Aufklärung statt Strafen

Der Umgang mit Maskenmuffeln: Hilfssherrifs sind von der Polizei nicht erwünscht

Oftmals sieht man Menschen, die ihre Maske entweder gar nicht oder nicht richtig tragen. Was man in einersolchen Situation tun kann, verrät unter anderem die Polizei.

  • Ansprechpartner im Fall Maskenmuffel ist in erster Linie das Ordnungsamt.
  • Oft reicht bereits ein Hinweis auf die Verordnungen durch Mitarbeiter des Ordnungsamts.
  • Die Polizei setzt auf Aufklärung, Geldbußen seien nicht das bevorzugte Mittel.

Syke – Ein Dienstagmittag, 13  Uhr. Mittagspause für den Syker Bürger. Sein Blick streift über die Hauptstraße in Syke. Dass dort in wenigen Metern Abstand drei Dönerläden um Kundschaft buhlen, ist nichts Besonderes. Doch was sich an Tagen wie diesem in und vor den drei Läden abspielt, schon. „Ich konnte beobachten, wie junge Männer ohne Einhaltung von Abstandsgebot und Maskenpflicht ein und aus gingen“, umschreibt der stille Beobachter später die Situation. Corona? Offenbar kein Thema.

Bundesland:Niedersachsen
Einwohner:24.295 (31. Dez. 2019)
Stadtgliederung:13 Stadtteile
Bürgermeisterin:Suse Laue

Szenenwechsel. Einkaufserlebnis Famila-Markt. Ein junger Kunde geht ohne Maske einkaufen. Ein anderer spricht ihn auf sein Versäumnis an. Der Maskenmuffel erklärt sein Verhalten mit „gesundheitlichen Gründen“. Ein Attest habe er nicht dabei – und müsse er auch gar nicht vorweisen.

Ignoranz oder Unwissen: Was man tun kann, wenn sich andere nicht an die Regeln halten

Zwei Situationen aus Syke, die unterschiedliche Aspekte eines Problems verdeutlichen: Wie reagiert man in Zeiten von Corona, wenn andere sich nicht an die geltenden Vorgaben halten? Ansprechen? Kopfschüttelnd weitergehen? Die Polizei rufen? Eine Nachfrage bei mehreren Beteiligten.

Hups! Dass die Nase aus der Maske rutscht, sollte eigentlich nicht mehr passieren. Bei einer Polizeikontrolle wird das Tragen eines Mundschutzes mit freiliegender Nase als fehlender Schutz gewertet.

Ein Ansprechpartner für solche Fälle ist das Ordnungsamt der Städte und Gemeinden. Im Dönerladen-Fall hat sich der Bürger an die Stadt Syke gewandt. „Persönlich ist es schwer, mit den Einschnitten umzugehen, den Alltag zu bestreiten – und dann eine solch massive Ignoranz zu ertragen“, macht der Mann seinem Unmut Luft.

„Er hat alles richtig gemacht“, lobt Sykes Erster Stadtrat Thomas Kuchem später. Zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes hätten nach dem Hinweis in den drei Restaurationsbetrieben vorbeigeschaut und auf die Verordnungen hingewiesen. Eine Nachkontrolle hätte ergeben, dass der Hinweis durchaus Wirkung gezeigt habe.

Grundsätzliches Ziel ist nicht die Geldstrafe, sondern das Verständnis der Bürger

Das Problem: Die personellen Kapazitäten der Ordnungsämter sind begrenzt, kleinere Gemeinden haben unter Umständen gar keine Mitarbeiter mehr im Außendienst. Und so mancher beobachtete Verstoß ereignet sich außerhalb der Öffnungszeiten der Ämter. So wird die Polizei zum nächsten Ansprechpartner. Wenn die Beamten ins Gespräch mit den Maskenverweigerern kommen, steht die Möglichkeit einer Geldstrafe im Raum. Dabei, so erklärt Polizei-Pressesprecher Thomas Gissing, sei das überhaupt nicht das bevorzugte Mittel.

„Bitte beachten Sie die Maskenpflicht“ gilt an immer mehr Orten mit vielen Menschen und in Fußgängerzonen.

Das grundsätzliche Ziel sei es vielmehr, bei allen Bürgern für Verständnis zu werben. „Die Kollegen sollen da schon mit dem nötigen Fingerspitzengefühl rangehen“, betont Gissing. „Mit Einsicht haben wir viel mehr gewonnen als mit einem Bußgeld.“ Falls doch eine Geldbuße fällig wird, kann die – je nach „Vorgeschichte“ des Betroffenen – zwischen 50 und mehreren hundert Euro kosten.

Wie der Polizeisprecher berichtet, ist die Zahl der Menschen ohne Maske ohnehin nur sehr klein. Das augenscheinlich größere Problem sind jene Maskenträger, die den Mund-Nasen-Schutz falsch benutzen. Oftmals werde die Nase frei gelassen – was einerseits keinen Schutz darstelle und bei einer Kontrolle zudem als fehlender Schutz gewertet werde. Gissing empfiehlt dringend: „Nase rein!“

„Hilfssheriffs“ sind von der Polizei ausdrücklich nicht erwünscht

Während die Polizei grundsätzlich den Hinweisen von Bürgern nachgehe, ist laut Thomas Gissing eine Form der Kontrolle ausdrücklich unerwünscht: der „Hilfssheriff“, der herumläuft und reihenweise Maskensünder meldet – oder womöglich noch mit dem Smartphone fotografiert. „Dabei kriegen wir ‘nen dicken Hals“, so Gissing. Wenn immer mehr Leute glaubten, selbst das Recht durchsetzen zu müssen, „haben wir irgendwann Wildwest“.

Die Polizei empfiehlt, Kontakt mit dem Ladeninhaber aufzunehmen, wenn man uneinsichtige Kunden entdeckt, die keine Maske tragen.

Gerade bei Fotos bewege man sich zudem rechtlich „auf ganz dünnem Eis“ – in dem Moment, da man ein Bild weitergebe, stehe die Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Fotografierten im Raum. Mögliche Folge: Der Aufgenommene könnte den „Hilfssheriff“ als Geschädigter verklagen. Ohnehin empfiehlt der Polizeisprecher, im Fall des Falles den Kontakt zum Ladeninhaber oder Supermarkt-Betreiber zu suchen. Der habe das Hausrecht und könne uneinsichtige Kunden durchaus vor die Tür setzen.

Uneinsichtige Kunden seien glücklicherweise selten

Uneinsichtige Kunden seien aber zum Glück selten, berichtet die Bünting-Gruppe, die den Famila-Markt in Syke betreibt. Die Maskenpflicht würde „sehr gut akzeptiert und umgesetzt“, heißt es seitens der Pressestelle. Wer keine Maske trage, werde darauf hingewiesen, bekomme im Einzelfall eine Maske geschenkt, damit diese getragen wird. „Wir verzichten auf das Vorlegen eines Attests, da uns eine Bewertung nicht zusteht“, heißt es weiter. Auf die Eigenverantwortung der Einkaufenden zu bauen, habe sich bislang als vollkommen richtiger Weg herausgestellt.

Den Fall, dass jemand vor die Tür gesetzt werden muss, habe es bei ihm seines Wissens noch nicht gegeben, berichtet Torsten Stellmann, Betreiber mehrerer Edeka-Märkte. „Mir sind keine Fälle bekannt, bei denen es ernsthafte Probleme gab.“ Seine Mitarbeiter seien angehalten, Kunden ohne Maske freundlich auf ihr Versäumnis hinzuweisen. „Alles Andere bringt doch auch nichts, am Ende wollen wir doch alle das Gleiche.“

Rubriklistenbild: © Archivfoto: dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Meistgelesene Artikel

Adventskalender 2020 der Lions- und Leo-Clubs Syke/Bassum

Adventskalender 2020 der Lions- und Leo-Clubs Syke/Bassum

Adventskalender 2020 der Lions- und Leo-Clubs Syke/Bassum
„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes
Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt

Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt

Landwermanns Hofladen hat Flair von Weihnachtsmarkt
Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Kommentare