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Syke im Selbstversuch: Wie gut ist die Innenstadt ausgeschildert?

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Von: Michael Walter

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Eine Kreuzung in Syke vor der Abzweigung Zum Hachepark
Das weiße Hinweisschild steht technisch richtig: vor der Abzweigung Zum Hachepark. Trotzdem weist es in die Irre: Weil die große breite Einmündung davor die kaum wahrnehmbare Einmündung dahinter optisch geradezu erschlägt, stehen Ortsfremde dann in der Sackgasse. © MIchael Walter

Zusammen mit Bürgermeister Suse Laue fährt Kreiszeitungs-Reporter Michael Walter durch Syke und beobachtet die Verkehrsschildführung in Richtung Innenstadt. Immer wieder gibt es deswegen Beschwerden.

Syke – „Als Ortsfremder findet man die Syker Innenstadt ja noch nicht mal!“ – Eine Kritik, die von verschiedenster Seite immer mal wieder rausgekramt und angebracht wird, wenn es um die Verkehrsführung in Syke geht. Meist von Leuten, die mit der jeweils aktuellen Planung nicht einverstanden sind. Was ist dran an dieser Kritik? Die Kreiszeitung hat’s überprüft. Zusammen mit Bürgermeisterin Suse Laue sind wir Auto gefahren.

Aktueller Anlass: Im Zusammenhang mit dem gerade vom Rat beschlossenen Mobilitätskonzept hat sich die Stadtverwaltung quasi selbst den Arbeitsauftrag gegeben, die Beschilderung zur Innenstadt zu verbessern. Mit unserem Selbstversuch greifen wir dem jetzt ein bisschen vor. Kleiner Spoiler: Das System ist nicht so schlecht, wie es oft gemacht wird, aber es hat viel Luft nach oben.

Für unsere Testfahrt versetzen wir uns in die Rolle eines Ortsfremden, der einen Termin an der Hauptstraße wahrnehmen will. Wir kommen je einmal aus Richtung Barrien, aus Richtung Bassum, aus Richtung Deutsche Eiche und aus Richtung Heiligenfelde. Und wir folgen ausschließlich der vorhandenen Beschilderung.

Ein Schild mit der Aufschrift „Parkplatz Mühlendamm“
Das Schild steht zwar richtig, ist aber völlig sinnfrei: Ortsfremde haben keinerlei Anhaltspunkt, ob der „Parkplatz Mühlendamm“ zur Innenstadt gehört oder nicht. Und wer das weiß, braucht kein Schild. © Michael Walter

Aus Richtung Barrien sehen wir den ersten Wegweiser auf Höhe des BBM-Baumarkts: Auf dem großen gelben Schild an der B 6 steht neben dem Pfeil für geradeaus ein weißes P auf blauem Grund für „Parkplatz“ und daneben weiß hinterlegt der Hinweis „Innenstadt.“ Das zweite Schild kommt 1500 Meter weiter – und bereits das führt uns in die Irre. Technisch gesehen, steht es völlig richtig: hinter der Straße Am Feuerwehrturm und vor der Straße Zum Hachepark. Weil aber die große breite Einmündung vor dem Schild optisch die – von dort kaum wahrnehmbare – Einmündung 100 Meter weiter hinten geradezu erschlägt, nimmt man dieses Schild als „hier rechts abbiegen“ wahr – und steht dann in der Sackgasse. Statt des Pfeils nach rechts wäre an dieser Stelle ein nach oben verlaufender und dann abknickender Pfeil die bessere Lösung.

Wir haben unseren „Irrtum“ bemerkt und fahren an der Ampel rechts auf das Hachepark-Center zu. Dort rätseln wir erst mal: Ist der Famila-Parkplatz jetzt das, was das Schild mit Parkplatz Innenstadt meint? Aber ein Wegweiser nach links zeigt uns: Nein, ist er nicht. Der Parkplatz, der gemeint ist, ist der bei der Kreissparkasse. An der Einfahrt vor der Hachebrücke fahren wir aber vorbei. Denn das Hinweisschild steht quer zu unserer Fahrtrichtung direkt in der Einfahrt, und wir sehen es erst, als wir schon dran vorbei sind. Ärgerlich.

Parkplatz zwischen Georg-Hoffmann-Straße und Wessels Hotel nicht ausgeschildert

Also fahren wir geradeaus weiter und gelangen an die Hauptstraße. Schräg gegenüber sind die Parkboxen an der Luise-Chevalier-Straße. Ziel erreicht. Was wir als Ortsfremde nicht sehen: dass es noch weitere Parkplätze in der Nähe gibt. Wir tun mal so, als wären die Parkboxen hier alle voll und fahren weiter. 50 Meter rechts von uns befindet sich ein größerer Parkplatz zwischen Georg-Hoffmann-Straße und der rückwärtigen Einfahrt zu Wessels Hotel. Den sehen wir von der Einmündung aus aber nicht. Und er ist auch nicht ausgeschildert. Dafür führt uns ein Wegweiser nach links.

Beim Parkplatz an der BBS wissen wir nicht, ob er öffentlich ist oder nicht. Am Parkplatz auf dem Amtshof fahren wir vorbei, weil das Schild wieder quer zur Fahrtrichtung steht und wir es nicht rechtzeitig sehen. Erst im Rückspiegel fällt uns auf, dass wir dort hätten abbiegen können. Da wir aber grade nicht wenden können, fahren wir weiter und biegen an der Ernst-Boden-Straße links ab. Und dann an der Ampel gleich noch mal, weil uns da wieder ein blaues P den Weg weist. Das nächste Schild schickt uns dann nach rechts: Es weist auf den Parkplatz Mühlendamm hin. „Unlogisch“, sagt Suse Laue sofort. „Bisher sind wir immer dem Hinweis Innenstadt gefolgt, und hier steht jetzt Mühlendamm. Als Ortsfremder kann ich nicht wissen, ob der Parkplatz Mühlendamm zur Innenstadt gehört oder nicht. Und die, die es wissen, brauchen kein Schild.“

Aus Bassum könnte ein Wegweiser 150 Meter früher aufgestellt sein

Aus Richtung Bassum gibt es wenig zu bemängeln: Der erste Wegweiser steht vor der Bahnbrücke. Er könnte gerne 150 Meter früher kommen, denn wer links Richtung Avacon will, sieht das eventuell erst, wenn man schon längst die Spur hätte wechseln müssen. In Richtung Innenstadt führt er uns aber zuverlässig bis zur Schlossweide-Kreuzung, wo wir wieder auf die schon bekannten und bereits beschriebenen Wegweiser treffen. Auch aus Richtung Deutsche Eiche finden wir alles okay und kommen wieder an der Schlossweide-Kreuzung heraus.

Aus Richtung Heiligenfelde ist eigentlich ebenfalls alles in Ordnung. Allerdings stehen auf dem entscheidenden Schild vor der Kafu-Kreuzung sehr viele Informationen auf verhältnismäßig wenig Platz. Dadurch wirkt das Schild sehr unübersichtlich. Und bei Tempo 50 haben wir nicht genug Zeit, alles zu filtern.

Unser gemeinsames Fazit nach einer guten Stunde Testfahrt: Das vorhandene System ist keineswegs unbrauchbar. Aber nicht alle Schilder stehen am richtigen Fleck, und nicht auf allen steht das Richtige drauf.

Die vermutlich größte Schwäche liegt aber im Konzept. Freya Söchtig, als Ordnungsamtsleiterin im Rathaus hauptverantwortlich für das Thema Verkehr, bringt es auf den Punkt: „Da steht immer nur Parkplatz Innenstadt. Es gibt aber überhaupt keinen Hinweis darauf, dass damit nicht ein großer Zentralparkplatz gemeint ist, sondern dass es sich um mehrere Parkplätze handelt. Geschweige denn: um wie viele.“ Das ist einer der ersten Punkte, den sie bei der bevorstehenden Überarbeitung verbessern möchte.

Parkplätze könnten nummeriert werden

Söchtig überlegt in Richtung Nummerierung. Der Parkplatz am Mühlendamm wäre dann zum Beispiel „P 1“, der bei der Kreissparkasse „P 2“ und so weiter. „Ich möchte auch gerne die Privaten mit im Boot haben“, sagt Söchtig. „Gerade bei den relativ großen Grundstücken an der Hauptstraße.“ Die Parkplätze dort sind zwar durchaus auch öffentlich. Aber da sie auf Privatgrundstücken liegen, kann die Stadt sie nicht so ohne Weiteres mit einplanen, geschweige denn Schilder aufstellen.

Ein Problem gibt es auch bei den Wegweisern an der B 6 und an der Ernst-Boden-Straße: Bundes- und Landesstraßen liegen nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Änderungen muss die übergeordnete Verkehrsbehörde beim Landkreis anordnen. Und die Landesstraßenbauverwaltung in Nienburg muss sie dann ausführen. „Da wäre auch immer die Frage, wer’s bezahlt“, ergänzt Freya Söchtig und sagt: „Ich glaube, wir brauchen die großen gelben Schilder auch gar nicht zur weiteren Differenzierung.“ Die könne ebenso gut auf zusätzlichen Schildern erfolgen – die dann auf stadteigenen Grundstücken stehen.

Standort-Tafeln könnten ortsfremden Besuchern dann helfen, ihr Auto hinterher wiederzufinden. Nach dem Prinzip: Sie sind jetzt hier und Ihr Parkplatz ist dort.

Kein Wegweiser für Fernverkehr in der Innenstadt

Ortsfremde hatten bislang auch oft noch ein weiteres Problem: Wenn sie erst mal in die Innenstadt gefunden hatten, kamen sie nicht wieder raus. Denn Wegweiser für den Fernverkehr gibt es im Innenstadtbereich bislang überhaupt nicht.

Klar ist außerdem, dass über die Beschilderung hinaus auch die Anbieter von Navigationssystemen über vorhandene Parkplätze, deren Bezeichnungen und die optimale Wegführung dorthin informiert werden sollen. Bei der geänderten Verkehrsführung auf der Hauptstraße – Stichwort: Treffen sich zwei Einbahnstraßen – hatte die Stadt das nicht gemacht, weil es sich ursprünglich nur um einen zeitlich begrenzten Versuch gehandelt hatte. Die Folge: Verärgerte Autofahrer, die durch die Wohnstraßen irrten oder falsch durch die Einbahnstraßen fuhren.

Wie all das im Einzelnen funktionieren soll, steht noch nicht fest. „Der Plan ist jedenfalls, das in diesem Jahr noch umzusetzen“, sagt Freya Söchtig.

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