Hitze ist höhere Gewalt

Wie die Menschen in Syke mit den extremen Temperaturen zurecht kommen

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Fast schon sehnsüchtig blickt Schwimmmeister Siggi Bengs auf das Becken im Syker Freibad. Selber zwischendurch mal reinspringen dürfen aber nur die Azubis in seinem Team. 

Syke - Von Michael Walter. Schon vormittags kratzt das Thermometer an der 30 Grad-Markierung. Nachmittags liegen die Temperaturen bei 35 Grad. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Wir erleben gerade die bisher heißesten Tage des Jahres. Wie kommen die Menschen damit zurecht? Wir haben ein paar von ihnen gefragt.

„Was willst du da machen? Wetter ist ja höhere Gewalt“, sagt Christine Schenkluhn. Sie arbeitet als Friseurin im Salon Trend Hair im Hachepark-Center. Der Salon: Ein Flachdachbau, auf dem morgens schon die Sonne steht. Es gibt eine Lüftung, aber keine Klimaanlage. Da wird es schon mit dem Aufschließen des Ladens schön kuschelig. „Öfter mal den Puls im kalten Wasser runterkühlen und viel Trinken“, lautet Schenkluhns Rezept. Ihre Kollegin Monja Hackmann ergänzt: „Ich wickele mir ein kaltes, nasses Handtuch ums Genick.“ Und Manuela Buhse, die in dieser Schicht die Dritte im Bunde ist, sagt: „Ab und zu bringen uns ein paar Kunden auch mal Eis vorbei.“

Ab und zu mal die Unterarme ins kalte Wasser oder ein nasses Handtuch ins Genick – so lässt sich für (von links) Christine Schenkluhn, Monja Hackmann und Manuela Buhse vom Friseursalon Trend Hair die Hitze aushalten.

Schwimmmeister im Freibad müsste doch bei solchen Witterungsbedingungen eigentlich ein Traumjob sein. So nach dem Motto: Wenn’s mir zu heiß wird, spring’ ich einfach selbst hinein? Bei dem Gedanken muss Siggi Bengs vom Syker Bäder-Team lachen. Er räumt aber ein: „Unsere Azubis können das tatsächlich ab und zu mal. Schließlich müssen sie ja trainieren, um fit für ihre Prüfung zu sein. Und wir anderen könnten theoretisch unsere Pausen im Wasser verbringen.“ Praktisch passiert das aber nicht, sagt Bengs.

Immerhin hat sein Team seit dieser Saison ein neues Aufsichtshäuschen, in dem die Schwimmmeister nicht mehr im eigenen Saft schmoren müssen wie früher. „Wir drehen aber auch bei dieser Hitze regelmäßig unsere Runden um den Beckenrand“, sagt Bengs. „Wir wechseln uns jetzt häufiger dabei ab. Dann kann man schneller wieder in den Schatten.“

Übrigens: Einfach so ins kalte Wasser springen, ist gar nicht gut. Stichwort drohender Kreislaufkollaps. Deshalb warnt Siggi Bengs: „Nie ohne Abduschen ins Wasser gehen! Erstens zum langsamen Abkühlen und zweitens der Hygiene wegen.“

Verhaltenstipps spielen auch bei Martina Asche eine wichtige Rolle. Sie leitet die Seniorenresidenz Deutsche Eiche. Jeden Sommer bekommen die Bewohner dort schriftliche Infos zum Umgang mit großer Hitze. Die beiden wichtigsten Ratschläge lauten sinngemäß: „Geh nicht in die pralle Sonne“ und „Lass die Sonne nicht in die Wohnung.“ Asche: „Dann sitzt man zwar beim schönsten Sommerwetter in der dunklen Wohnung, aber die Temperaturen bleiben dadurch wenigstens erträglich.“ Als flankierende Maßnahme steht im Sommer Verpflegung mit besonders hohem Flüssigkeitsanteil auf dem Speiseplan. Und die Mitarbeiter achten darauf, dass die Senioren ausreichend trinken.

Arbeiten im Dunkeln wäre vielleicht auch für Wolfgang Holste eine Überlegung wert. Er schuftet mit seiner Sechs-Mann-Kolonne auf der Straßenbaustelle am Finkenberg. Schwerstarbeit in der prallen Sonne. „Das geht an die Grenze der körperlichen Belastbarkeit“, sagt er. „Wenn du plötzlich aufhörst zu schwitzen, weißt du, dass du zu wenig getrunken hast.“ Mehr als zwei Kisten Mineralwasser verbrauchen er und seine Mitarbeiter jeden Tag. Pro Mann vier bis fünf Liter.

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