Waldvandalen

Unbekannte zerstören Holzfiguren am Märchenplatz im Friedeholz

Das tut ihm in der Seele weh: Künstler Detlef Voges und der verkohlte Rest seines Clowns. Unbekannte haben die Holzskulpturen auf dem Märchenplatz im Friedeholz beschädigt und zum Teil zerstört.
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Das tut ihm in der Seele weh: Künstler Detlef Voges und der verkohlte Rest seines Clowns. Unbekannte haben die Holzskulpturen auf dem Märchenplatz im Friedeholz beschädigt und zum Teil zerstört.

Ernsten Blickes stapft Detlef Voges ins Unterholz, nur ein paar Schritte ab vom Weg. Sein Ziel: Ein verkohltes Stück Holz. Zylindrisch. Knapp einen Meter lang. Die Gesichtszüge darauf lassen sich noch erahnen. Es sind die Überreste einer Holzfigur, die der Syker Künstler für den Märchenplatz im Friedeholz geschaffen hatte.

Syke – „Was ich da alles an Arbeit reingesteckt habe“, sagt Voges. „Ideen! Handwerkskraft! So ein Kopf entsteht ja nicht von heute auf morgen.“

Ihn zu zerstören ging da wesentlich schneller – wenngleich auch da jemand richtig Arbeit investiert haben muss. Der Sockel der Figur steht noch an seinem Platz und legt ein stummes Zeugnis darüber ab. Und er ist nicht das einzige. Seit Monaten werden immer wieder Figuren auf dem Märchenplatz zerstört oder mutwillig beschädigt.

Der Märchenplatz ist ein zentrales Element des Kunstprojekts Waldwegzeichen: Quasi ein Wegweiser in Form verschiedener Skulpturen auf der kürzesten Strecke vom Kreismuseum bis zum Vorwerk. 2006 entstanden die ersten, 2015 die jüngsten. Die Figuren sind Eigentum des Kreismuseums. Das Museum hat damit auch die rechtliche Verantwortung in Form der Verkehrssicherungspflicht. Leiter Ralf Vogeding: „2008 ist der Märchenplatz eingeweiht worden. Es ging da immer gut, bis auf Kleinigkeiten. Jetzt haben wir seit geraumer Zeit dort größere Schäden.“

Insgesamt 20 Figuren hat Detlef Voges im Lauf der Jahre auf dem Märchenplatz installiert. Eine der größten davon – den Clown – haben Unbekannte völlig zerstört und das gewaltsam abgetrennte Oberteil augenscheinlich in ein Lagerfeuer geworfen. Einer anderen großen Figur – dem Hofnarren – haben sie Ohren und Nase abgetrennt und ebenfalls verfeuert. Drei weitere Figuren weisen zahlreiche Schnitte auf. Detlef Voges: „Typisch für Axtschläge.“ Ralf Vogeding: „Es sieht so aus, als ob jemand damit im Unterstand nebenan ein Feuerchen gemacht hätte. So mit dem Hackebeilchen: Zack, Nase ab und ins Feuer.“ Die Forstverwaltung und die Polizei sind informiert.

Der Sockel lässt ahnen: Hier hat sich jemand richtig Arbeit gemacht, um den oberen Teil der Skulptur abzubekommen.

Noch zwei andere Figuren befinden sich seit einiger Zeit in der Werkstatt zur Auffrischung und Überarbeitung. „Das mag sie gerettet haben“, sagt Voges.

Und wie geht es jetzt weiter? Das ist auch für Detlef Voges und Ralf Vogeding die spannende Frage. Im Grunde bleiben zwei Möglichkeiten: Restaurieren oder Abbauen. Letzteres würde Ralf Vogeding nur äußerst ungern tun. „Der Märchenplatz ist ein zentrales Element der Waldwegzeichen.“ Von daher würde es Vogeding sehr begrüßen, wenn Voges die beschädigten Figuren noch einmal restaurieren oder ersetzen könnte. Doch ist er skeptisch: „Lohnt es sich, dafür Zeit und Kraft zu verschwenden, damit die Sachen sechs Wochen später wieder zerstört werden? Wenn Detlef Voges sagt, er hat die Schnauze voll, dann war es das.“

In dem Fall würde Vogeding die verbleibenden Figuren wohl aufs Museumsgelände bringen lassen und dort neue Standorte für sie suchen. Der Märchenplatz wäre dann aber dahin. „Das wäre absolut traurig“, sagt Vogeding. „Dieser Platz war immer sehr beliebt. Bei Spaziergängern, bei Familien mit Kindern. Mir tut es in der Seele weh, weil er eine der Hauptattraktionen ist. Ihn abzubauen würde die Substanz gefährden für alles, was wir mal mit den Waldwegzeichen wollten.“

Noch etwa ein Dutzend intakte Figuren laden auf dem Märchenplatz zum Spielen ein.

Auch Detlef Voges ist mehr als bloß angefressen von diesem Akt des Vandalismus. Nicht nur, weil es seine eigenen Figuren getroffen hat. „Das wäre dasselbe, wenn man ein Möbelstück zerhacken und verfeuern würde. Auch in das hätte jemand zuvor Mühe, Liebe und Arbeit investiert. Das ist ganz einfach fehlender Respekt vor der Kunst. Das tut dann schon weh.“

Die verbrannte Clownsfigur ist für Voges verloren. „Ein Totalschaden.“ Bei den anderen beschädigten weiß er noch nicht, ob sie sich überhaupt restaurieren lassen. Zumindest beim Hofnarren dürfte das schwer werden: „Man kann da nicht einfach eine neue Nase und ein paar neue Ohren ankleben. Ich müsste den Kopf komplett neu herausarbeiten. Damit verändern sich aber die Proportionen völlig.“ Grundsätzlich meint er: „So lange es geht, sollte der Platz erhalten bleiben. Selbst wenn das zu erheblich reduzierten Figuren führt.“

Ein gewisser Schwund sei ohnehin vorhanden. „Anfangs waren es über 20 – jetzt sind es noch 12.“ Neue machen würde er nicht mehr. Sowohl aus Zeit- als auch aus Altersgründen. „Wenn ich jeden Tag acht Stunden dran arbeiten würde, säße ich an einer solchen Figur zwei Wochen dran“, sagt Voges. „Aber ich bin mittlerweile über 70. Da will ich auch gar nicht mehr so lange am Stück mit der Kettensäge und den schweren Baumstämmen herumhantieren.“

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