Stadt Syke schlachtet das Sparschwein

Deutliche Folgen der Corona-Pandemie für den Syker Haushalt – Weniger Gewerbesteuern

Für die Stadt geht es im Zeitalter unsicherer Einnahmen ans Eingemachte. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de
+
Für die Stadt geht es im Zeitalter unsicherer Einnahmen ans Eingemachte.

Syke - Syke ist nicht pleite und wird so schnell auch nicht pleite gehen. Das ist aber auch schon so ziemlich die einzige Aussage, die sich derzeit in Bezug auf die finanziellen Folgen der Corona-Epidemie für die Stadt mit großer Sicherheit treffen lässt. Bei allem, was tiefer geht, ist Stochern im Nebel angesagt.

„Wir tappen da alle ziemlich im Dunkeln“, sagt Kämmerer Peter Pawlik und bezieht sich dabei auf seine Kämmerer-Kollegen aus den anderen Kommunen im Landkreis Diepholz. Nicht viel anders sieht es laut Suse Laue auf Bürgermeister-Ebene aus. Der Grund ist ganz einfach: Die Epidemie geht noch nicht lange genug, und niemand weiß, wie lange sie noch dauert.

Fest steht lediglich: Alle werden erheblich weniger Geld aus ihrer Haupteinnahmequelle, der Gewerbesteuer, schöpfen können. Fragt sich nur, in welcher Größe.

Um die 500 Betriebe gibt es in Syke, die ihre Gewerbesteuer im Voraus zahlen. Mit diesen Vorab-Veranlagungen kann „Finanzminister“ Peter Pawlik kalkulieren. Von diesen Betrieben haben aber wegen der Corona-Krise viele schon eine Herabsetzung oder Stundung ihrer Steuervorauszahlung beantragt.

Haushalt der Stadt Syke in der Corona-Krise: Gewerbesteuer-Einnahmen gesunken

Der Haushalt für 2020 hat ein Volumen von grob 50 Millionen Euro. Mit 13 Millionen Einnahmen aus der Gewerbesteuer hatte Pawlik ursprünglich kalkuliert. „Stand jetzt sind es aber nur noch etwa zehn Millionen in der Vorauszahlung. Und morgen gehen bestimmt wieder neue Einträge auf Herabsetzung oder Stundung ein.“ In welchem Umfang sich das bewegen wird, lässt sich nur mit deutlicher Zeitverzögerung sagen. „Die Anträge, die letzte Woche beim Finanzamt eingegangen sind, bekommen wir erst nächste oder übernächste Woche auf den Tisch.“

Ähnlich sieht es Pawlik bei den Einnahmen aus Umsatzsteuer und Einkommenssteuer: Auch die werden drastisch nach unten gehen. „Es lässt sich aber jetzt noch überhaupt nicht sagen, wo wir am Jahresende landen werden.“ Frühestens Mitte Oktober lasse sich das mit einiger Sicherheit abschätzen.

Corona-Pandemie in Syke: Stadt verordnet Abteilungen Sparmaßnahmen

Die Folgen daraus sind zunächst mal überraschend gering: Laut Bürgermeisterin Suse Laue sind alle Fachbereiche im Rathaus angewiesen, in ihren Ressorts jeweils zehn Prozent Einsparpotenzial zu finden und ansonsten alle Rechnungen zügig zu bezahlen. Das war’s.

Denn Syke ist noch flüssig. „Wir haben noch ungefähr 16 Millionen in der Kasse“, sagt Peter Pawlik. „Die schmelzen wir jetzt langsam ab.“ Böse ist er nicht darum. Denn – verkehrte Welt –  für Geld, das er ausgibt, muss er keine Strafzinsen zahlen.

Das Problem ist allerdings, dass dieses Geld eigentlich schon verplant ist. Für diverse größere Baumaßnahmen in den kommenden Jahren. Etwa für den Schulbau in Heiligenfelde oder auch – zumindest in Teilen – für die Sanierung des Syker Hallenbads. Gibt die Stadt dieses Geld jetzt aus, um die wegbrechenden Steuereinnahmen zu kompensieren, muss sie es später als Kredit wieder aufnehmen und die Verschuldung erhöhen.

Syke spürt Folgen der Corona-Pandemie: Vermutlich gleich zwei Nachtragshaushalte

Sowohl auf Peter Pawlik als auch auf die Syker Politik kommt damit im Lauf des Jahres noch viel Arbeit zu. In Form von – wie es derzeit aussieht – gleich zwei Nachtragshaushalten. Der erste wird im Sommer fällig: Wenn der gerade beauftragte Generalplaner (wir berichteten) die bisher nur grob geschätzten Kosten für die Hallenbadsanierung genauer ermittelt hat, müssen die sich in der mittelfristigen Finanzplanung wiederfinden, damit die Ausschreibung der Gewerke erfolgen kann. Der zweite Nachtrag kommt dann zum Jahresende, wenn die steuerlichen Folgen der Corona-Krise absehbar werden. Suse Laue: „Das heißt, wir werden dann vermutlich parallel zum Haushalt für 2021 den zweiten Nachtrag für 2020 beraten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

Kulturprogramm in Bassum fällt flach: Schwere Zeiten für Programm-Beauftragte Claudia Voss

Kulturprogramm in Bassum fällt flach: Schwere Zeiten für Programm-Beauftragte Claudia Voss

Sulinger Freizeitbad öffnet Samstag: Strenges Hygienekonzept vorgestellt

Sulinger Freizeitbad öffnet Samstag: Strenges Hygienekonzept vorgestellt

Schwimmen an Silbersee und Steller See in Stuhr bis voraussichtlich Mitte Juli verboten

Schwimmen an Silbersee und Steller See in Stuhr bis voraussichtlich Mitte Juli verboten

Seit zehn Wochen keine Einnahmen: Wann endlich wieder ins Kino?

Seit zehn Wochen keine Einnahmen: Wann endlich wieder ins Kino?

Kommentare