Blick in vergilbte Blätter: Was waren vor 150 und 125 Jahren die Themen in den Zeitungen?

Syker Soldaten für den Krieg – und ein neuer Arzt

Was war los in und um Syke? Ein Blick in die Zeitung vom Januar 1871 offenbart: Sehr viel Holzverkauf (Bild rechts), aber auch scheinbare Belanglosigkeiten wie ein gefundener Regenschirm und ein Geburtstagsgruß ans Fräulein „von einem Freunde aus Bassum“ (
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Was war los in und um Syke? Ein Blick in die Zeitung vom Januar 1871 offenbart: Sehr viel Holzverkauf (Bild rechts), aber auch scheinbare Belanglosigkeiten wie ein gefundener Regenschirm und ein Geburtstagsgruß ans Fräulein „von einem Freunde aus Bassum“ (

Syke – Junge Syker Männer des Geburtsjahrgangs 1851 werden den Jahreswechsel 1870/1871 – also vor 150 Jahren – aus trefflichem Grund richtig begossen haben. Für diesen Jahrgang hieß es gleich am 3. Januar: Auf zur Musterung. Im Saal des Heuerschen Gasthauses hatten sich die Militärpflichtigen aus dem Flecken Syke und den Landgemeinden der damaligen Kirchspiele Syke, Heiligenfelde, Riede, Nordwohlde und Heiligenrode in Syke ab 9 Uhr der Kommission zu stellen.

Am 4. Januar 1871 waren die Militärpflichtigen aus den Kirchspielen Barrien sowie Weyhe, und den Kirchspielen Brinkum und Leeste an der Reihe. Eingeladen hatte dazu per Anzeige in der Zeitung Kreishauptmann Dieterichs. Es war die Zeit des Deutsch-französischen Krieges. Er endete am 1. Februar 1871.

Was damals, unter anderem 1870, wie aus dem Anzeigenteil der Zeitung zu entnehmen ist, für die Waldflächenbesitzer wichtig war, war der Holzverkauf. Untereinander aufgereiht standen Anzeigen, die auf diese Verkäufe hinweisen.

Auch auf Antrag des Jardinghauser Halbmeiers Johann Castens wurden für Freitag, 6. Januar 1871, Morgens um 11 Uhr, 100 Nummern Eichen-Bau-, Nutz- und Brennholz öffentlich meistbietend verkauft. Vollmeier Borstelmann zu Borstel bei Wachendorf verkaufte meistbietend am Donnerstag, 5. Januar 1871, rund 250 bis 300 Nummern Fuhren-Balken, Sparren und Schwapen.

In einer Anzeige der Syker Zeitung aus dem Jahr 1896 verkündet Dr. Wüllmers am 4.  Januar, dass er sich als praktischer Arzt in Syke niedergelassen habe – und zwar in der alten Post (neben dem neuen Schulhaus). Er empfiehlt sich als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer.

Der neue Arzt kam damals aus Uenzen. Er brachte sich in den folgenden Jahren in Syke engagiert ein. Er war unter anderem der Impulsgeber zur Gründung der Syker Feuerwehr im Jahr 1902 und deren erster Hauptmann, und er bekleidete über zwei Jahrzehnte das Amt des Vorsitzenden im Kriegerverein Syke.

Im Dezember 1895 gab es auch im Kreis Syke eine Volkszählung. Das Ergebnis wurde gleich Anfang Januar 1896 in der Heimatzeitung berichtet. Der Kreis Syke zählte 37 112 Einwohner – 18 855 männliche und 18 257 weibliche. Wie die Zeitung meldete, wurde gegenüber der Zählung 1890 ein Anstieg um knapp 1400 Einwohner registriert. Es gab im Jahr 1896 laut Volkszählung 6 740 gewöhnliche Haushalte und 234 Haushalte mit Alleinstehenden, ferner 6 239 Wohnhäuser und Wohnstätten.

Gefeiert wurde auch. Ein großes Ereignis wurde in Syke am 20. Januar 1896 begangen. Zur 25. Wiederkehr des Tages zur Neugründung des Deutschen Reiches läuteten die Glocken der Christuskirche den Tag ein. Der Chronist schrieb in der Syker Zeitung von einer „patriotischen Veranstaltung“. Am Steinkamp wurden Böllerschüsse abgefeuert. Feiern gab es dazu in der Schule und am Abend im „Deutschen Haus“.

Dabei wurden die Veteranen des Krieges 1870/71 mit der goldenen Schlachtenspange geehrt. Veteran Heinrich Schmidt dankte dafür. Es gab dazu Vorführungen, eine hieß „Eine fidele Gerichtsverhandlung“.

Ein sehr heftiger Verkehrsunfall ereignete sich am Neujahrstag 1896. Ein Osterholzer war mit dem Pferdegespann nach Syke unterwegs. Der Chronist vermeldet, dass der Wagen auf dem abschüssigen Weg immer stärker ins Rollen kam. Es steht in der Zeitung geschrieben: „Durch Herumreißen seines muthigen Pferdes rannte dieses mit dem Kopf so heftig gegen einen Baum daß dasselbe sofort umfiel und verendete, während die im Wagen befindliche Frau und deren Kind auf die Straße geschleudert wurden, ohne jedoch erhebliche Verletzungen zu erleiden.“ Der Osterholzer selber kam mit dem Schrecken davon.

Per Anzeige kündete Gastwirth Wessel für Sonntag, 5.  Januar 1896, die Einweihung seines neuen Saals mit „doppeltverstärktem Orchester“ an. Es soll, wie einem Bericht des Chronisten wenig später zu entnehmen ist, eine tolle Einweihungsfeier geworden sein. Am Ende steht geschrieben: „Die Bauleitung lag in den Händen des Zimmermeisters K. Nienstädt.“

Die am 6. Januar 1896 veröffentlichte Kirchenstatistik der Syker Kirchengemeinde sagt aus, dass 1895 in der Gemeinde 66 Kinder geboren und 45 Kinder konfirmiert wurden. Das Heilige Abendmahl empfingen 908 Gemeindeglieder, und in den beiden Klingelbeuteln wurden 388 Mark und 19 Pfennige gezählt.

Von Dieter Niederheide

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