AUS DEM GERICHT Als Abholer letztes Glied einer kriminellen Bande / Zwei Jahre Jugendstrafe

Syker erleichtert Senioren um Geld und Gold

Das Symbolfoto zeigt einen Polizisten, der eine Dienstmarke der Kriminalpolizei in seiner Hand hält. Immer wieder kommt es zu Fällen, bei denen Senioren von falschen Polizisten dazu gebracht werden, Wertgegenstände, Gold oder Geld herauszugeben. Ein Syker, der als so ein Abholer einer kriminellen Bande tätig war, ist nun vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Syke verurteilt worden. 
Archivfoto: dpa
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Das Symbolfoto zeigt einen Polizisten, der eine Dienstmarke der Kriminalpolizei in seiner Hand hält. Immer wieder kommt es zu Fällen, bei denen Senioren von falschen Polizisten dazu gebracht werden, Wertgegenstände, Gold oder Geld herauszugeben. Ein Syker, der als so ein Abholer einer kriminellen Bande tätig war, ist nun vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Syke verurteilt worden. Archivfoto: dpa

Syke / Lahausen – Als sogenannter Abholer einer kriminellen Bande hat ein Heranwachsender aus Syke bei drei Senioren zigtausende Euro Bargeld und etwa 7,5 Kilo Gold abkassiert. Er war 2019 in drei Fällen als Abholer das letzte Glied einer kriminellen Bande, die aus der Nähe von Istanbul agiert und Seniorinnen und Senioren in Deutschland immense Werte an Bargeld, Gold und Wertpapieren auf betrügerische Weise unter Einsatz falscher Polizisten abluchst.

Das Jugendschöffengericht des Syker Amtsgerichts verurteilte den Syker wegen Betruges in drei Fällen sowie eines gemeinschaftlich begangenen Einbruchdiebstahls, begangen in Lahausen, zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung. Nach Weisung eines Bewährungshelfers muss der Verurteilte 200 Arbeitsstunden ableisten. Die Einziehung des Wertes wurde auf insgesamt rund 23  800 Euro festgelegt. Daran wird der junge Mann einige Jahre abzuzahlen haben.

Vorsitzender Richter Christoph Kellermann führte unter anderem an, dass es bei der Straffindung ein Pluspunkt für den Angeklagten war, dass er mit seinem Geständnis den Opfern seiner Taten ersparte, als Zeugen vor Gericht auszusagen.

Mit dem Urteil kam das Jugendgericht dem Antrag von Oberstaatsanwalt Löning nach. Bei der Frage zum Strafmaß hatte es im Vorfeld zwischen den Prozessbeteiligten Gespräche gegeben, die als Ziel eine Bewährungsstrafe hatten. Der Oberstaatsan walt verhehlte schon vor seinem Abschlussplädoyer nicht, dass er insbesondere wegen der Betrügereien gegenüber den älteren Leuten schockiert sei. Der Schaden sei immens. Eine Bewährungsfrist sei wie ein Geschenk.

Der Bremer Rechtsanwalt Matthias B. Koch, Verteidiger des Sykers, sprach vor seinem Plädoyer zu der im Raum stehenden Bewährungsstrafe, dass diese für den Mandanten wie Weihnachten und Ostern auf einmal sei.

Die Kriminellen sind aus einem Call-Center bei Istanbul tätig, sprechen gutes Deutsch. Von der jeweiligen Beute werden 60 Prozent nach Istanbul übergeben. Verbindungsleute sitzen unter anderem in Bremen.

Wie auch unsere Zeitung schon oft berichtete, wird den Senioren von Anrufern, die sich als Polizisten ausgeben, vorgegaukelt, dass ihr Vermögen durch Verbrecher in Gefahr sei und sie es aus Sicherheitsgründen der vermeintlichen Polizei übergeben sollten. Ein Polizist werde die Wertsachen abholen. Leider fallen immer wieder ältere Menschen auf diese Masche herein.

Der Syker kam laut Anklage im Februar 2019 erstmals als Abholer zum Einsatz. Er holte von einem 76-jährigen Senior in Münster 4,5 Kilogramm Goldbarren ab.

Im März bekam er den Auftrag, eine 86-jährige Frau aufzusuchen und bei ihr Geld abzuholen. Die Frau hob 20 000 Euro von der Bank ab und gab sie dem Abholer. Auch eine 77-jährige Frau in Zeven bekam einige Anrufe von angeblichen Polizisten, die ihr suggerierten, dass ihr Geld und andere Werte durch Kriminelle in Gefahr seien. Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, behaupteten die Anrufer sogar, dass bei den Straftaten Bankmitarbeiter beteiligt seien. Der Syker suchte die Seniorin auf – und bekam drei Kilogramm Gold und 70 600 Euro in Wertpapieren ausgehändigt.

Der Abholer bekam von dem Bremer Mittelsmann, den er kannte, für zwei Taten 3 500 Euro. Als er die Beute aus dem dritten Fall in Bremen weitergeben wollte, schlug die Polizei zu. Im Zuge der Ermittlungen gegen die Bande fiel auch er auf.

Beute im Gesamtwert von etwa 17 000 Euro machte der Syker darüber hinaus mit einem Komplizen bei einem Wohnungseinbruch in einer Aprilnacht 2019 in Lahausen. Die Einbrecher hebelten eine Tür auf und nahmen mit, was sie gerade abtransportieren konnten.

Auch Bargeld in Höhe von einigen tausend Euro fiel ihnen in die Hände. Dazu Wertgegenstände wie Kamera, Laptop, eine Messersammlung, Fernglas, Schmuck, Uhren, Sparbücher, eine Brieftasche mit Bargeld und einige Fahrzeugbriefe. Manche Wertsachen verhökerte der Angeklagte für 400 bis 500 Euro in Bremen, einen Tresor warf er weg – die Fahrzeugbriefe auch. Das unredlich ergaunerte und geklaute Geld habe er einfach ausgegeben.

Der Oberstaatsanwalt hielt dem Heranwachsenden vor, dass er trotzt eines guten Schulabschlusses nichts auf die Reihe bekommen habe. „Er hat abgehangen und nichts getan“ sagte der Anklagevertreter. Verteidiger Koch war überzeugt: „Ich glaube, er geht seinen Weg.“ Die beantragte Strafe nannte er maßvoll.

Von Dieter Niederheide

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