Kondome schützen

Kabarettist Matthias Bartscher beleuchtet die Herausforderungen des Elternseins

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Matthias Bartscher bei seinem Vortrag im Kreismuseum. 

Syke - Von Detlef Voges. Das Schöne an der Erziehung ist: Es geht fast alles. Fast alles ist richtig, fast alles falsch. Niemand weiß, was letztendlich herauskommt. Wenn dann auch noch das Kabarett eingreift und am Ende des Abends die Losung heißt „use condoms“ (benutze Kondome), um den Schlamassel erst gar nicht wachsen zu lassen, scheint die geeignete Grundlage geschaffen, die Sache humorvoll anzugehen.

So wie es Matthias Bartscher am Mittwochabend auf der Diele des Kreismuseums praktiziert. Der erfahrene Erziehungsberater, selbst leidgeprüfter Vater, hat sich entschieden, auf gut gemeinte Ratschläge zu verzichten und nach dem Motto „Kabarett ist verarbeitete Wut“ den Eltern lieber zu erklären, was sie in der Erziehung gründlich alles falsch machen können.

Den kurzweiligen Lernabend für Eltern auf der voll besetzten Diele serviert die Volkshochschule in Kooperation mit Stadt und Landfrauen. Väter sind auch da – überschaubar. Die „Anleitung zur Unzufriedenheit“ interessiert offenkundig eher Mütter. Dafür ortet der Beratungsprofi Syke als Mitte Deutschlands aus, soziologisch gesehen. Entspricht die Familiendominanz an der Hache doch offensichtlich dem Bundestrend mit Papa, Mama, Sohn und Tochter.

Bartscher bezeichnet das Kind als trojanisches Pferd, das nicht vorübergehend zu Besuch ist, sondern dauernd – und das viel Geld kostet. Wie viel? „Ein Einfamilienhaus“, erklärt eine Mutter. Bartscher lächelt und zeigt einen TV-Sketch mit Anke Engelke und Charly Hübner. Als die Tochter auszieht, präsentieren sie ihr die Rechnung: 563 436,26 Euro hat sie die Eltern gekostet. Das brauche sie nicht auf einen Schlag zurückzuzahlen, meint die Mutter trocken. Alltäglicher Erziehungsfrust, der sich wie ironisierte Fußkälte durch den Abend zieht und so manchen Lacher gebiert.

Erziehung könne nicht klappen, ist der Elternberater sicher, „weil wir weder den richtigen Partner, noch das richtige Kind oder das richtige Einkommen haben.“

Erziehen durch erklären klappt ja auch nicht richtig. Wie soll man das Kind davon überzeugen, dass es zu Bett, die Zähne putzen oder den Fernseher ausmachen soll. Da hilft dann vielleicht doch eher die rabiate Abschreckung durch einen Besuch bei Drogendealern oder Nutten. Und erziehen durch fragen nach dem Motto „Wie war‘s in der Schule?“ ist für Bartscher die Einleitung in ein Verhör. Zudem seien Kinder schlau, die würden gar nichts sagen oder ausweichend antworten. Die Eltern auf der Museumsdiele lachen herzhaft und wissend.

Der erfahrene Berater hat ein eigenes Analyse-Modell für Kinder erarbeitet: APS, das „Allgemeine Prinzen-und-Prinzessinnen-Syndrom“. Ein Prinz im Hause, das sei für Eltern ein sicherer Job als Dienstbote. „Wenn Eltern ihr Kind zum zweiten Mal auffordern, etwas zu tun, hat das Kind schon die Steuerung übernommen“, so Bartscher.

Der Gast räumt genussvoll mit der Sinnhaftigkeit elterlicher Drohgebärden auf wie „Wird’s bald!?“ – das seien Brandbeschleuniger. Wenig Erfolg versprächen auch Weichspüler wie „Würdest du mir einen Gefallen tun und den Mülleimer rausbringen?“ Was, wenn es nicht klappt?

Und nun? Erziehe mit Konsequenz, aber richtig. Aber wie? Was ist sinnvoll oder vernünftig? Bartschers Vorschlag: Von der Hundeerziehung lernen, denn die laufe immer auf das Verhalten des Halters raus. Wow.

Wie sieht sie denn nun aus, die richtige Erziehung? „Weiß ich auch nicht“, bekennt der Berater, begibt sich zum Schluss auf das Feld der Denkanstöße und flüchtet in Ironie mit dem Filmclip von einem schreienden Jungen im Supermarkt und dem Angebot, doch rechtzeitig Kondome zu benutzen. Sonst kommt das trojanische Pferd.

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