Todkranke Bäume

Kirchenvorstand muss 100 Jahre alte Lindenallee auf dem Friedhof abholzen lassen

Carsten Liebich und Friedhofsgärtner Stefan Behrens zeigen den Stamm einer abgeknickten Kopflinde.
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Den hat’s zerlegt! Carsten Liebich vom Friedhofsausschuss des Kirchenvorstands und Friedhofsgärtner Stefan Behrens zeigen den Stamm der abgeknickten Kopflinde. Pilzbefall hatte den Baum buchstäblich mürbe gemacht. Und das sieht bei den anderen nicht wesentlich besser aus.

Die Baumallee vom Eingang des Syker Friedhofs in Richtung Kapelle ist seit Ewigkeiten ein Blickfang – es gibt sie seit der Einweihung der Kapelle im Jahr 1929. Doch nun sind die Tage der Linden gezählt: Pilzbefall hat sie todkrank gemacht.

Syke – Der Waldfriedhof im Friedeholz verliert gewissermaßen sein Gesicht: Die auffällige Baumallee vom Haupteingang zur Friedhofskapelle muss komplett weg. Pilzbefall hat die Stämme buchstäblich mürbe gemacht. Sie sind dadurch nicht mehr standsicher und müssen gefällt werden.

Friedhofsgärtner Stefan Behrens und Carsten Liebich vom Friedhofsausschuss des Vorstands der Christuskirchengemeinde trifft das nicht völlig unvorbereitet. „Von dem Pilzbefall wissen wir seit etwa fünf Jahren“, sagt Behrens. „Aber die Bäume waren immer noch grün und sind laufend beobachtet worden. Wir sind davon ausgegangen, dass die noch eine Weile halten würden.“

Dass dem nicht so ist, kam dann für beide doch überraschend. Und zwar vor etwa 14 Tagen. Da ist eine der Krimlinden umgestürzt. Einfach so. Bei Windstille. Nichts und niemand sonst ist dabei zu Schaden gekommen. Trotzdem war das ein Alarmsignal. „Es hätte genausogut jemand drunter liegen können“, sagt Liebich.

Für den Friedhofsausschuss war damit klar: Die kranken Bäume müssen weg. Und zwar bevor am Ende doch noch jemandem was passiert.

Das ist durchaus ein Verlust: Die Bäume sind knapp 100 Jahre alt. „Die Allee ist 1929 zur Einweihung der Friedhofskapelle angelegt worden“, weiß Stefan Behrens. „Und da waren die Bäume schon ein paar Jahre alt. Von der ursprünglichen Bepflanzung sind 41 Bäume noch vorhanden. Alle haben den Pilz. 13 davon so stark, dass sie jetzt zeitnah gefällt werden. Die übrigen kommen ab dem Herbst an die Reihe. So lange bleiben auch die Stubben von den 13 anderen stehen, sagt Behrens. „Und dann werden wir neue Linden pflanzen.“ Um die 50 Stück insgesamt. Damit werden auch die Lücken in der Allee wieder geschlossen, die der Zahn der Zeit bisher schon genagt hatte. „Nur dauert es dann eben wieder 100 Jahre, bis die Allee so aussieht wie jetzt“, sagt Carsten Liebich achselzuckend.

Im Kirchenvorstand sei das sehr wohl ein Thema gewesen, sagt er. „Sicher hätten wir einzelne Bäume noch länger stehen lassen können. Aber so eine Allee ist ein Gesamtbild. Und das hätten wir dann nie wieder einheitlich hingekriegt.“

Der Pilz wird übrigens im Boden bleiben, sagt Stefan Behrens. Für die Neuanpflanzung sei das aber kein Problem. „Wir haben früher schon mal zwei neue Linden nachgepflanzt. Die sind vital“, sagt er. Es sei ein Unterschied, ob ein Baum gewissermaßen von klein auf mit einem Pilz im Boden aufwachse oder nicht. Im einen Fall kommt er mit dem Pilz in aller Regel zurecht, im anderen eher nicht.

Dass die Linden jetzt derart Schaden genommen haben, hängt für Carsten Liebich auch mit der außergewöhnlichen Trockenheit der letzten Sommer zusammen.

Einen konkreten Termin zum Fällen der ersten 13 Bäume gibt es noch nicht. „Wir machen das flexibel, wie es in den Zeitplan passt“, sagt Stefan Behrens. „Das wird ohnehin kein großer Akt. Für die meisten wird man nicht mal eine Säge brauchen. Da reichen ‘n Trecker und ‘n Seil.“ Die Stubben kommen – wie eingangs schon erwähnt – erst raus, wenn auch die übrigen Bäume gefällt worden sind. Eine Entscheidung aus wirtschaftlichen Überlegungen. „Wir haben keine eigene Stubbenfräse. Das müssen wir vergeben“, sagt Behrens. „Da macht es Sinn, wenn wir Anfahrt- und Nebenkosten nur einmal bezahlen müssen.“

Von Michael Walter

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