Harjes Montagebau

Syker Know-how im heimischen Vogelkäfig

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Harjes-Chef Frank Kanther (r.) verfolgt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Faruk Kryeziu (l.) und Gürol Korkudan die Produktion der Holzkerne für Vitakraft. Ein Laser schneidet die Löcher in die Fichtenholz-Stäbe.

Syke - Von Frank Jaursch. Es gibt Firmen, deren Produkte hat man schon tausendmal in der Hand gehabt, ohne es zu wissen. Und es gibt Firmen, die in ihrer Branche eine führende Rolle spielen, ohne dass es bekannt wäre. Syke hat von beiden eine ganze Menge. Ein paar dieser „Hidden Champions“ stellen wir in dieser Reihe vor.

„Mach doch mal ‘ne Banane aus Holz!“ Der Mini-Auftrag war für die Bautischler von Harjes Montagebau nicht mehr als eine Fingerübung. Und zugleich gewissermaßen der Türöffner für einen außergewöhnlichen Großauftrag. Seit Anfang des Jahres produziert das Syker Unternehmen für Vitakraft die Holzstäbe, die als Kern der „Kräcker“-Knabberstangen für Papageien dienen.

Kernkompetenz: Fenster und Türen

Nun stellen diese kleinen Stäbe nicht unbedingt die Kernkompetenz von Harjes dar. Die liegt nach wie vor bei Fenstern, Türen & Co., wie Chef Frank Kanther immer wieder betont.

Kanther ist ein Syker Jung. 1993 übernahm er als 22-jähriger Tischlergeselle den Betrieb von Firmengründer Michael Harjes. Mit Einsatz, Kreativität „und einem gewissen jugendlichen Leichtsinn“ hat er seitdem aus dem ehemaligen Zwei-Mann-Betrieb ein renommiertes Unternehmen mit mittlerweile 28 Mitarbeitern gemacht.

Seit 1994 hat Harjes Montagebau seinen Sitz im Syker Industriegebiet – mittlerweile an drei Standorten. Neben der Zentrale, in der die eigene Ausstellung Platz gefunden hat, stehen in der Nachbarschaft die große Logistikhalle und die Tischlerei. Der Löwenanteil der Aufträge sind Altbausanierungen. Viele Privatkunden schätzen die Mischung „aus guter Qualität, fairen Preisen und sauberer Montage“, so Kanther.

Drei Jahre Entwicklung bis zur Serientauglichkeit

Für den 47-Jährigen ist sein Betrieb eine Herzensangelegenheit. Diese Leidenschaft versucht er mit Erfolg auf seine Mitarbeiter zu übertragen. „Die Jungs sind stolz, den Harjes-Pulli zu tragen“, sagt er. Stillstand ist für Frank Kanther Rückschritt. „Man muss was tun“, sagt er, „sonst ist man kein Unternehmer.“

Knabberspaß mit Syker Kern: Die „Kräcker“ sind noch recht neu im Sortiment. Mit Holzstab und Aufhängung in einem Stück vermeidet Vitakraft die Verwendung von Metall und/oder Plastik.

Neues wagen, Grenzen überschreiten: So kam auch der Deal mit dem Bremer Vitakraft-Konzern zustande. Die Herausforderung war scheinbar einfach: Vitakraft wollte die Halter aus Kunststoff oder Draht vermeiden, die bislang für das Anbringen der Knabberstäbe im Vogelkäfig erforderlich waren.

Kanthers Idee, die hölzernen Stäbe inklusive Halter zu produzieren, war nur der erste Schritt. Wie bekommt man diese Aussparungen bei großen Stückzahlen hin? Die Antwort – per Laser! – zog neue Fragen und Probleme nach sich.

Der Entwicklungsprozess bis hin zu einer Lösung, die einen ungestörten Papageien-Knabberspaß ermöglicht, bescherte Kanther und seiner Frau Susanne Thölken so manche schlaflose Nacht. Nach vielen Gesprächen an Universitäten, nach zahllosen Tests und Laboruntersuchungen war die Lösung gefunden. „Bis zur Serientauglichkeit hat’s drei Jahre gedauert“, schätzt Kanther.

Stückzahl: 2 Millionen jährlich

Er hat mit seiner Partnerin eine wertvolle Ergänzung neben sich, die ihn unterstützt. Kanther ist überzeugt: „Man kann nur ein guter Unternehmer sein, wenn man eine starke Frau neben sich hat.“

Seit Anfang des Jahres werden die Kräcker mit dem hölzernen Kern „Made in Syke“ verkauft. Laut Kanthers Kenntnissen ganz erfolgreich. Knapp zwei Millionen Stück stellt sein Betrieb derzeit pro Jahr her. Und wenn der Bedarf mal größer wird? Kanther lächelt. Als überzeugter Feuerwehrmann weiß er: Man muss immer Reserven bilden können. „20 Millionen würden wir auch hinkriegen“, sagt er augenzwinkernd.

Neben dem Montagebau und der Möbelmanufaktur sind die Vitakraft-Sticks jetzt das dritte Standbein bei Harjes. Wer also irgendwo in Westeuropa seinem Papageien einen Kräcker kauft, kann sich sicher sein, ein bisschen Know-how aus Syke im heimischen Vogelkäfig zu haben.

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