür auch anderweitig benötigte Gebäude nutzen müssen, aber es gibt keine andere Möglichkeit, das ist eine historische Situation, der wir uns alle, Land und Kommunen, gemeinsam stellen müssen. Dieser Schritt ist alternativlos angesichts Zehntausender Menschen, die alleine seit Anfang September nach Niedersachsen gekommen sind und weiterhin mit steigender Tendenz zu uns kommen werden.“ kra

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