Unter Auflagen

Syker Silvester-Würger kommt mit Verwarnung davon

Syke / Verden - Von Wiebke Bruns. Wenn ein Täter bei der Tat so betrunken ist, dass er nicht mehr weiß, was er macht, dann kommt zwar eine strafbefreiende Schuldunfähigkeit in Betracht, aber er kann wegen seines Vollrausches belangt werden. So ein seltener Fall wurde am Dienstag vom Landgericht Verden in dem Prozess gegen einen aus Syke stammenden Angeklagten entschieden. Er hatte im Vollrausch eine junge Frau fast bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt.

Wegen fahrlässigen Vollrausches wurde der auf Grund seines Studiums in Hannover wohnende 20-Jährige verwarnt - nach Jugendstrafrecht.

In der Silvesternacht 2017/2018 hatte der Student mit einer kleinen Gruppe anderer junger Männer in Syke gefeiert. Nachts auf der Straße waren sie auf eine heute 21 Jahre alte Nachbarin des Gastgebers getroffen. Diese hatte ebenfalls zu Hause mit einem Freund gefeiert und den Nachbarn und seine Gäste spontan in ihr Elternhaus eingeladen. Dort wurden Trinkspiele gespielt, und der Angeklagte war irgendwann so betrunken, dass er sich schon im Wohnzimmer übergab und dann die Gästetoilette unter Wasser setzte.

Die anderen Gäste sorgten sich um den jungen Mann. Der Fahrer der Runde wollte ihn nach Hause bringen, doch das lehnte der Mann wegen eines ähnlichen Vorfalls am vorausgegangen Weihnachtsfest ab. „War doch das erste Mal dieses Jahr“, scherzte einer der Gäste, woraufhin dieser von dem Angeklagten gewürgt wurde. Dann bugsierten die Anderen den 20-Jährigen aus der Wohnung.

Dort wurde die junge Gastgeberin kurz darauf für ihre Freundlichkeit ein zweites Mal bestraft. Trotz des Erbrochenen auf Teppich, Flur und Gäste-WC schaute sie nach dem Angeklagten und wurde von diesem so massiv gewürgt, dass sie keine Luft mehr bekam. „Das war nicht nur einmal kurz eine einfache Körperverletzung“, hieß es in der Urteilsbegründung der 3. Großen Jugendkammer. Glaubhaft habe die Zeugin „Luftnot und Todesangst“ geschildert.

Eine Tötungsabsicht habe man nicht feststellen können. „Aber das ist eine Geschichte, die hätte ganz anders ausgehen können“, betonte der Vorsitzende Richter Lars Engelke. Zwei Personen wurden gewürgt, mehrere Gäste geschlagen und zwei Personen, die den Syker bis zum Eintreffen der Polizei am Boden fixiert hatten, drohte er damit, sie umzubringen. „Ein Vollrausch, mehrere Akte“, fasste es der Vorsitzende zusammen. In dem Prozess behauptete der Angeklagte sich auf Grund seiner Alkoholisierung an nichts erinnern zu können, was ihm der Anwalt der 21-Jährigen auf Grund früherer Aussagen nicht glaubte.

Um 3.54 Uhr hatte der Student noch 1,53 Promille. „Da kann zwei Stunden zurückgerechnet auch eine Zwei vor dem Komma stehen“, verdeutlichte der Richter. Zu Gunsten des Angeklagten wurde von einer Schuldunfähigkeit ausgegangen.

Keine Strafe wegen des Vollrausches also, sondern nur eine Verwarnung. Aber dem Angeklagten, der später einmal Lehrer werden will, wurden vom Gericht ein Anti-Aggressionstraining, Beratungsgespräche bei der Fachstelle Sucht und 45 Stunden ambulante psychotherapeutische Behandlung auferlegt. Er muss außerdem seine eigenen Prozesskosten tragen sowie die Kosten der Nebenklägerin.

Deren Chancen, auf zivilrechtlichem Weg noch Schmerzensgeld und Schadensersatz einzuklagen, sind laut Aussage ihres Anwalts durch den Umstand gesunken, dass der Angeklagte lediglich verwarnt worden ist.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © dpa

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