„Es wird noch viel passieren“

Zwischenbilanz im Pflegekompetenzzentrum - Weiterer Ausbau steht fest

Unter einem Dach: Das Pflegekompetenzzentrum vereint unter einem Dach sieben verschiedene Schulformen, die in unterschiedlichen Pflegeberufen ausbilden – mit einem Schwerpunkt auf großer Nähe zur Realität. Dafür gibt es eine voll funktionsfähige Pflegestation. Das einzige, was darin nicht echt ist, sind die Patienten.

Syke – Von Michael Walter. Atem holen für den nächsten Anlauf – so können Horst Burghardt und Bernd Pache ins neue Jahr gehen. Beide leiten gemeinsam das neue Pflegekompetenzzentrum in der ehemaligen Hacheschule an der La-Chartre-Straße. Ein erklärtes Leuchtturmprojekt des Landkreises. Einen Berg Arbeit haben sie im ersten Kalenderjahr bewältigt. Und der nächste steht schon bevor.

„Der Umbau war eine Punktlandung“, sagt Burghardt. Von Februar bis August ist die ehemalige Förderschule in weiten Teilen entkernt und neu ausgebaut worden. Wo früher Unterrichtsräume für lern- und sprachbehinderte Kinder waren, ist jetzt eine komplette voll funktionsfähige Pflegestation, an der Jugendliche und junge Erwachsene das Rüstzeug für unterschiedliche Pflegeberufe erwerben. Nur eben nicht am realen Pflegepatienten, sondern am Dummy. Berufsorientierung, Grundbildung und Ausbildung lauten die Stichworte dafür.

„Der Druck war enorm“, blickt Burghardt zurück. „Zum 1. August musste alles soweit fertig sein, dass sich die Schüler unfallfrei bewegen konnten.“ Das hat funktioniert. Seitdem ist das Pflegekompetenzzentrum das gemeinsame Dach für sechs Schulformen der Berufsbildenden Schulen – deren Leiter ist Horst Burghardt – sowie für die Gesundheits- und Krankenpflegeschule, die der Klinikverbund Landkreis Diepholz betreibt – deren Chef ist Bernd Pache.

So unterschiedlich wie die Schulformen sind auch die Berufe, die dort gelehrt werden – und die Zugangsvoraussetzungen. Für den Beruf des Pflegeassistenten reicht zum Beispiel ein Hauptschulabschluss, für den Krankenpfleger ist der Realschulabschluss Voraussetzung. Und ab 2020 gibt es eventuell sogar ein Pflegestudium, wofür das Abitur Bedingung wäre.

Pache: „Unser Ziel ist eine hohe Durchlässigkeit, sodass ein Hauptschulabsolvent am Ende die Fachhochschulreife erreichen kann.“ Oder anders ausgedrückt: „Jeden, der sich auf den Weg macht, um einen Beruf in der Pflege zu ergreifen, wollen wir im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür qualifizieren.“

Diese Symbiose „hat für uns ein völliges Umdenken bei der Unterrichtsgestaltung bedeutet“, erklärt Pache. Die BBS hat dabei vieles übernommen, was die Krankenpflegeschule an ihrem zweiten Standort in Sulingen schon länger betreibt.

Sie tragen gemeinsam die Verantwortung (von links): Bernd Pache von der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Kliniken im Landkreis Diepholz, Eva Meyer-Mahr und Birgitt Kathmann von deren Standort Sulingen, BBS-Leiter Horst Burghardt und Fachbereichsleiterin Susan Moldenhauer.

Es gibt zum Beispiel keinen Schul-Gong mehr. „Aus pädagogischer Sicht macht es überhaupt keinen Sinn, wenn ein Gong den Unterricht beendet“, sagt Pache. Und Burghardt stimmt ihm dabei zu. Überhaupt sei der Unterricht jetzt viel weniger verschult, ergänzt er und spielt Pache wieder den Ball zu. „Die Schüler arbeiten mehr in inhaltlichen Einheiten und konkreten Lernsituationen. Sie eignen sich zum Beispiel in unserer Mediathek die Informationen an und setzen sie anschließend in den Lehrräumen um. Sie üben das dann mit den Puppen.“

Insgesamt sind derzeit ungefähr 300 Schüler am Pflegekompetenzzentrum. „Das ist eine ganze Menge“, sagt Pache. „Aber nur die Hälfte von dem, was wir angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege bräuchten.“

Damit steht der nächste Ausbau schon bevor. „2019 wird der Landkreis noch mal eine knappe Million investieren“, sagt Horst Burghardt. „Das Obergeschoss wird ausgebaut. Wir bekommen drei weitere Klassenräume, einen EDV-Raum, mehrere Gruppenräume und einen Fahrstuhl für den barrierefreien Zugang.“ Und damit ist noch lange nicht Schluss.

2020 wird die Ausbildung in der Pflege reformiert. Alten-, Kranken- und Kinderpflege werden dann zusammengelegt in einen gemeinsamen Ausbildungsgang. Das bedeutet: In Syke wird es dann stärker in die Bereiche Alten- und Kinderpflege gehen, die zurzeit noch in der Pflegeschule in Sulingen konzentriert sind, und in Sulingen kommen Elemente aus der Krankenpflege hinzu.

„Eine große Herausforderung wird dabei die Organisation der Praktika sein, dass wir die Kliniken und Pflegebetriebe nicht überschwemmen“, sagt die zuständige Bereichsleiterin Susan Moldenhauer.

In Syke werde noch viel passieren, ist Horst Burghardt sicher. „Die Lage ist hier einfach ideal. Wir haben alle Schulformen hier am Ort, die Lebenshilfe ist direkt gegenüber, und wir haben die Bahnanbindung nach Bremen. Das wird hier aber ganz sicher kein Hochschulstandort werden. – Obwohl...“

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