Syker Förster Lars Pump ist seit einem Jahr Wolfsberater

„Dem Wolf ist es im Nordkreis zu hektisch“

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Lars Pump ist Wolfsberater – die Arbeit im Nordkreis ist aber überschaubar.

Syke - Von Maik Hanke. Der Wolf hält wieder Einzug in Deutschland, und während die ganze Republik in eine „Wolfomanie“ zu verfallen scheint, bleibt Lars Pump ganz ruhig. So ist er als Mensch, das verlangt aber auch sein Job: Seit etwa einem Jahr ist der Syker Förster ehrenamtlicher Wolfsberater, einer von dreien im Landkreis Diepholz.

Ruhe bewahren, sachlich sein, auch tolerant gegenüber anderen Meinungen, das sind wesentliche Eigenschaften, die er als Wolfsberater mitbringen muss, erzählt Pump. „Ich möchte weder als Wolfsfreund noch als -gegner rüberkommen.“ Er muss schließlich den Überblick behalten, Daten sammeln und Fakten vermitteln.

Pump beantwortet Anfragen, dokumentiert Spuren und nimmt DNA-Proben. Maßnahmen für oder gegen den Wolf ergreifen darf er nicht.

„Ich hab mich da nicht beworben“, sagt der 48-Jährige über seinen Weg zum eher ungewöhnlichen Ehrenamt. Er hatte mal in einem Gespräch mit Kollegen aus der Syker Jägerschaft angemerkt, dass ihn ein solcher Job reizen würde – ihn interessieren die Biologie des Tieres und wie es sich verbreitet. Als das Land Niedersachsen im vergangenen Jahr veranlasste, überall im Land Berater einzustellen, wurde Pump gefragt. Er sagte Ja. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich nun über den Nordkreis: Syke, Weyhe, Stuhr, Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.

Sein zunächst sehr allgemeines Wolfswissen als Jäger und Förster vertiefte Pump bei Schulungen. Sein erster Fall forderte dann bereits kurz nach seiner Ernennung den weiten Sprung von der Theorie in die Praxis. Denn sein erster Fall war auch sein bisher schwierigster.

Im November 2014 wurde Pump gerufen. Ein Tier hatte in Rüssen bei Twistringen neun Schafe gerissen. Pump untersuchte den „Tatort“, nahm DNA-Proben und schickte sie ans Labor des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Hannover. Dort stellte sich heraus: Ja, es war der Wolf.

„Das war schon nicht so einfach“, sagt Pump rückblickend über den Fall. Aber er hatte Hilfe – von Kurt Gödecke, einem anderen Wolfsberater. Ohnehin würden sich die drei Berater im Kreis – neben Pump und Gödecke noch Marcel Holy – sehr gut unterstützen.

Heute hätte er mehr Routine und Sicherheit in einem solchen Fall, glaubt Pump. Fünf Risse hat er mittlerweile untersucht.

Und wie erkennt man, ob Bisswunden tatsächlich von einem Wolf stammen und nicht etwa von einen großen Hund? „An den Zahnabständen kann man ein bisschen was erkennen“, erklärt Pump. Außerdem: „Der Wolf fasst an der Kehle an und drückt mit einem kräftigen Biss die Luftröhre zu und erstickt das Tier. Beim Hund sieht das meist anders aus.“ Auch die Gesamtsituation dient als Anhaltspunkt. War Wolf schon mal in der Gegend? Ist ein Wanderweg in der Nähe, wo Leute mit Hunden spazieren gehen? Das alles sind aber nur Indizien. Klarheit bringt letztlich nur der DNA-Test.

Abgesehen vom Fall in Rüssen ist es in seinem Zuständigkeitsbereich eher ruhig. Es könnte sein, dass schon mal ein Wolf durch den Syker Bereich gezogen ist, wissen könne man das aber nicht, sagt Pump. Und wenn bisher noch keiner da war, dann sei es „nur eine Frage der Zeit“. Sesshaft wird der Wolf dort aber vermutlich nicht. „Ich glaube, dass es ihm im Nordkreis zu hektisch ist.“

Von Langeweile für einen Wolfsberater könne aber keine Rede sein. „Ich bin froh, wenn ich nicht groß raus muss“, sagt Pump und erklärt: „Wenn ich raus muss, sind es meist unschöne Anlässe.“ Er muss dann oft totgebissene Tiere untersuchen.

Pauschalurteile, ob es gut oder schlecht ist, dass der Wolf wieder da ist, kann sich Pump nicht erlauben. Ihm als Naturfreund gefalle es, wenn eine in Deutschland ausgestorbene Tierart wieder da ist. Andererseits ist ein Wolf ein Raubtier. Es kann mit seinem Jagdverhalten die Existenzen von zum Beispiel Schäfern gefährden.

„Die Gefahr ist für den Menschen relativ gering“, beruhigt Pump. An Menschen hat der Wolf normalerweise kein Interesse – eher an deren Hunden, die der Wolf entweder als Paarungspartner oder als Konkurrent ansehen könnte. Sollte man mal einem Wolf begegnen, empfiehlt Pump Distanz zu wahren, gegebenenfalls den Hund an die Leine zu nehmen, und auf sich aufmerksam zu machen: Rufen, klatschen. Dann dürfte sich der Wolf von alleine verdrücken.

Das Glück, einen Wolf in natura zu sehen, hatte Pump bisher noch nicht. Aber wenn es eines Tages klappt, was würde er dann machen? Ruhe bewahren – und das Tier erst mal beobachten.

Lesen Sie auch: Wolf im Landkreis Diepholz nachgewiesen - in mindestens fünf Fällen

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