Neue Feuerwehr-Führungsspitze seit knapp einem Jahr im Amt/Einsatzlage und Mitglieder haben sich verändert

„Miteinander und Wir-Gefühl zählen“

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Planspiele können Leben retten: In der eigens dafür konzipierten Anlage in der FTZ Barrien können (v.l.) Hartmut Specht, Uwe Rohlfs und Kreisbrandmeister Michael Wessels effektive Einsatz-Strategien überprüfen.

Syke/Barrien - Von Anke Seidel. 212 mal hat das Trio im knappen ersten Jahr seiner Amtszeit schon getagt. Diesmal reflektieren Kreisbrandmeister Michael „Mike“ Wessels und seine Stellvertreter Uwe Rohlfs sowie Hartmut Specht in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Barrien einen nächtlichen Großeinsatz in Brinkum. Hartmut Specht hat ihn selbst geleitet. Retten, Löschen, Bergen, Schützen: Eine Hilfsorganisation mit rund 5000 Einsatzkräften hat dieses Trio zu führen. In 18 Tagen jährt sich der Beginn seiner Amtszeit.

Wieviele Stunden haben der Kreisbrandmeister und seine beiden Stellvertreter, die Schulter an Schulter arbeiten, in dieser Zeit schon geleistet? Hartmut Specht lächelt nur. Michael Wessels blickt kurz in seinen Terminkalender und überschlägt: „Bei mir sind es rund 1600 Stunden.“ Trotz der hohen Arbeitsbelastung fühlen sich alle wohl in ihren neuen, verantwortungsvollen Funktionen. „Total toll. Es macht Spaß und läuft ganz hervorragend“, sind sich Michael Wessels, Hartmut Specht und Uwe Rohlfs einig. Zurzeit sind sie im gesamten Landkreis auf Feuerwehr-Jahreshauptversammlungen zu Gast – und bekommen positive Rückmeldungen auf ihren Führungsstil: „Das freut uns natürlich sehr!“

119 Ortswehren bestehen im Flächenlandkreis Diepholz – ein Netzwerk, das gepflegt werden will. „Das müssen wir am Laufen halten“, sagt Michael Wessels. Hartmut Specht fügt hinzu: „Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich.“

Wichtig sei eine intensive Kommunikation, betont Uwe Rohlfs: „Das machen wir auch.“ Für ihn hat eine gemeinsame Großübung mit dem Titel „Miteinander“ enorm großen Symbolwert: „Sie hat das Wir-Gefühl gestärkt. Das hat sich gelohnt!“

Wir – das bedeutet für das Führungsteam auch einen engen Draht zur zweiten Ebene. Oft sitzen bis zu zehn Feuerwehr-Funktionäre am Tisch und diskutieren über Mögliches und Machbares. Das gilt genauso für die Führungsspitze des Kreisfeuerwehrverbandes, sozusagen die „Gewerkschaft“ der Hilfsorganisation. Überzeugen und mitnehmen – das ist dem Führungsteam sehr wichtig.

„Auch der Landkreis und die Kommunen nehmen ihre Sache sehr ernst und unterstützen uns über das normale Maß hinaus“, sagt Kreisbrandmeister Wessels.

Dafür sei das neue Führungstrio sehr dankbar. Denn Feuerwehr, so beweist es mit verschiedenen Beispielen, hat sich verändert: Einen Einbrecher von einem Supermarkt-Dach holen und damit der Polizei Amtshilfe bei der Festnahme leisten – so etwas hat es früher nicht gegeben.

Auch nicht, dass Feuerwehr bei einer drohenden Massenschlägerei vor einer Diepholzer Diskothek präsent ist. Es ist die Einsatz-Leittechnik, mit der die Feuerwehr die Polizei in solchen Fällen effektiv unterstützt.

Dazu kommt: Immer mehr menschlich stark belastete Einsätze müssen die ehrenamtlichen Helfer schultern – wie nach Suiziden auf Bahnstrecken. „Davon hatten wir allein im vergangenen Jahr fünf“, stellt Michael Wessels fest.

Besondere Alarmpläne musste die Feuerwehr gemeinsam mit den Kommunen vor einem ganz anderen Hintergrund erarbeiten: Für die Gebäude, die aktuell als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. In Barnstorf musste die Feuerwehr bereits danach löschen: Unbekannte hatten ein Brandanschlag verübt (wir berichteten). Flüchtlinge über den richtigen Brandschutz aufklären – auch das ist eine neue Aufgabe für die Feuerwehr. „Wir müssen diesen Menschen erstmal vermitteln: Wir tragen eine Uniform, aber wir sind etwas Gutes, wir helfen“, beschreibt Hartmut Specht die Sensibilität dieser Aufgabe. Zu den neuen Einsatz-Aufgaben gehörte genauso die Einrichtung der zentralen Flüchtlingsunterkunft in Twistringen.

Flüchtlinge als Einsatzkräfte in der Feuerwehr – kann sich das Führungsteam das vorstellen? „Grundsätzlich ist bei uns jeder willkommen. Er muss aber unsere Werte teilen und das gleiche Ziel, also Sicherheit und Hilfe für den Nächsten, verfolgen“, antwortet der Kreisbrandmeister. Die Feuerwehr habe bereits Kameraden mit Migrationshintergrund. „Von deren Sprachkenntnissen haben wir bei Einsätzen schon profitiert“, sagt Hartmut Specht. Voraussetzung sei natürlich die erfolgreiche Teilnahme am Grundlehrgang – und der Respekt gegenüber den weiblichen Führungskräften in der Feuerwehr: „Wir haben bereits zwei Ortsbrandmeisterinnen im Landkreis.“

Die schrumpfenden Mitgliedszahlen der Rettungs- und Hilfsorganisationen allgemein ließen sich generell nicht durch Flüchtlinge kompensieren. „Das geht nur mit schlagkräftigen, effektiv einsetzbaren und gut ausgebildeten Feuerwehren“, blickt Michael Wessels auf die Strukturen im Flächenlandkreis Diepholz.

Um genau diese Effektivität auf die aktuellen, veränderten Anforderungen abzustimmen, haben Wessels, Rohlfs und Specht eine neue Alarm-Ausrücke-Ordnung erarbeitet, die ab kommenden Jahr gelten soll und den Stadt- sowie Gemeindebrandmeistern bereits vorgestellt wurde. Die Kernfrage dieser neuen Strategie: Welche Einsatzmittel – sprich Kräfte und Fahrzeuge – werden vor Ort gebraucht? Bisher ist die lokale Zuständigkeit einer Ortsfeuerwehr das Kriterium. „Wir werden in diesem Jahr intensive Informations- und Überzeugungsarbeit leisten“, betonen Wessels, Rohlfs und Specht – und wissen genau, welchen Beitrag die ehrenamtlichen Helfer dazu leisten müssen: „Die eigene Bereitschaft zur Veränderung muss da sein. Sonst kann man nicht gemeinsam in die Zukunft schauen.“

Verändert haben sich demnach auch die Menschen, die sich für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr entscheiden: „Die jungen Menschen von heute sind andere“, blickt das Führungsteam auf das Handy-Zeitalter. Auch im Miteinander der Erwachsenen habe sich einiges geändert: „Das Bier nach dem Dienst ist weggefallen.“ Aber nach wie vor sind Solidarität und Gemeinschaft die tragende Säule in der Feuerwehr. Hartmut Specht formuliert es so: „Feuerwehr ohne Kameradschaft funktioniert nicht.“

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