„Spiegel“-Interview mit Fotograf Jo Fischer 

„In Syke gibt es keine schönen Fassaden, glauben Sie mir“

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Acht Wochen lebte Fotograf Jo Fischer in Syke, stattete unter anderem auch dem Hohen Berg einen Besuch ab. Am Ende dominierten für den 46-Jährigen die Ernüchterung über mangelnde Offenheit – und die Tristesse. 

Syke - Von Frank Jaursch. Es passiert nicht allzuoft, dass es Syke auf die Startseite von „Spiegel Online“, einem der meistgelesenen Nachrichtenportale bundesweit, schafft. Gestern hatte die „norddeutsche Provinzstadt bei Bremen“ das zweifelhafte Vergnügen. Anlass war ein Interview mit Fotograf Jo Fischer über seine Erfahrungen in Syke. Der vielsagende Titel: „Was fasziniert Sie an dieser Stadt?“ „Nichts“.

Dieses Syke aber auch! Acht Wochen lang hatte Fischer, Fotograf mit internationalem Renommee, im Herbst versucht, das Wesen der Stadt und seiner Bewohner zu erfassen und in Fotografien festzuhalten. Dabei stieß der 46-Jährige nach eigener Aussage an seine Grenzen. Denn die Syker nahmen den Berliner nicht ganz so offenherzig auf wie von ihm erhofft.

„Es ist ein besonderer Menschenschlag in Syke“, sagt Fischer im Spiegel-Interview, „norddeutsch, wortkarg, verschlossen.“ Das Ergebnis seiner Bemühungen – noch bis 19. Februar im Vorwerk zu betrachten – sind intensive, düstere, mitunter triste Bilder. Den Grund darin sieht Fischer zum Teil in der Jahreszeit, zum Teil in seiner eigenen Gemütsverfassung.

„Ich wollte Schützen und Jäger mit Waffen fotografieren“

Aber zum Teil eben auch in der Stadt und seinen Bewohnern. Die wollten nicht so wie er: „Ich wollte Schützen und Jäger mit Waffen fotografieren“, sagt Fischer. Wie bei seinem Projekt, das er Jahre zuvor in den Südstaaten der USA verwirklicht hatte.

Eines der enorm ausdrucksstarken Bilder von Jo Fischer, die im Rahmen seiner Ausstellung „In Syke“ noch bis zum 19. Februar im Vorwerk zu sehen sind.

Die Reserviertheit ist indes kein regionales Problem, räumt Fischer ein, eher ein nationales: „In Deutschland ist es generell schwerer als anderswo, oft werden einem Fotografen Türen zugeschlagen.“ Dennoch bekommt die Hachestadt auch ihr Fett weg – etwa, als es um die Frage geht, ob er Syke bewusst düster habe inszenieren wollen. „In Syke gibt es keine schönen Fassaden, glauben Sie mir“, wird Fischer zitiert. Er sei insgesamt 1.000 Kilometer herumgefahren.

Scharfe Kritik von Spiegel-Lesern

In der größten Syker Facebook-Gruppe gab es bis Montag Nachmittag bereits die unterschiedlichsten Reaktionen auf den Artikel. Von „Mal ehrlich, in Syke gibt es auch wirklich nichts zu sehen“ bis zu „Mal wieder jemand, der die Norddeutschen falsch einschätzt“ reichten die Aussagen. In der Kommentarspalte des Spiegel-Artikels ging es deutlicher zur Sache: Dort sah sich Fischer scharfer Kritik ausgesetzt.

Einige Aussagen Fischers allerdings deuten an, dass die acht Wochen nicht vollkommen frei von positiven Erlebnissen waren. „Manche Menschen würde ich aber schon gern besuchen“, erklärt der Fotograf. Vorerst aber muss das wohl warten. Sein nächstes Projekt führt Fischer ganz weit weg von Syke: Auf Kuba fotografiert er – transsexuelle Prostituierte. Ob die ihm mehr liegen als die spröden Syker?

In dem Artikel "Von wegen Tristesse: Syke ist schön" kommentiert unser Redakteur Frank Jaursch das „Spiegel“-Interview.

Zeigen Sie uns, dass Syke schön ist. Schicken Sie die Fotos per E-Mail an: sykeistschoen@kreiszeitung.de

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