Am Anfang war der Beat

Neue Ausstellung im Café Alte Posthalterei: Look und Sound der 60er

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Roy Peter (links) und Werner Bolte prägen am Samstag die Eröffnung der Ausstellung „Look und Sound der 60er Jahre“. Roy Peter macht Musik, Werner Bolte hat den größten Teil der Exponate aus seiner Privatsammlung zusammengestellt. 

Syke - Von Michael Walter. „Look und Sound der 60er-Jahre“ will der Verein Rund ums Syker Rathaus den Besuchern im Café Alte Posthalterei näher bringen. So lautet der Titel der Ausstellung, die dort am kommenden Samstag eröffnet wird. Für den Look ist der Syker Werner Bolte zuständig, der den größten Teil der Exponate aus seiner Privatsammlung beigesteuert hat. Für den Sound der Barrier Profimusiker Roy Peter, der am Eröffnungstag Musik im Cafégarten macht.

„Vom Mauerbau bis zur Mondlandung“ hätte man die Ausstellung genausogut nennen können, denn das ist ziemlich genau der Zeitraum, den sie abdeckt. Und dazwischen liegt nicht weniger als ein gesellschaftlicher und kultureller Umbruch – den alle an der Ausstellung federführend Beteiligten als Jugendliche miterlebt haben.

„Der Geist der 60er war noch so bleiern“, erzählt Gerd Thiel vom Verein Rund ums Syker Rathaus und erinnert sich an seinen alten Lehrmeister, der bei ihm noch mit dem Bleistift die Länge der Nackenhaare nachgeprüft hatte. „In England ist der Verteidigungsminister damals über eine Sex-Affäre gestürzt. Heute nicht mehr vorstellbar, angesichts von US-Präsidenten wie Bill Clinton und Donald Trump.“

Die Musikszene, die sich ab etwa 1960 vor allem in Liverpool bildete, war das Fanal zum Aufbrechen dieses bleiernen Geistes. Sie kennzeichnete den Beginn einer Entwicklung, die Jahre später kulturell in der Flower-Power-Bewegung und politisch in der Studentenrevolution ihren Höhepunkt fand. Für diese Szene stehen Namen wie The Searchers, Gary and The Pacemakers und allen voran die Beatles.

Roy Peters Erweckungserlebnis war der Moment, als er in seiner Heimat Sri Lanka – das damals noch Ceylon hieß und britisches Dominion war – den Beatles Song „I saw her standing there“ im Radio hörte. Paul McCartneys Bass-Lauf hatte ihn sofort angefixt: „Das will ich auch! So will ich auch spielen können“, hatte er sich da gesagt. „Ohne diesen Song, ohne die Beatles wäre ich vielleicht nie Musiker geworden.“

Knappe 10 000 Kilometer entfernt ging es Werner Bolte in Syke ganz ähnlich: Er war 13, als ihn das Beat-Fieber packte. Mit Freunden gründete er eine Band. Drei Jahre später – da war die Beat-Welle schon deutlich abgeflaut – gewann er mit ihr den Norddeutschen Beat-Wettbewerb bei Vossmeyer in Sudweyhe. „The Mersey Times hatten wir uns genannt“, erzählt Bolte. „Nach dem Fluss, der durch Liverpool fließt und der dem Mersey Beat den Namen gegeben hat. Und alle haben uns falsch geschrieben, ob Veranstalter oder Zeitungen. Da konntest du denen das buchstabieren – fast immer stand Mercy Times in den Artikeln oder sogar auf den Plakaten.“ Bolte lacht. „Wir haben es dann einfach aufgegeben und die falsche Schreibweise übernommen.“

Schon damals war Bolte ein Sammler vor dem Herrn. Resultat ist ein fast grenzenloser Fundus an Zeitzeugnissen: Fotos, Reklameschilder, Plakate, Platten und mehr. Einen Teil davon zeigt er in dieser Ausstellung. Eröffnung ist am Samstag um 14.30 Uhr.

Ab 15 Uhr spielt Roy Peter im Cafégarten. „Im ersten Set spiele ich Songs von den Beatles, im zweiten ein bisschen Jazz und Rock’n’Roll“, erzählt er. Bei Regenwetter wird das Ganze ins Café verlegt.

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