Erbschaft mit Spätfolgen

Kirchengemeinde darf marodes Haus an der Hauptstraße nicht verkaufen

Steht seit 2017 leer: Das Haus an der Hauptstraße 46. Es gehört der Christuskirchengemeinde und ist in einem desolaten baulichen Zustand. Sanieren oder neu bauen kann und will die Kirchengemeinde nicht. Einen Verkauf hat die Landeskirche aber untersagt. Foto: jantje ehlers
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Steht seit 2017 leer: Das Haus an der Hauptstraße 46. Es gehört der Christuskirchengemeinde und ist in einem desolaten baulichen Zustand. Sanieren oder neu bauen kann und will die Kirchengemeinde nicht. Einen Verkauf hat die Landeskirche aber untersagt.

Syke - Von Michael Walter. Stell dir vor, du hast eine Ruine und wirst sie nicht los - das ist ungefähr die Situation, vor der die Christuskirchengemeinde steht. Sie ist Eigentümerin des Gebäudes Hauptstraße 46.

Das Haus ist etwa 200 Jahre alt und in einem desolaten baulichen Zustand. Laut Jörg Hespenheide - er ist seit Juni Vorsitzender des Bauausschusses des Kirchenvorstands - steht es seit 2017 leer und wird auch nicht mehr geheizt. Die Kirchengemeinde möchte es am liebsten verkaufen - darf das aber nicht.

Hintergrund: Laut Darstellung der ehemaligen Kirchenvorstandsvorsitzenden Anja Thorns hat die Christuskirchengemeinde das Haus 1934 geerbt. Damals gehörte auch Landbesitz mit dazu. Eine Auflage im Testament besagt, dass etwaige Einnahmen aus einem Landverkauf für den Erhalt des Gebäudes verwendet werden müssen. Das ist so aber nicht passiert.

Das Land ist in den 1970er- Jahren verkauft worden. Der Erlös ist zwar für die Kirchengemeinde verwendet worden, aber nicht für die Sanierung dieses Gebäudes. Damals hatte die Landeskirche dem zugestimmt. Heute hat sie dazu eine andere Auffassung und sagt: Die Kirchengemeinde hätte das Haus sanieren müssen.

Sanierung würde jeden Rahmen sprengen

Hat sie aber weder damals noch in den folgenden Jahrzehnten. Heute ist es dafür zu spät. Der Kirchengemeinde liegt ein Gutachten vor, das besagt: Die Kosten für eine Sanierung würden inzwischen jeglichen vertretbaren Rahmen sprengen.

Die Syker würden das Haus am liebsten verkaufen, doch da hat ihnen die Landeskirche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Streit darüber dauert bereits Jahre.

Pastor Christian Kopp: „Es gibt im Testament zwei Formulierungen, die sich gegenseitig widersprechen. Die eine sagt, wir dürfen das Haus nicht verkaufen, die andere ließe das zu. Bisher hatten sowohl wir als auch die Landeskirche das immer so interpretiert, dass ein Verkauf möglich wäre, sofern er im Sinne des Erblassers erfolgt. Inzwischen hat bei der Landeskirche aber die Sachbearbeitung gewechselt, und die neue sieht das anders.“

Ende Februar haben wir wahrscheinlich eine Lösung auf dem Tisch. Pastor Christian Kopp

Die Landeskirche bestätigt das im Wesentlichen: „Das Testament macht der Erbin die Auflage, dass das Grundstück nicht verkauft werden darf. Daran ist die Kirchengemeinde gebunden.“ So Pressesprecher Pastor Johannes Neukirch auf Nachfrage der Kreiszeitung. Und weiter: „Das Landeskirchenamt ist bei verschiedenen Grundstücksangelegenheiten Genehmigungsbehörde und prüft im Rahmen des Genehmigungsverfahrens auch die Auflagen, die auf einem Grundstück lasten. Deshalb konnte das Landeskirchenamt den geplanten Verkauf nicht genehmigen. Die Kirchengemeinde prüft nun derzeit, wie sie das Gebäude selbst nutzen oder durch Dritte nutzen lassen kann.“

Selbst nutzen scheidet dabei aus. Denn das hieße, entweder doch noch sanieren oder abreißen und neu bauen. „So eine Sanierung könnten wir gar nicht finanzieren“, sagt Christian Kopp. „Oder wenn wir es täten, könnten wir nichts anderes mehr finanzieren.“

Eigener Neubau nicht angedacht

Beim Thema Neubau wäre das nicht anders. Da kommt aber noch hinzu: Selber bauen will die Kirchengemeinde auch gar nicht.

Erstens aus organisatorischen Gründen. Jörg Hespenheide: „Wir machen das alle nur nebenbei. So ein Bauvorhaben wie das neue Gemeindehaus in Barrien ist eine Riesenherausforderung. Ich weiß nicht, ob wir das bei uns leisten könnten. Manchmal fühle ich mich wie ein Auszubildender im ersten Jahr und merke, wie viel ich noch lernen muss.“ Und zweitens grundsätzlich. Pastor Kopp: „Ich sehe es nicht als vordringlichste Aufgabe einer Kirchengemeinde, Häuser zu bauen und zu vermarkten.“

Wenn behalten und verkaufen also ausscheiden, bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten übrig: Entweder vermieten oder verpachten. Christian Kopp bestätigt indirekt, dass es in diese Richtung gehen dürfte. „Unser Ziel ist: Abgeben gemäß der landeskirchlichen Auflagen.“ Wie das funktionieren könnte, daran arbeitet der Kirchenvorstand bereits eine ganze Weile. Anscheinend mit Aussicht auf Erfolg. Kopp: „Ende Februar haben wir wahrscheinlich eine Lösung auf dem Tisch.“

Wie auch immer die genau aussieht: Die Tage des alten Gebäudes sind damit wahrscheinlich gezählt. An seine Stelle dürfte dann in absehbarer Zeit eine neues Wohn- und Geschäftshaus rücken.

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