Selbe Route, eine andere Welt

Eine Fahrt mit der Venlo-Hamburger Bahn vor 140 Jahren: Von Bremen nach Syke

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Diese historische Aufnahme zeigt den Bau der Weserbrücke bei Dreye 1872. Im Jahr darauf wurde die Bahnlinie zwischen Bremen und dem Ruhrgebiet eröffnet. 

Syke - Der 15. Mai 1873 gilt als offizieller Eröffnungstermin der Venlo-Hamburger Bahn, wie die Eisenbahnstrecke Bremen-Osnabrück damals bezeichnet wurde. Schon 1878 erschien in Bremen ein kleiner Wanderführer, in dem eine Zugfahrt von Bremen nach Syke beschrieben wird. Diese Darstellung lässt die Veränderungen der zurückliegenden 140 Jahren erkennen. Sie zeigt aber auch, dass Syke den Bremer Ausflüglern durch die neue Verbindung näher rückte.

Das gemächliche Tempo – mit 45 Minuten dauerte die Fahrt etwa doppelt so lange wie heute – ließ dem Reisenden genügend Zeit, um aus dem „Coupéfenster“ einen Blick auf die Landschaft zu werfen.

Die Reise nimmt seinen Lauf, und der Wanderführer kommentiert blumig das, was auf die gespannten Augen der Passagiere wartet: „Nachdem der frisch aufblühende Bürgerpark mit dem stattlichen Parkhause und dem spiegelnden Hollerteiche, der schöne Herdentorskirchhof und die weitgedehnte östliche Vorstadt Bremens passiert sind, wird Hastedt erreicht. Dessen freistehendem Kirchlein gegenüber erscheinen nach links die mit Linden und Landhäusern besäumte Schwachhauser Chaussee sowie das grüne und fruchtreiche Hollerland mit den dicht umbuschten Dorfschaften Horn, Vahr und Rockwinkel, untermischt mit schloßartigen Landsitzen.“

Dann erreichten die Ausflügler „die Geleise der hannoverschen Bahn, die nun so stille Bremen-Hamburger Chaussee, die zahlreichen Fabriken Hemelingens, das sandige, teils mit kümmerlichem Roggen bebaute Hemelinger Feld, die dortige Mühle und die rechts gelegene Haltestelle Hemelingen berührt“.

Am „vierkantigen Hemelingen“ vorbei

Nach kurzem Aufenthalt rollte der Zug zwischen Gärten und Feldern weiter, an dem vierkantigen Hemelinger Spritzenturm und nackten, welligen Dünen entlang, bis er die „stattliche Weserbrücke“ erreichte. Dort konnten die Passagiere nach rechts über das Wasser hinweg die teils altersgrauen Türme Bremens erspähen.

„Die in einer Höhe von 24 preußischen Fuß über dem Wasserstande sich spannende Brücke beginnt am rechten Ufer mit einem Landpfeiler, wird von zwei mächtigen Strompfeilern getragen und setzt sich am linken Ufer in sechzehn Landpfeilern mit lichten Entfernungen von je 26,36 Metern bis an den Weserdeich fort.“

Dahinter fuhr die Bahn laut Wanderführer zwischen Dreye und einigen Ziegeleien in die Marsch ein. Sie passierte die Chaussee, gleich darauf auch die Ochtum, berührte Leester Marsch und Weyher Weide „und eilt nun an dem links gelegenen Kirchweyhe vorüber, dessen stattliche Kirche die meist von Bäumen verhüllten Wohnungen des Dorfes hoch überragt“.

Die Rast in Kirchweyhe beendet, ging die Fahrt an den Ortschaften Rumpsfeld und Hahnenfeld und dem links befindlichen Lahausen vorbei, durchschnitt „das teilweise recht öde Haidfeld mit ärmlichen Hütten und dunkeln, meist viereckig geformten Kiefernkämpen“, kreuzte die Brinkumer Chaussee und führte dann an Barrien entlang, „hinter welchem bereits das frische Grün des Syker Holzes hervorleuchtet“.

Das Ende der Reise, die verglichen mit heute gängigen Beschreibungsformen überaus interessant wirkt, markierte der Endspurt gen Syke: „Noch braust der Zug zwischen einzelnen Gebüschen und schönen welligen Feldern hin – die weit zur Rechten, nach Leerßen und Ristedt hinüber, ,auf den hohen Bergen‘ sich erheben, passiert einen kurzen Einschnitt und erreicht gleich darauf Station Syke: das Ziel der Fahrt.“ 

bt/rtg

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