Tankstellen-Betreiber wird Partner

Syke steigt ins Carsharing ein - und alle Bürger dürfen mitmachen

Elektroauto Renault Zoe
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Der Renault Zoe gehört zu den beim Carsharing meistgenutzten Elektroautos. Archivbild: Greenmobility

Syke steigt ins Carsharing ein. Bürger sollen sich bei Bedarf und Verfügbarkeit städtische Autos ausleihen können. Dies sieht eine Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vor.

  • Vorbild Hoya: Stadt Syke fasst Kooperation mit „Classic“-Tankstellenbetreiber ins Auge.
  • Renault Zoe und Opel Combo sollen angeschafft werden.
  • Fahrzeugflotte soll weiter ausgebaut werden.

Syke – Die Stadt Syke steigt ins Carsharing ein. Davon sollen nicht nur die Mitarbeiter der Verwaltung einen Vorteil haben. Auch die Bürger sollen sich bei Bedarf Autos ausleihen können. „Unkompliziert und ohne großen bürokratischen Aufwand.“ So empfahl es am Montagabend der Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Ordnung zum Beschluss durch den Rat.

Der Vorschlag kam von der Stadtverwaltung. Hintergrund ist: Die Stadt muss ihren Fuhrpark modernisieren. Ein 14 Jahre alter VW Caddy hat das Ende seines Autolebens erreicht und muss ersetzt werden. Und mit ihrem elektrischen BMW i3 hat die Stadt buchstäblich so gute Erfahrungen gemacht, dass sie für die Dienstfahrten ihrer Mitarbeiter ein weiteres Elektro-Auto anschaffen will.

Ergibt zusammen drei Autos, die abends und an Wochenenden nur in der Garage stehen. Das könnte doch was für Leute sein, die sich sonst überwiegend mit Bahn, Bus oder dem Fahrrad fortbewegen, glaubt die Stadtverwaltung und schielt dabei rüber nach Hoya. Dort läuft seit 2018 ein Pilotprojekt, bei dem auch Externe die Autos der Gemeindeverwaltung fahren können. Partner ist dort die Lühmann-Gruppe (Classic Tankstellen), und von der hat sich auch die Syker Stadtverwaltung ein Angebot machen lassen.

18000 Euro Mietkosten im Jahr - all inclusive

Die Stadt bekäme einen elektrischen Renault Zoe und als Ersatz für den Caddy einen Opel Combo für zusammen 18 000 Euro Mietkosten im Jahr. Nicht billig, aber im Preis enthalten sind sämtliche Nebenkosten: Kraftstoff- beziehungsweise Stromkosten, Versicherung, App-Anbindung, Wartung, Verschleiß, Reifenservice, Innen- und Außenreinigung, Steuer und sogar die Rundfunkgebühr für die Autoradios.

Externe Nutzer könnten diese Autos außerhalb der Nutzungszeiten der Verwaltung bequem per Smartphone-App buchen. Darüber wird auch der Zugang zum Fahrzeug ermöglicht, sodass eine Schlüsselverwaltung und -übergabe entfallen kann. Als Bonbon obendrauf bekäme die Stadt auch noch 25 Prozent der Nettomieteinnahmen bei der Nutzung durch Dritte.

Und es gäbe noch ein zweites Bonbon: „Wenn wir Ankermieter werden, würde Classic noch zusätzliche Fahrzeuge im Stadtgebiet aufstellen“, so Erster Stadtrat Thomas Kuchem. „Diese Fahrzeuge würden in Rathausnähe stehen und könnten unkompliziert von den Bürgern genutzt werden.“

Der Ausschuss nahm den Vorschlag äußerst wohlwollend auf. Lediglich Wilken Hartje (CDU) zeigte sich skeptisch. Er empfahl, der Ausschuss solle das Geld für dieses Vorhaben zunächst nur mit einem Sperrvermerk in den Haushalt für 2021 stellen, der erst aufgehoben wird, wenn ein Mitarbeiter der Firma Lühmann im Verwaltungsausschuss das Angebot ausführlich vorstellt. Dafür fand er allerdings keine Mehrheit.

E-Alternative zum Opel Combo gesucht

„Das ist eine gute Sache“, befand etwa Florian Kastner (FWG). Er wunderte sich allerdings, warum der Opel Combo aus dem Angebot lediglich ein Diesel sei. „Vermutlich, weil Classic wohl kein Elektroauto in der Größenklasse hat“, erwiderte Thomas Kuchem. „Wir können ja nochmal nachfragen.“

Darum bat der Ausschuss dann auch ausdrücklich. Heinz-Jürgen Michel (Grüne): „Ich habe mich beruflich selber mit solchen Fahrzeugen beschäftigt und weiß, dass es da auch genug mit Elektroantrieb gibt. Wir sollten darauf bestehen, auch diesen Hochdach-Kombi als Elektrofahrzeug zu bekommen.“

So beschied es dann auch der Ausschuss – mit Mehrheit und ohne Sperrvermerk.

Vorschlag: Eine statt neue Stelle für Jugendarbeit

Keine Mehrheit gab es indes für den CDU-Antrag auf zwei zusätzliche Stellen für die Jugendarbeit. Die hatte Fachbereichsleiterin Claudia Prößler vor einigen Wochen gefordert, um in beiden Jugendhäusern (Syke und Barrien) regelmäßige Angebote für Jugendliche machen zu können (wir berichteten).

Von der SPD gab es Kontra: Schon zwei der drei aktuell vorhandenen Stellen seien momentan nicht zu besetzen. Da mache es keinen Sinn, zwei weitere auszuschreiben. Von Bürgermeisterin Suse Laue kam der Kompromissvorschlag: Zunächst nur eine neue Stelle, und die vorhandenen alle auf Vollzeit aufstocken. „Dann kriegen wir auch vielleicht Bewerber.“ So empfahl es der Ausschuss dann mehrheitlich.

Hintergrund: Carsharing

Anders als viele Geschäftsmodelle mit englischen Namen, ist Carsharing weder eine neue Idee noch kommt sie aus den USA. Die Anfänge liegen vielmehr in der Schweiz. 1948 schloss sich in Zürich die „Selbstfahrergenossenschaft“ zusammen und ist damit heute die erste dokumentierte Carsharing-Organisation der Welt. Die älteste in Deutschland ist StattAutoBerlin. Das Schweizer Vorbild ist 40 Jahre älter.

Anders als beim klassischen Leihwagen ist die Nutzung eines „geteilten“ Autos nicht nur wochen- oder tageweise möglich, sondern auch in weit kürzeren Rahmen – zum Beispiel für eine einzige Fahrt zum Einkaufen.

Aktuell sind in Deutschland mehr als 200 Anbieter auf diesem Sektor aktiv. (mwa)

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