Syker Manfred Bartsch sammelt Notgeld aus den 1920er-Jahren

Aus der Not geboren

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Farbenfroh, aber seinerzeit vergleichsweise wertlos: Für 75 Pfennige – den Wert der beiden abgebildeten Notgeldscheine – gab es nicht viel. Ein Ei kostete 1921 etwa vier Mark.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Wenn heute „das Geld knapp wird“, ist meist nur der eigene Geldbeutel betroffen. Aber als vor knapp 95 Jahren, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, im ganzen Land das Material für Münzgeld fehlte, zog das große Veränderungen nach sich. Dies war die Geburtsstunde des Notgelds. Das Sammeln der alten, farbenfrohen Geldscheine mit viel Lokalkolorit hat Manfred Bartsch zu seiner Passion gemacht.

Seine Sammlerstücke haben nicht nur Wert, sondern dürfen als kleine Kostbarkeiten geschätzt werden. Wenn der Syker über seine Schätze spricht, leuchten seine Augen. Von Kind auf an hat der ehemalige Post-Betriebsleiter Briefmarken gesammelt. Seine Interessen blieben nicht nur bei den Briefmarken: Ein Vereinsfreund führte ihn an das Notgeld heran.

Kommunen, Kreise und sogar private Unternehmen gaben seinerzeit eigene Gutscheine heraus. Diese waren oft so hübsch gestaltet, dass Sammler darauf Jagd zu machen begannen.

So wie – 90 Jahre später – Manfred Bartsch. Zum Gespräch hat er ein Lederalbum mitgebracht, worin er sorgfältig das Notgeld aufbewahrt.

Mehr als 100000 verschiedene Ausgaben soll es gegeben haben. Erste Notgeldscheine gab die Kreissparkasse Diepholz am 1. September 1920 heraus: in Werten von 10, 25 und 50 Pfennigen in einer Auflage von je 50000 Stück. In einer zweiten Serie (50 und 75 Pfennig) legte man dann besonderen Wert auf die künstlerische Gestaltung der Scheine.

Ein Nebeneffekt dieses aufwändig gestalteten Notgeldes war wohl die Aufforderung im Dezember 1921, das Notgeld auch an Freunde und Verwandte in Übersee zu schicken, um den Ausgewanderten „eine Bindung an die Heimat“ zu erhalten.

Die Abbildungen auf dem farbigen Notgeld wurden allesamt von Künstlern entworfen und erzählen die Geschichte des Landkreises und verschiedener Orte in Bildern. Twistringen hat beispielsweise besonders kreative Exemplare drucken lassen.

Prächtige Diepholzer Scheine mit Sprüchen darauf kamen heraus. Städte, Dörfer, Handwerk und Landwirtschaft waren berücksichtigt. Fantasievolle Scheine waren ein beliebter Münzenersatz. Aber es gab auch schlichte Zahlungsmittel wie Gutscheine, beispielsweise ausgegeben bei Niebuhr in Heiligenfelde.

Die große Zeit des Notgeldes als Zahlungsmittel endete schon nach wenigen Jahren. Der Grund: Spekulanten hatten Städten und Gemeinden das Recht auf die Notgeld-Herstellung abgekauft und exzessiv Scheine auf den Markt geworfen. Die Reichsregierung schritt ein und verbot am 17. Juli 1922 Notgeld für das ganze Reich.

Die Scheine verloren ihre Funktion als Zahlungsmittel, blieben aber über all die Jahrzehnte eines: ein beliebtes Sammelobjekt. Zum Beispiel für Manfred Bartsch.

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