Unberührt und rein

Vilsa-Chef Henning Rodekohr erklärt: Was macht Wasser zum Mineralwasser?

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Die Organisatorinnen (v.l.) Heike Röpke (Landfrauen), Lydia Neumann (VHS) und Birgit Thalmann (Landfrauen) mit dem Referenten Henning Rodekohr. 

Dem Mineralwasser auf der Spur waren am Mittwochabend die Volkshochschule und der Syker Landfrauenverein in einer gemeinsamen Veranstaltung im Kreismuseum. Im Mittelpunkt stand dabei vor etwa 50 Zuhörern die Frage: Wodurch wird Wasser überhaupt zu Mineralwasser?

Syke - Von Michael Walter. Antwort darauf sollte einer geben, der es wissen muss: Henning Rodekohr, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Mineralwasserherstellers Vilsa Brunnen aus Bruchhausen-Vilsen. Das tat er auch. Allerdings nicht ohne eine große Portion Werbung für die eigenen Produkte. „Ich kann’s einfach nicht lassen“, gab er, charmant lächelnd, am Ende seines Vortrags selber zu.

Den wesentlichen Unterschied zwischen Quell- oder Grundwasser auf der einen Seite und Mineralwasser auf der anderen hatte der 47-jährige Unternehmer schnell herausgearbeitet: Während das bodennahe Wasser Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, stammt Mineralwasser aus Bodenschichten, die nach oben hin abgeschlossen sind. Zum Beispiel durch Ton- oder Lehmschichten. „Das Wasser, das wir fördern, ist mehrere tausend Jahre alt. Das Vorkommen regeneriert sich auch. Aber das dauert.“ Rodekohr verglich das Mineralwasservorkommen bei Bruchhausen-Vilsen mit einem großen, extrem langsam fließenden unterirdischen Strom.

Die geologischen Voraussetzungen dafür, das Mineralwasser überhaupt entstehen kann, sind laut Rodekohr auch der Grund, weshalb die Betreiber von Mineralbrunnen ausnahmslos gegen die umstrittene Öl- und Gasfördermethode Fracking sind. „Wir Mineralwasserproduzenten leben davon, dass die Bodenschichten intakt bleiben. Die Fracking-Betreiber leben davon, sie kaputtzumachen. Deshalb sind wir strikt dagegen.“

Mineralwasser muss im Restaurant direkt aus der frisch geöffneten Flasche ins Glas gegossen werden. Grund: Es darf nach der Förderung so gut wie nicht verändert werden. 

Ein weiterer Punkt, der Mineralwasser ausmacht: die Kombination von Reinheit und Naturbelassenheit. Mineralwasser darf nicht durch Fremdstoffe verunreinigt sein und es darf nach der Förderung so gut wie nicht verändert werden. „Wir dürfen Eisen entziehen und Kohlensäure zusetzen“, so Rodekohr. „Das war’s dann auch schon.“ Filtern oder chemisch verändern, wie in der Trinkwasseraufbereitung üblich, ist nicht drin. Dann müsste das Produkt die Bezeichnung Tafelwasser tragen. Das Kriterium Naturbelassenheit ist laut Rodekohr übrigens auch der Grund, warum die Flasche Mineralwasser in der Bar oder im Restaurant immer erst am Tisch von der Bedienung geöffnet wird. „Der Gast hat dann die Gewissheit, dass er ein unverändertes Produkt serviert bekommt.“ Was umgekehrt bedeutet: Wird das Wasser „offen“ im Glas oder in der Karaffe serviert, ist es kein Mineralwasser, sondern Tafelwasser.

Plakative Frage aus dem Publikum: Kann das Mineralwasser alle werden? Antwort Rodekohr: Theoretisch ja. „Deshalb messen wir auch sehr genau, wie viel wir fördern können, ohne die unterirdischen Strömungswege und Fließgeschwindigkeiten zu verändern.“

Rodekohr leitet mit seiner Schwester das Familienunternehmen jetzt in vierter Generation

Rodekohr leitet mit seiner Schwester das Familienunternehmen jetzt in vierter Generation. 1928 hatte seine Urgroßmutter die Quelle gekauft, die der Hotelier Jonny Dörgeloh 1908 bei einem Waldspaziergang entdeckt hatte. Oberflächenwasser – und damit nach heutigen Standards kein Mineralwasser. „Ich weiß auch nicht, ob ich aus dieser Quelle heute noch trinken möchte.“

Rodekohr erzählt: „Als mein Großvater das Unternehmen führte, gab es drei Sorten. Mineralwasser, weißen und gelben Sprudel. Unsere Controller sagen immer: Was war das damals schön!“ Heute stellt Vilsa mehr als zwei Dutzend unterschiedliche Produkte her: verschiedene Sorten Mineralwasser, Limonaden und diverse Schorlen.

Pro Jahr macht das etwa 600 Millionen Flaschen, die aus acht Abfüllanlagen in Bruchhausen-Vilsen plus einer weiteren in Bad Pyrmont kommen (Marke Pyrmonter). Ein wachsender Teil dieser 600 Millionen Flaschen ist aus Plastik. „Es wird immer suggeriert, der Plastikmüll in den Weltmeeren wären ja unsere Mineralwasserflaschen. Das stimmt nicht. Weil es in Deutschland sehr gute Rücknahmesysteme gibt. Dieses Littering passiert woanders. Zum Beispiel im Nildelta und in Indonesien.“

Glasflaschen können laut Rodekohr bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Plastikflaschen bis zu 25 Mal. Großen Aufwand betreibt sein Unternehmen mit der Reinigung der gebrauchten Flaschen vor der Wiederbefüllung. Nicht zuletzt, weil das Plastik unter Umständen Fremdaromen aufnehmen kann, die es dann an das Wasser abgeben würde. Daher werde jede einzelne Flasche mehrfach kontrolliert. „Wir haben dafür Sensoren, die bis zu 100 verschiedene Gerüche wahrnehmen können.“

Vorliebe für Wasser mit Kohlensäure sei typisch deutsch

Die Vorliebe für Wasser mit Kohlensäure sei übrigens typisch deutsch, sagt Rodekohr auf Nachfrage einer Zuhörerin nach seinem Vortrag. „Fast überall sonst auf der Welt trinkt man am liebsten stilles Wasser. Viele finden dieses Kohlensäure-Prickeln generell merkwürdig. Geben Sie einem Chinesen mal ‘ne Apfelschorle. Der würde denken, das ist verdorbener Apfelsaft.“

Am Rand des Vortrags nahm sich Vilsa-Chef Henning Rodekohr Zeit für ein Interview.

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