Lesung in der Bibliothek

Das Format, was die Gegenwart braucht: Martin Busch liest Aphorismen vor

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Martin Busch (Jahrgang 1973) hat einen Doktortitel in Soziologie und arbeitet hauptsächlich als Moderator und Nachrichtenredakteur für Radio Bremen. Aufgewachsen ist er in Weyhe, heute lebt er mit seiner Familie in Bremen. Seine aktuelle Aphorismensammlung gibt’s übrigens auch als Hörbuch bei Audible.

Politik oder Aphorismen-Buch schreiben? Diese Entscheidung war für den Moderator und Radio-Redakteur Martin Busch aus Weyhe schnell beantwortet. Auch wenn sie nicht mehr ganz so zeitgemäß sind: Am 25. Februar will Busch seine Lieblings-Aphorismen in der Syker Bibliothek vortragen.

Syke - Martin Busch, Moderator und Nachrichtenredakteur bei Radio Bremen, liest am Dienstag, 25. Februar, in der Stadtbibliothek aus seinem Buch „Als Freiheit und Fortschritt begannen, Eigentore zu schießen“ (Beginn: 19 Uhr). Michael Walter hatte vorab die Gelegenheit zu einem Gespräch.

Hat man beim Radio so wenig zu tun, dass man nebenbei noch Bücher verfassen kann?

Ich bin ja kein festangestellter Redakteur, sondern „nur“ fester freier Mitarbeiter. Da wird man mal mehr und mal weniger oft eingesetzt. So gibt es immer wieder Zeiten, in denen man etwas anderes machen kann. Veranstaltungen moderieren, zum Beispiel. Oder Bücher schreiben.

Und das ist ja auch nicht das erste Buch...

Richtig. Das erste war, so gesehen, meine Doktorarbeit. 2010 hab ich dann angefangen, an einem Essay zu schreiben. „Deutschland, Deutschland ohne alles“. Da habe ich mich mit Dingen beschäftigt, die mir in unserem Land negativ aufgefallen sind. Gewalt im öffentlichen Raum ist eines der zentralen Themen. Der Mann in München, der an der S-Bahn-Station erschlagen worden ist, weil er bei einem Streit dazwischen gegangen ist, war ein Auslöser dafür. Und ein paar andere Horrorzenarien, die man als Nachrichtenredakteur so mitkriegt und die sich festgesetzt haben.

Außerdem geht es in dem Buch um die überbordende Individualisierung und dieses ständige Sich-selbst-zur-Schau stellen, um den zerbröckelnden Zusammenhalt in der Gesellschaft und allgemein um gesellschaftliche Widersprüche und Fehlentwicklungen.

Und wie kommt man von sowas jetzt auf das aktuelle Buch – eine Zusammenstellung von 100 selbstverfassten Aphorismen?

Nach „Deutschland, Deutschland ohne alles“ hat jemand zu mir gesagt: „Schreib entweder ein zweites Buch mit den Lösungen oder geh in die Politik.“ In die Politik bin ich nicht gegangen, und die Lösung für alle Probleme kenne ich auch nicht. Aber ich hab mir damals im Zuge des Schreibens Dinge formuliert, die jetzt Einzug in die Aphorismensammlung gefunden haben. Und ich hab auch danach nicht aufgehört, zu denken. Mit der Zeit hat sich eine ganze Reihe von Blättern mit kurzen, knackigen Formulierungen angehäuft. Davon habe ich 100 ausgewählt und als Buch zusammengestellt.

Sind Aphorismen denn nicht sowas von aus der Mode?

Ja. Aber: „Weniger ist mehr.“ Daran glaube ich. Ich wollte damit einen Kontrapunkt setzen in einer Zeit, in der wir von allem zu viel haben. Kurz und bündig auf den Punkt gebracht: Das ist genau das Format, das die Gegenwart braucht. Es darf halt nur nicht so unreflektiert daherkommen wie ein Tweet von Donald Trump. Wobei: Ich polarisiere selber ja auch, gar keine Frage

Womit zum Beispiel?

Zum Beispiel mit Kapitalismuskritik. Dann denken die Leute gleich: Aha, der Busch ist ein Linker. Ich kritisiere aber genauso unseren verkrampften Umgang mit einem gesunden Patriotismus oder die aktuelle Form von Migration. Und meine Vorstellung von Familie ist auch sehr bürgerlich. In den Augen einiger Zeitgenossen wäre ich dann ein Rechter.

Und was stimmt?

Unser ehemaliges Staatsoberhaupt Joachim Gauck hat über sich gesagt, er sei ein linker konservativer Liberaler. Dann würde ich von mir sagen: Ich bin ein konservativer Linker, dem das Liberale in letzter Zeit ein wenig abhanden gekommen ist.

Gibt es eine besondere Beziehung zu Syke?

Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich ja in Weyhe. Es gab aber immer Berührungspunkte. Meine Mutter war eine Ewigkeit Lehrerin an der Grundschule Barrien. Wir sind als Familie öfter im Kreismuseum gewesen. Ich bin in Syke immer zum Friseur gegangen – zu Buck – und hab mit Anfang 20 ein paar schöne Kleidungsstücke bei Plenge gekauft. Das Geschäft gibt es ja inzwischen leider nicht mehr.

Außerdem hab ich in jungen Jahren in Barrien Tennis gespielt und bin zweimal auf der Anlage vom TV Syke Bezirksmeister geworden. Ach so: Und mit meinem ersten Buch war ich mal zur Lesung im Gleis 1. Diesmal komme ich ja zur Bibliothek.

Was erwartet uns da?

Ich lese, und zwischendurch spielt Ralf Winkelmann Gitarre. Das machen wir jetzt schon seit drei Jahren. Diesmal ist außerdem noch mein Kollege Jörn Albrecht dabei. Mit dem gibt es dann hinterher noch ein kleines Gespräch.

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