„Parole 73“ im Syker Theater

Auf zum Waffelanbau nach Eventuell!

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„Parole 73“ mit Ullrich Matthaeus (r.) und Claus Franke im Syker Theater.

Syke - Von Frank Jaursch. „Wo sind denn alle?“ Claus Franke blinzelt irritiert von der Bühne in den Zuschauerraum. Kein einziger Sitz im Theater ist besetzt. „Hier!“, kommt es mehrstimmig von hinten. „Ach, SIE sind das!“ Franke hat sein Publikum entdeckt – in fünf Stuhlreihen auf der Theaterbühne. Für ihn und Schauspielkollege Ullrich Matthaeus bleibt noch Platz für ein kleines Podest, einen Tisch, zwei Stühle, zwei Tassen. Für die Besucher heißt es: Anschnallen bitte für einen Ausflug ins Reich Absurdistan!

Das Ziel der Reise bleibt fürs Publikum allerdings zunächst unklar. Geradezu fühlbar ist der Versuch der Besucher, der Handlung auf der Mini-Bühne einen inhaltlichen roten Faden zu entlocken: einen Sinn darin zu finden, warum sich der Beamte Slazzek (Franke) und der sagenhaft untalentierte Berufskiller Meitzinger (Matthaeus) gegenüberstehen und über den Tod und ihr bisheriges Leben sinnieren.

Zum Beginn des eigentlichen Stückes schließt sich der Vorhang, und alle Beteiligten sind auf der Bühne unter sich. Statt einer Kulisse wartet ein durchaus spannender Blick auf die Bühnentechnik, auf Scheinwerferbatterien und Zugseile, die sonst im Verborgenen liegen.

Doch schnell ziehen Matthaeus und Franke mit ihrem Zwiegespräch die Aufmerksamkeit auf sich. In Rückblenden schlüpfen beide immer wieder kurz in andere Rollen: Jacke aus, Mütze auf – fertig ist die Verwandlung. So wird der eine zum Lehrer des anderen („Ich bin Pädagoge genug, um jetzt auf Durchzug zu schalten“), ehe wenig später der andere mit roter Perücke und Grübchenlächeln die Ehefrau des einen darstellt.

Das Dilemma der beiden Protagonisten Slazzek und Meitzinger: Es geht um Leben und Tod. Nicht nur für den überzeugten Beamten, der einen alten Freund an die GEZ verpetzt hat und dafür jetzt mit dem Leben bezahlen soll. Sondern auch für seinen vermeintlichen Mörder: Wenn Meitzinger seinen Kill wieder mal versemmelt, ist er selbst dran. Seine bisherigen Versuche endeten stets im Fiasko – mit einem überlebenden Opfer und erheblichem Kollateralschaden: „Zwei Hunde, drei Aquarien, erheblicher Sachschaden.“

Irgendwo zwischen Loriot und John Cleese

Auch diesmal läuft's nicht wirklich gut für den Killer. Wieder mal hat er den Fehler gemacht und ein Gespräch mit dem Zielobjekt begonnen. Flugs findet er sich im Dialog über Kinder und Familie, über kleinwüchsige Tangolehrer und einen Onkel, der im südamerikanischen Staat Eventuell (!) Waffeln anbaut (!!).

Während der Inhalt also ganz allmählich immer weiter ins Aberwitzige abdriftet, kommen die Schauspieler auf der kleinen Bühne auf der großen Bühne so richtig auf Temperatur. Matthaeus mimt den bemitleidenswerten Versager, dem trotz Pistole in der Hand die Situation entglitten ist, in einer bemerkenswerten Attitüde irgendwo zwischen Loriot und John Cleese. Und Franke verleiht seinem Charakter eine rastlose Hektik und lässt ganz allmählich die Untiefen im Wesen des scheinbaren Biedermanns zum Vorschein kommen, der eigentlich nur eines wirklich gut kann: Geheimnisse verraten („Ich hab sogar das Rezept von Nutella an Nusspli verpetzt“).

Für die beiden Hauptpersonen hat das Stück – nicht dass es wirklich eine Rolle spielt – ein Happy End in Eventuell parat. Matthaeus und Franke bedanken sich nach dem Schlussapplaus für das „spannende Experiment“.

Die Besucher auf der Bühne kamen zugleich in den Genuss der letzten „Parole 73“-Vorstellung des Bremer Tourneetheaters. Rund 20-mal hat das Duo die Komödie aufgeführt – und die Handlungslosigkeit der Handlung offenbar lieb gewonnen. „Die beiden, die das geschrieben haben“, sagt Ullrich Matthaeus zum Abschluss lächelnd, „die müssen was ganz, ganz Tolles geraucht haben.“

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