Experten sehen Zusammenhang von Erdgasförderung und Erdbeben

Syke - Norddeutschland gehört eigentlich nicht zu den von Erdbeben bedrohten Gebieten. Doch seit Erdgas gefördert wird, spüren die Menschen in der Nähe der Förderanlagen manchmal ein leichtes Zittern der Erde. Es gebe sehr wahrscheinlich einen Zusammenhang, sagen Experten.

Wo in Niedersachsen Erdgas gefördert wird, kommt es immer wieder zu leichten Erdbeben. Das haben Experten vom Niedersächsischen Erdbebendienst und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) am Beispiel des Bebens im Raum Syke (Landkreis Diepholz) vom 1. Mai genauer untersucht. „Wir sehen einen Zusammenhang zwischen den Erdbeben und der Erdgasförderung aufgrund mehrerer Indizien“, sagte Monika Bischoff vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Die Beben beschränken sich demnach räumlich auf die Erdgasfelder und werden erst seit Beginn der Förderung in den 1970er Jahren beobachtet. „Das dritte Argument ist die Herdtiefe.“ Für einzelne Beben sei die Tiefenlage mit etwa 5000 Metern gut belegt, das entspreche der Tiefe der Förderung. Beim Erdbeben von Syke besteht nach Bischoffs Angaben sehr wahrscheinlich ein Zusammenhang. Es sei nicht auszuschließen, dass bei den Erdgasfeldern auch künftig Beben der bisher beobachteten Stärke auftreten. Aus Sicht der Behörde sind die Förderunternehmen in der Pflicht, bei etwaigen Gebäudeschäden Ersatz zu leisten.

„Ob das allerdings in einem Zusammenhang steht, muss dann gegebenenfalls gutachterlich geklärt werden“, sagte Bischoff. Auf der Internetseite des LBEG gibt es einen Fragebogen, den Menschen ausfüllen können, die ein Erdbeben wahrgenommen haben. Die Informationen seien hilfreich zur Einordnung, sagte Bischoff. Am Abend wollten die Experten von LBEG und BGR die 32 Seiten umfassende Studie zum Erdbeben von 1. Mai in Syke interessierten Bürgern in der Stadt vorstellen. Das Beben hatte eine Stärke von 3,2, der Herd lag in 4,2 Kilometern Tiefe. Es seien 131 ausgefüllte Fragebögen aus der Bevölkerung gekommen, vier Menschen hätten leichte Gebäudeschäden angegeben.

In dem Gebiet lagert in etwa 4200 Metern Tiefe Erdgas in einem porösen Karbonatgestein, das nach oben durch andere Gesteinsschichten abgedichtet ist. Durch die Gasförderung sei es zu einer Abnahme des Drucks in der Lagerstätte gekommen. Die folgende Verdichtung des Gesteins könne Spannungen aufbauen und Erdbeben auslösen. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang mit aktuellen Arbeiten an den Förderanlagen gab. „Diese Einschätzung wird durch die Beobachtung gestützt, dass kein Zusammenhang zwischen Frac-Maßnahmen und dem Auftreten von Erdbeben in Norddeutschland zu beobachten ist“, heißt es in der Untersuchung.

Beim umstrittenen hydraulischen Aufbrechen (Fracking) wird Erdgas oder Erdöl gewonnen, indem Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in das Lagergestein gepresst werden. Das stärkste Erdbeben in der Region hatte es im Oktober 2004 in der Nähe von Rotenburg mit einer Stärke von 4,5 gegeben. Das Beben war noch in Hamburg zu spüren.
dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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