2013 eindeutiges Nein des Kreistages

Bürgerpetition für SY-Kennzeichen gestartet: To SY or not to SY

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Bislang wurde nur eine Petition gestartet, doch die Bürger im Landkreis haben schon 2013 bewiesen, dass sie bereit sind für ein SY-Kennzeichen zu kämpfen.

Syke - Von Marc Lentvogt. „Spalter!“, skandiert die Volksfront von Judäa in Monty Pythons „Leben des Brian“ gegen ein Mitglied der Judäischen Volksfront. Ähnlich befürchtet Markus Reimann im Landkreis Diepholz behandelt zu werden – dabei wünscht er sich nur die Wiedereinführung des Auto-Kennzeichens SY. Zu diesem Vorhaben habe Landrat Cord Bockhop einst gesagt, es würde den Landkreis spalten. Um seinem Traum Nachdruck zu verschaffen und die Relevanz des Projektes aufzuzeigen, hat Reimann nun eine Petition gestartet.

„Es geht mir nicht darum, die Vergangenheit wieder aufzurollen“, erklärt Reimann im Gespräch. Die Vergangenheit, das sind die Gebietsreform und die damit einhergehende Aufteilung des Landkreises Grafschaft Hoya– mit dem amtlichen Kennzeichen SY.

Heute ist Syke keine Kreisstadt mehr, ein SY ist nur noch an Oldtimern und Treckern zu sehen. In der Hachestadt ist die Debatte um das Kennzeichen seit einigen Jahren eingeschlafen, aber Reimann möchte erneut versuchen, dem DH im Landkreis ein SY zur Seite zu stellen. Positive Vorbilder, beispielsweise Bremervörde im Landkreis Rotenburg, gibt es reichlich (308 sogenannte Unterscheidungszeichen sind heute in der Bundesrepublik zugelassen). „Syke ist eine schöne Stadt, ich mag sie und würde das gern durch das Kennzeichen ausdrücken“, erklärt Lokalpatriot Reimann.

Bis zum 22. Dezember mehr als 70 Unterzeichner

Etwa 75 Unterzeichner hat seine Petition auf der Internetplattform change.org im Moment. „Ich habe Landkreise gesehen, da ging das schneller“, gesteht Reimann einige Tage nach Petitionsbeginn, aber von einem Misserfolg will er nichts wissen.

Anders sieht das Landrat Cord Bockhop: „Syke ist kein Stadtkennzeichen, es müsste im gesamten Nordkreis Anklang finden.“ Wenn die Umsetzung dann unaufgeregt vonstattenginge, hätte er keinerlei Problem mit einem zweiten Kennzeichen im Landkreis.

Diese zweiten und dritten Kennzeichen gebe es ohnehin schon, hält Heinfried Schumacher von der SPD dagegen. Seitdem es möglich ist, bei einem Umzug ein Kennzeichen mitzunehmen, „findet eine Vermischung der Kennzeichen im Landkreis statt“, entkräftet er Bockhops Argument. Eine Spaltung des Landkreises – damit begründete die Kreisverwaltung im Jahr 2013 die Ablehnung des SY-Kennzeichens – könne daher nicht als erneute Argumentation herhalten.

„Syke ist kein Stadtkennzeichen“

Ohnehin – welche Erfahrungen haben die Nachbarkreise denn gemacht? Gibt es die Gefahr der Spaltung zwischen Rotenburg und Bremervörde? Ulrike Ringen, Leiterin des Straßenverkehrsamtes im Landkreis Rotenburg, kann nur Gutes über die Einführung des BRV-Kennzeichens berichten. „Es hat überhaupt keine Probleme gemacht.“ Zudem bekommen mehr Menschen ihr Wunschkennzeichen, da sie es mit zwei Ortskürzeln kombinieren können. Anmeldungen für das BRV-Kennzeichen seien nicht auf den Nahraum Bremervörde beschränkt, sondern werden im gesamten Landkreis Rotenburg(Wümme) registriert, erklärt sie. Das beweist nicht, dass es im Landkreis Diepholz genauso verlaufen muss, zeigt aber, dass es auch ganz anders laufen kann, als befürchtet.

Zurück nach Syke: Dort darf Markus Reimann auch andere politische Fraktionen hinter sich wissen. „Warum sollte nicht jedem diese Wahl freigestellt werden?“, argumentiert CDU-Ratsfrau Edith Heckmann. Marita Thiel-Wolf weiß, dass es bei den Grünen in der Stadt engagierte Befürworter gibt. Anderen ihrer Parteikollegen scheint es hingegen egal. Ähnlich sieht es laut Andreas Schmidt bei der Freien Wählervereinigung aus. Schmidt selbst hielte „die Wiedereinführung des Kennzeichens für gut, weil man sich wieder mit Syke identifizieren könnte“.

Unterschiedliche Syker können sich mit der Idee des Kennzeichens also anfreunden, die Petition hat dennoch nur wenige Befürworter. Verwundert das, wurde 2013 doch noch engagiert demonstriert? Nicht laut Cord Bockhop.

Weiterhin verhärtete Fronten?

In Anbetracht von Themen wie Kriegen und Tierquälerei, die andere Regionen dieser Welt heute plagen, sei es das Kennzeichen nicht wert, über alle Maßen erhöht und als identitätsstiftend hervorgehoben zu werden, relativiert er die Bedeutung dieser Diskussion. „Aber wenn es für die Menschen hier so wichtig ist, ist es meine Aufgabe als Landrat für ein gemeinsames Kennzeichen aller Menschen im Landkreis Diepholz zu kämpfen“, erklärt er sein rigoroses Auftreten. Ohne diese Dramatik hätte er 2013 locker zustimmen können.

Sind die Fronten also nicht so verhärtet? Hein Sievers von der Stadt sieht auf absehbare Zeit „keine guten Vorzeichen“, denn „wir als Syker haben wenig Schützenhilfe von den Nordkreis-Kollegen“, berichtet er. Die Stadt geht nicht davon aus, dass sich am 2013er „Nein!“ der Kreisverwaltung etwas geändert hat.

Möglich, dass die Leidenschaft für das SY wieder hochkocht. Doch Lokalstolz und 70 Unterschriften werden das Kennzeichen nicht zurückbringen. Wenn sich alle Beteiligten an ihr Wort halten und zivilisiert diskutieren, wird aber zumindest nicht erneut ein Drama shakespearschen Ausmaßes veranstaltet.

Kommentar zum Thema

Ein Wort zur Identität

Von Marc Lentvogt

Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Befürchtung, der Landkreis könnte durch ein zweites Kennzeichen gespalten werden, in allen Ehren – es ist genau andersherum. Wer ein Syker Kennzeichen möchte – die Gesetzeslage erlaubt das, die Kosten sind zu vernachlässigen – wird vom Landkreis Diepholz entfremdet, wenn ihm dieser Wunsch nicht gewährt wird.

Zum Einen haben wir sehr viele Identitäten – gegenüber meiner Eltern bin ich ein Sohn, im Fußball-Gespräch BVB-Fan und auf der Straße, selbst wenn ich im Auto sitze, eher Radfahrer. Je nach Bezug ist es daher kein Problem, sich parallel als Syker und als Bürger des Landkreises Diepholz zu fühlen.

Ein Problem wird das erst dann, wenn das eigene Bild nicht mit dem Bild übereinstimmt, welches andere von uns haben.

Wenn dem „Ich bin Syker“ ein „Nein, du bist Diepholzer“ gegenübersteht, ist die Reaktion ganz offensichtlich nicht „Na gut, bin ich halt Diepholzer“, sondern „Der Landrat hat keine Ahnung, wer ich bin und was mir das bedeutet“. Spaltung, Entfremdung, Wut sind die Folge, beim nächsten Mal revanchiert man sich dann bei den Nachbarn, die nicht mitgespielt haben, und schon ist das Chaos perfekt.

Verehrte Politik, verehrter Herr Landrat, wenn es Ihnen wirklich so egal ist, dann machen Sie doch bitte kein Drama daraus. Zeigen Sie Initiative, bringen Sie den Vorschlag ein und winken ihn durch. Das würde die Souveränität und das Selbstbewusstsein dieses Landkreises stärker demonstrieren, als die Angst vor dem eigenen Bürger.

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