Syke im Selbstversuch: „Mermaiding“ im Hallenbad

Plötzlich Meerjungfrau

+
Die ersten Schwimmversuche sind noch recht anstrengend – bis sich irgendwann der Aha-Moment einstellt.

Syke - Von Lena Madita Bolt. Einmal Meerjungfrau sein? Das geht nicht, denken viele. Doch Tatjana Gutwein macht es möglich – in ihren Mermaiding-Kursen. Ich habe zwei dieser Kurse ausprobiert. Und, das nehme ich schon mal vorweg, es war richtig gut.

„Mermaiding“ stand mit ganz oben auf meiner Liste von Dingen, die ich vor meinem Tod erleben möchte. Ganz offensichtlich bin ich an diesem Samstagnachmittag nicht die Einzige, die schon aufgeregt darauf wartet, ins Wasser zu kommen. Schon als wir die Kostüme erhalten, sind alle ganz verzaubert. „Ich wollte schon immer mal Meerjungfrau sein“, verrät mir eines der Kinder.

Zuerst üben wir die Bewegung beim Schwimmen an Land. Dann heißt es „Rein ins Kostüm und ab ins Wasser“. Das Anziehen der Monoflosse und der daran anschließenden „Haut“ erfolgt auf Matten ganz nah am Wasser. Denn genau wie echte Nixen ist man in dem Kostüm an Land hilflos: Stehen oder Laufen ist unmöglich. Das Mädchen neben mir grinst mich an und sagt, dass sie Angst hätte unterzugehen. Ich auch.

Fertig mit dem Anziehen der Flosse, gleiten wir alle ins Wasser. Die Kostüme sind berauschend schön und farbenprächtig. Man fühlt sich schon irgendwie magisch. Und ich merke: Ich bin mit meinem Hochgefühl nicht allein. In allen Augen glitzert es, es werden Wellen gemacht und die Flossen begutachtet.

Es geht weiter mit dem Einschwimmen. Leichter gesagt als getan. Ich schaffe nicht mal eine ganze Bahn ohne Zwischenstopp. Keuchend lächele ich für den Fotografen. Dass es so anstrengend ist, hätte ich wirklich nicht erwartet.

Ich schwimme noch ein paar Mal hin und her und kehre dann zu der Gruppe zurück. Dort gucke ich mir völlig fertig an, wie das Abtauchen mit Nixenflosse funktioniert. Nach einigen Versuchen klappt das auch ganz gut. Und dann ist der Kurs schon wieder fast vorbei. Jetzt werden Fotos und Videos von den Kindern gemacht, während ich mich erstmal etwas erhole.

Tatjana Gutwein macht die Kurse im Norden jetzt schon seit August 2014 und wird ab diesem Frühjahr hauptberuflich Meerjungfrauen und Meermänner unterrichten. Eigentlich ist sie Physiotherapeutin, jedoch selbst begeisterte Nixe. „Die Kurse werden immer stärker nachgefragt“, erklärt sie ihren neuen Beruf.

Dass das sogenannte Mermaiding gut mit der Physiotherapie verbunden werden kann, wird schnell klar. Die wellenartige Bewegung kommt aus dem Becken und ist für den Körper sehr schonend. Uns allen macht es unglaublich Spaß – Gutwein eingeschlossen.

Nach dem ersten Kurs schließt dann gleich der zweite Kurs an. Diesmal mit anderen Leuten. Im Fortgeschrittenenkurs lernen wir das Rollen und Tieftauchen. Wer mag, probiert auch ein „Rad“. Allmählich gelingt mir das mit dem Schwimmen und Abtauchen besser. Es wird auch zunehmend weniger anstrengend. Zwischendurch nutze ich die Chance und schwimme Bahnen. Plötzlich kommt der Aha-Moment. Die Bewegung wird flüssiger, eleganter, ich komme schneller voran und es ist kaum noch anstrengend. Das Gefühl ist atemberaubend schön. Wie schwerelos gleite ich durchs Wasser, drehe mich um mich selbst und genieße diese Ruhe total. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt, völlig losgelöst von den Problemen außerhalb des Wassers.

Nach acht Bahnen muss ich aus dem Wasser und ziehe wehmütig mein Kostüm aus. Ich werde wiederkommen, das ist jetzt schon klar. Am liebsten gleich morgen. Und sparen werde ich auch, auf genauso ein Kostüm, wie ich es hatte, in Regenbogenfarben. Mit 170 Euro wäre ich dabei.

Mermaiding ist nicht wie normales Schwimmen, es ist Abtauchen in eine ganz andere, magische und friedliche Welt.

Der nächste Kurs in Syke von Tatjana Gutwein ist für Samstag, 18. Juni, geplant. www.meerchenhaft-eintauchen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

„Lenna” im Kurpark

„Lenna” im Kurpark

Meistgelesene Artikel

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Neues Königspaar in Twistringen gekürt

Neues Königspaar in Twistringen gekürt

Sanitär-Firma Waßmann: Insolvenz

Sanitär-Firma Waßmann: Insolvenz

Kommentare