„Das Pubertier“

Sex ist wie Rasenmähen - von der Gedanken- und Gefühlswelt männlicher Alterspubertiere

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Autoren-Lesung bei Schüttert in Syke: Jochen Gutsch und Maxim Leo stellten ihr Trostbuch für Alterspubertiere vor.

Syke - Von Michael Walter. Mit seinem Buch „Das Pubertier“ hat der Journalist und Autor Jan Weiler einen Begriff geschaffen, der in kürzester Zeit Einzug in den Alltagssprachgebrauch gefunden hat. Insofern lag es nahe, dass seine beiden Berufskollegen Jochen Gutsch und Maxim Leo diesen Begriff aufgegriffen haben und das Alterspubertier erfanden, als sie nach einer Umschreibung für Leute wie sich suchten.

Beide sind in der zweiten Hälfte der 40er. Und das ist nach der Pubertät die Phase, die die nachhaltigsten Veränderungen mit sich bringt. Sagen sie. Wie das aussieht und welche Züge das annehmen kann, haben sie in einem Buch zusammengefasst. „Es ist nur eine Phase, Hase“, heißt es. Am Mittwoch lasen sie in der Buchhandlung Schüttert daraus.

Die beiden sind witzig. Dass die Chemie zwischen ihnen stimmt, merkt man ab der ersten Minute. Keineswegs laut oder polternd, sondern eher leise und subtil ziehen sie sich gegenseitig auf, fallen sich abwechselnd ins Wort, spielen sich mal gekonnt gegenseitig die Pointen zu, mal hauen sie sich auf liebenswerte Weise in die Pfanne. Da gerät die eigentliche Lesung schnell zur Nebensache. Wenn Gutsch und Leo einfach so drauflos plaudern, hat das mindestens genauso hohen Unterhaltungswert wie ihr Buch.

„Mittlere Jahre“ oder gar „Midlife Crisis“ – das klingt viel zu negativ. Sagen sie. Dagegen sei „Alterspubertät“ viel treffender. Weil sich vieles verändert. Der Unterschied: In der Pubertät wird alles mehr. Hormone, Haarwuchs, der Sex. In der Alterspubertät wird dagegen alles weniger. Bis auf den Bauchumfang und den Harndrang.

Aber ab wann ist Mann in der Alterspubertät? Klare Antwort: Ab dem Moment, in dem er begreift, dass er eine Lesebrille braucht.

Ist Sex ohne Lesebrille wirklich ratsam?

„So schlimm ist das gar nicht“, sagt Maxim Leo. Die Sehschwäche hätte sogar handfeste Vorteile. „Die Frage ist doch, ob in dem Alter Sex ohne Sehschwäche überhaupt...“ Das Ende des Satzes geht im Gelächter unter. Aber das ist die Wellenlänge, auf der den Abend über weiter gefunkt wird.

Es sind bezeichnenderweise die Frauen, die am lautesten Lachen, wenn es um alterspubertäre Männerprobleme geht wie schnarchbedingte Ausweisungen aus dem gemeinsamen Schlafzimmer oder den ersten Besuch beim Urologen inklusive großer Hafenrundfahrt.

Die Männer leiden hingegen still und tapfer, wenn Gutsch und Leo schonungslos die veränderten Reaktionen im weiblichen Umfeld skizzieren, die mit männlicher Alterspubertät einhergehen. Stichwort Männerabend: „Früher hatten unsere Frauen davor immer Angst und irgendwas mit Koks und Nutten im Kopf. Heute sagen sie: Ja! Mach doch! Bleib ruhig länger!“

„Mann wird auch rührseliger“, stellt Maxim Leo fest. „Früher hat meine Frau immer gesagt, ich solle doch mehr Gefühle zeigen. Heute sagt sie: Halt die Klappe, Heulsuse.“

Nachdenkliche Momente gibt es auch

Es gibt auch ernste, nachdenkliche Momente. Etwa wie man damit umgeht, dass die eigenen Eltern langsam alt und gebrechlich werden. Und dass immer öfter die Angst mitschwingt, wenn früh morgens oder spät abends das Telefon klingelt, weil das ja vielleicht „der“ Anruf sein könnte. Auch die sind aber heiter verpackt und enden in gekonnt gesetzten Pointen. Und schon sind Gutsch und Leo wieder bei alterspubertären Ritualen wie 50. Geburtstagen.

„Irgendwann wird da zielsicher immer AC/DC gespielt. Und bei THUNDER geht dann ein Ruck durch die Männer: „Wie müssen jetzt tanzen.“ Das Resultat ist dann fast immer unfreiwillig komisch: Headbangen unplugged – ohne Haare. Wobei: Die Haare gehen ja gar nicht aus. „Sie ziehen nur um“, sagt Gutsch. „Auf den Rücken und den Arsch. Das ist sozusagen Globalisierung am eigenen Körper.“

Charakteristisch für das Alterspubertier ist laut Gutsch und Leo aber seine gewandelte Einstellung zum Sex. Konnte Mann in jungen Jahren nicht genug kriegen, denkt er jetzt anders: „Prima, geschafft“, heißt es da hinterher. „Wieder eine Woche Ruhe. Ein Gefühl wie Samstag nach dem Rasenmähen.“

P.S.: Der Verfasser dieser Zeilen ist Baujahr 1966 und verweist ausnahmslos jede Behauptung, die in diesem „Buch“ gemacht wird, entschieden ins Reich der Fabel.

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