Holger Oestmann hört auf

Der Betreiber des Hofrestaurants Voigt legt seine Messer nieder

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Für Holger Oestmann geht die Zeit im Hofrestaurant Voigt zuende: Er geht am 30. September in den Ruhestand. Im Oktober ist das Restaurant dann geschlossen – im November soll es mit neuen Pächtern weitergehen.

Gessel - Von Michael Walter. Der Blick schweift einmal durch den Gastraum, bleibt kurz am Tresen hängen und schleicht sich dann geradezu durch die Tür in die Küche. Holger Oestmann atmet einmal tief aus. War das gerade ein Seufzer? „Schon seltsam, dass das alles hier in ein paar Tagen vorbei ist.“

„Das alles hier“ – das ist das Hofrestaurant Voigt in Gessel. Vier Jahre war Oestmann dort Koch und Betreiber. Die letzte Station einer beruflichen Karriere, die ihn praktisch um die ganze Welt geführt hat. Im November 2014 hatte er das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau Regina Droste übernommen. Jetzt geht er in den Ruhestand. Am 30. September ist sein letzter Arbeitstag.

„Ich bin eigentlich schon im Rentenalter“, gesteht Oestmann. Trotzdem hat er weitergearbeitet. Weil es ihm Spaß gemacht hat, weil er in diesem kleinen Restaurant auf dem Dorf das machen konnte, was er immer schon gewollt hatte: Mit regionalen Produkten anspruchsvoll handwerklich kochen. Jetzt geht es nicht mehr. Die Knie!

Körper mahnt zum Aufhören

„Wir mussten zwischendurch schon mal zumachen, weil ich nicht mehr stehen konnte“, erzählt Oestmann. Der Stressfaktor kam dann noch dazu. „Ich bin in einem Alter, in dem man die körperliche Belastung nicht mehr einfach so wegsteckt. Und ich bin alleine in der Küche.“ Die Zeit war ganz einfach gekommen, um einen Schlussstrich zu ziehen.

Zeit seines Lebens ist Holger Oestmann in der Gastronomie gewesen – buchstäblich. Seine Eltern hatten eine Gaststätte betrieben, in der er großgeworden ist. Der Schritt zur Kochausbildung war da beinahe zwangsläufig. Die fünf Jahrzehnte danach waren eine kulinarische Weltreise. New York, Hongkong und Kuala Lumpur waren die wesentlichen Stationen, bis der Weg Oestmann wieder zurück nach Norddeutschland geführt hat. Zunächst nach Bad Zwischenahn und dann nach Gessel.

Erstmal entspannen

Blickt Oestmann auf die Erfahrungen dieser langen Zeit zurück, wird er philosophisch. „Die Leute haben in Deutschland keinen Respekt vor Lebensmitteln“, sagt er. „Das habe ich in Hongkong und Kuala Lumpur ganz anders erlebt. Wenn man sieht, wie liebevoll sie dort ein Stück Fleisch vorbereiten, bevor sie es in die Pfanne legen... Hier werde ich ausgelacht. Da kommen Sprüche wie: ,Na, streichelst du wieder dein Schnitzel?‘ Aber das hat was mit Respekt und Demut vor dem Produkt zu tun. Man muss sich immer bewusst sein: Für dieses Schnitzel hat ein Tier sein Leben gelassen. Das habe ich in der Lehre von meinen alten Küchenchefs so mitbekommen.“ Und darauf ist er stolz.

Zwei Wochen noch – dann muss sich Holger Oestmann gewaltig umstellen. Erstmal ist Entspannen angesagt. „Wandern im Harz“, sagt er. Und danach? Mal sehen. Ein bisschen unheimlich ist ihm. „Das wird das erste Mal seit 50 Jahren, dass ich Weihnachten, Silvester und an den Adventssonntagen zuhause bin.“ Und dann lacht er. „Das wird eine Herausforderung für die Familie!“

Das Restaurant bleibt im Oktober wegen Renovierung geschlossen. Danach übernimmt das Ehepaar Wolters aus Hildesheim. Die Wiedereröffnung ist für den 1. November geplant.

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