Neue Freiheit auf zwei Rädern

Gleichstellungsbeauftragte bieten Fahrradfahrlernkurs für Frauen an

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Zusammen mit den Gleichstellungsbeauftragten Christine Gaumann (l.) und Kathrin Stern (r.) sowie der Fahr-Trainerin Sonja Wohllaib (2. v.l.) wirbt Shushanik Gevorgjan für den neuen Fahrradfahrlernkurs.

Syke - Lange Zeit ist Shushanik Gevorgjan gelaufen ohne Ende. Von A nach B nach C und schon wenige Minuten später wieder die ganze Strecke Retour. Ihr Mann arbeitete schließlich in der Frühschicht bei seiner Firma. Gevorgjan musste sich dann darum kümmern, dass nicht nur die Kinder zur Kita kommen, auch die Einkäufe mussten nach Hause gebracht werden. Ein Auto hat die Armenierin nicht. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und sagte sich: „Schluss! Ich muss Fahrrad fahren lernen.“

Die 52-jährige Bassumerin mit dem gebrochenen Deutsch ist eine Frohnatur. Auch als sie diese Geschichte von vor vier Jahren erzählt, lacht sie zwischendurch. Nicht, weil sie ihr peinlich ist, sondern weil sie stolz ist. Zusammen mit der Bassumer Gleichstellungsbeauftragten Christine Gaumann ist sie an diesem Tag die fast zehn Kilometer von ihrem Wohnort Bassum zum Syker Bauhof gefahren. Natürlich mit dem Fahrrad.

Das Fahren hat sie vor vier Jahren beim Radfahrlernkurs für Frauen geübt – einem Angebot der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinden Syke, Bassum und Weyhe. Heute will sie Werbung für die Veranstaltung machen, die wieder vom 3. bis 14. Juni auf dem Syker Bauhof ansteht. Viele Teilnehmerinnen des explizit für Frauen gedachten Trainings haben Fluchterfahrung. Durch den vermehrten Zuzug aus dem Ausland ist die Nachfrage nach dem Kurs in den vergangenen Jahren so sehr angestiegen, dass sich Weyhe aus der Kooperation mit den Nachbargemeinden zurückgezogen hat und eigene Kurse anbietet. Zwischen Bassum und Syke pendelt das regelmäßig angebotene Training derzeit noch hin und her.

In Gruppen von maximal zehn Personen wird Frauen seit 2009 das Fahrradfahren beigebracht – in einem geschützten Raum. Der Bauhof Syke ist dafür nach Feierabend perfekt geeignet.

Dann holt Sonja Wohllaib vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) aus Bremen zuerst einmal ein paar Tretroller für Erwachsene heraus. Es sei ein schwerer Schritt, mit beiden Füßen auf dem Brett zu stehen, so die erfahrene Fahrrad-Trainerin. Das löse oft eine Angst vor Kontrollverlust aus. Daher beginne sie erst einmal mit dem Bremsen, bevor es ans Fahren geht. Viele Frauen hätten vor allem eine Blockade im Kopf, wenn sie zum Beispiel aus dem Ausland kommen und in ihrem Heimatland das Fahrradfahren für sie nicht erlaubt sei, so Wohllaib.

Damit die Veranstaltung nicht von Angst und Panik bestimmt ist, werden zwischendurch auch immer wieder Spiele gespielt und es wird viel gelacht. Es seien auch schon Freundschaften aus den Kursen hervorgegangen, berichten die Organisatorinnen.

„Fahrradfahren ist ein ganz wichtiger Teil der gesellschaftlichen Teilhabe“, unterstreicht Kathrin Stern, die als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Syke an den Planungen beteiligt war. Die Motivation sei bei den meisten Frauen daher auch sehr hoch. Dass der Kurs über zwei Wochen immer werktags von 16 bis 18 Uhr geplant ist, tragen die meisten, ohne sich zu beschweren. Es sei viel Zeit, aber diese sei auch notwendig, um das Gelernte ins Körpergedächtnis zu übertragen, so die Trainerin vom ADFC.

Die Nachfrage nach dem Kurs kam übrigens in den vergangenen Jahren meistens von Frauen. Zwar seien auch schon einmal ein paar Männer mitgekommen, Gaumann stellt aber klar: „Uns ist es am liebsten, wenn keiner zuschaut. In der Atmosphäre lernt man besser.“ Das schließt nicht nur die Männer aus, sondern auch die Kinder. Diese können während der Trainingszeit auf dem Bauhof betreut werden. Ihren Eltern zeigen, wie gut sie selber schon fahren können, das habe sich nicht als geeignet erwiesen, heißt es.

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