„Es ist schön, etwas zu schaffen, das Bestand hat“ 

Heinz-Hermann Böttcher arbeitet seit zehn Jahren bei Wikipedia mit

Heinz-Hermann Böttcher in seinem Element: Nahezu täglich arbeitete der Syker am Online-Lexikon Wikipedia. - Foto: Husmann

Syke - Von Frank Jaursch. Heinz-Hermann Böttcher hat sein Herz an ein Nachschlagewerk verloren: Seit mittlerweile zehn Jahren ist er auf der Internet-Plattform Wikipedia unterwegs. Als Autor „Bötsy“ hat der Syker seit 2007 mehr als 4000 Stichwortseiten neu angelegt und mehr als 70.000 Veränderungen vorgenommen.

Am 10. September gratulierte Wikipedia dem 73-Jährigen zum „silbernen Wikiläum“. Doch es ist nicht nur die Dauer allein, die deutlich macht, wie viel Zeit und Energie er in seine Passion steckt. Für die deutschsprachige Wikipedia sind insgesamt knapp 6 600 Benutzer gelistet, die jeweils mehr als 2000 Mal einen Artikel bearbeitet haben. Böttcher steht in dieser Statistik auf Platz 183.

„Einen gewissen Suchtfaktor kann ich nicht absprechen“, räumt der pensionierte Lehrer ein. Manchmal setzt er sich am Nachmittag gegen vier an seinen Computer – und schaltet ihn erst um Mitternacht aus.

Erster eigener Artikel über Syker Künstler

Ganz klein hat sie angefangen, die Begeisterung für das digitale Nachschlagewerk. Mitte 2007. Er stieß auf Fehler und korrigierte sie – „das war ich ja als Lehrer gewohnt“, schmunzelt Böttcher. Im Juli platzierte er, noch anonym, seinen ersten eigenen Artikel: den des Syker Künstlers Louis Niebuhr.

Böttchers Motivation ist vielfältig. Er bezeichnet die Beschäftigung als „Gehirntraining“, er mag die virtuelle Reise um die Welt, um Themen zu recherchieren. Und: „Es macht Spaß, etwas zu formulieren – und es ist schön, etwas zu schaffen, das Bestand hat.“

Von seinen 4000 Seiten wurden bislang knapp 50 gelöscht – mangels Relevanz. Die meisten aber wurden von ihm und anderen Autoren weiterentwickelt. Die Wikipedia-Seiten von Barrien, Heiligenfelde, Gessel und Wachendorf zum Beispiel waren Böttchers Idee, die Seite des Kreismuseums oder des Gewässertyps Schlatt.

In den vergangenen Jahren hat „Bötsy“ sich schwerpunktmäßig auf jüdische Friedhöfe und auf Naturschutzgebiete in Deutschland spezialisiert. Oft stößt er erst über Wikipedia auf sein nächstes Thema: Wenn dort ein „Rotling“ prangt – also ein rot markierter Begriff, zu dem es noch keine Seite gibt – ist das schon mal Anlass genug, um mit der Recherche im Internet loszulegen.

„Knochenarbeit“ im Netz

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Erstellen von Listen und Navigationsleisten – beides wertvolle Hilfestellungen für Benutzer des Online-Lexikons. „Man kann sich ja darüber streiten, ob das kreative Arbeit ist“, räumt er ein, „aber es ist 'ne Knochenarbeit.“ Lob für seine Arbeit bekommt er selten. Eines der begehrten „Lesenswert“-Prädikate hat bislang kein „Bötsy“-Artikel bekommen. „Das zu perfektionieren bis zum Geht-nicht-mehr, das kann ich nicht“, sagt Böttcher.

Auch die Schattenseiten des Wikipedia-Autoren hat er kennenlernen müssen: endlose Diskussionen zu einem Thema und durchaus auch schon mal persönliche Beleidigungen. „Es gab Zeiten, wo ich dachte, ich schmeiß' alles hin“, blickt er zurück. Am Ende aber ist er Wikipedia bis heute treu geblieben.

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