Syke im Selbstversuch: Wassergymnastik beim TSV Barrien

Körperlich schonend und modisch ganz weit vorn

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Wassergymnastik ist durchaus ein gruppendynamisches Erlebnis. Die Trainingsgruppe von Gitta Kroos (hinten im gestreiften Badeanzug) beim gemeinsamen Aufwärmen. n Fotos: Heinfried Husmann

Barrien - Von Michael Walter. War schon mal wärmer! – Der Gesichtsausdruck der Frau neben mir bestätigt meinen eigenen ersten Eindruck, als ich im Barrier Hallenbad ins Becken steige. 29 Grad Wassertemperatur fühlen sich im Winter eben anders an als im Sommer. Und wir sind ja auch nicht zum Plantschen hier. Wir machen Wassergymnastik. Da wird uns wohl schon warm werden.

Wassergymnastik ist stark gefragt: Sechs Kurse bietet allein der TSV an. Alle sind voll, und die Wartelisten sind lang. Das kann nicht nur daran liegen, dass man als Teilnehmer modisch top ausgestattet ist, weil das Barrier Bad als eines der letzten in Deutschland auf die Verwendung neckischer Badekappen insistiert.

30 Leute zählt die Trainingsgruppe von Gitta Kroos, und fast alle sind an diesem Abend da. Die meisten sind deutlich älter als ich. Jedenfalls bin ich schon lange nicht mehr so oft mit „junger Mann“ angeredet worden.

Redakteurs-Grundsatz: Immer ein offenes Ohr haben.

Beim Aufwärmen wird‘s ganz schön eng im Becken. Wir fassen uns an den Händen und bewegen uns im Kreis. Diese Gruppendynamik hat durchaus Sinn, das wird klar, als es an die ersten Bewegungsübungen geht. Auf einem Bein stehen und mit dem ausgestreckten anderen Bein verschiedene kreisende Bewegungen machen – da freut man sich, wenn man jemanden hat, an dem man sich festhalten kann. Wir stützen uns gegenseitig. An Land wäre ich dabei bestimmt ein Dutzend Mal umgefallen. Was mir auffällt: Ausnahmslos alle absolvieren die Übungen mit einem Lächeln im Gesicht. Sie haben sichtlich Spaß. Was nicht zuletzt daran liegt, dass alles wohldosiert ist. Strecken und Dehnen, leichte Kraft- und Schnellkraft-Übungen, Ausdauer und Entspannung: Alle sind körperlich gefordert, aber niemand ist überfordert.

Ich glaube, ich bin doch mehr so der Krempen-Typ.

Um es mit den Worten eines berühmten Kollegen zu sagen: „Isch hab Rücken.“ Ich hab aber auch Knie, und meine Sprunggelenke sind seit 20 Jahren ein anatomischer Trümmerhaufen. Das schränkt meine Beweglichkeit stark ein. Ich bin froh, dass ich schmerzfrei geradeaus gehen kann, und an schlechten Tagen muss ich morgens überlegen, wie ich eigentlich die Socken ankriege. Aber im Wasser geht‘s! Das Wasser hilft – spürbar. Nur die Rumpfbeugen zur Seite sollte ich vielleicht bleiben lassen. Die ziehen ganz schön in den lädierten Rücken. Aber für solche Fälle gilt in der Gruppe der Grundsatz: Jeder macht nur das, was ihm gefällt und was er kann. Es gibt keinen Zwang.

Geschafft. Es kommt schließlich auch auf die Optik an.

Überraschend schnell vergeht die Zeit. Kurz vor Schluss gibt‘s noch eine Entspannungs-Einheit: Wir fassen uns wieder an den Händen und bewegen uns im Kreis. Sobald das eine richtige Strömung ausgelöst hat, streckt sich jeder Zweite aus, spielt Toter Mann und lässt sich von den anderen ziehen. Herrlich! Könnt ich stundenlang haben. Aber nach zwei Minuten wird gewechselt. Quasi das Gruppenritual zum Abschluss: Wellen machen. Die Gruppe kommt im Kreis zusammen und springt im Takt, was das Zeug hält. Aus gutem Grund passiert das im hinteren Teil des Beckens. „Letzte Woche ist das Wasser unter zwei Türen durch bis in den Eingangsbereich geschwappt“ , sagt Gitta Kroos lachend.

Feierabend, duschen, anziehen. – Ich bin keineswegs angestrengt oder gar erschöpft. Eher wohlig entspannt. Trotzdem: Wassergymnastik ist Sport! Den Beweis finde ich nur kurze Zeit später. An diesem Abend bin ich nämlich zum ersten Mal seit Ewigkeiten um halb zehn vor dem Fernseher eingeschlafen.

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