Strom und Wärme Marke Eigenbau

Am Steinkamp entsteht Norddeutschlands erstes energieautarkes Haus

Baut das erste energieautarke Haus in Norddeutschland: Der Syker Unternehmer Ralf Borchers. Foto: Heinfried Husmann
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Baut das erste energieautarke Haus in Norddeutschland: Der Syker Unternehmer Ralf Borchers.

Syke - Aus Frust über Kleinigkeiten können manchmal zukunsftsweisende Ideen entstehen. So war das auch bei Ralf Borchers. Er baut jetzt in Syke das erste energieautarke Haus Norddeutschlands.

Das Gesetz schreibt vor: Wer Photovoltaik-Anlagen mit mehr als 10 kw Leistung betreibt, muss für den Strom, den er nicht selbst verbraucht und ins Netz einspeist, eine Umlage bezahlen. Für Borchers blanker Unsinn, weil diese Regelung – wie viele andere auch – die Erzeugung regenerativer Energie erheblich bremst. „Was muss ich eigentlich tun, um diese Umlage zu umgehen?“, hatte er mal beim Stromversorger Avacon gefragt. Die Antwort sinngemäß: Schließ die Anlage halt nicht ans Netz an.

Borchers hat das richtig gewurmt. Obwohl er das anders formuliert: „Ich habe mit diesem Gedanken so viel Energie ins Weltall geschickt, dass ein Echo kam.“ Er stieß auf ein Unternehmen in Berlin. „Die bauen ein System, das genau sowas möglich macht.“ Und das kommt jetzt in Borchers’ Neubau am Steinkamp zum Einsatz.

Ein Haus ohne externen Strom- und Gasanschluss

Das Prinzip ist zunächst mal ganz einfach: „Wir bauen ein Haus ohne externen Strom- und Gasanschluss“, erklärt Borchers. Auf das Dach kommt eine extrem große Photovoltaik-Anlage. „Das Mehrfache von dem, was ein Haus dieser Größe normalerweise braucht.“ Die erzeugt im Sommer mehr als reichlich Solarstrom. Das, was an Strom nicht selbst verbraucht wird, speist eine Batterie. Und wenn die voll ist, geht der Strom in ein Gerät, das durch Elektrolyse destilliertes Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. „Der Wasserstoff wird dann in ganz handelsüblichen Gasflaschen gespeichert und gelagert“, erklärt Borchers. Bei Bedarf – etwa wenn im Winter die Sonne nicht genügend scheint und die Batterie leer ist – betreibt der gespeicherte Wasserstoff eine Brennstoffzelle, die Strom und Wärme für den Verbrauch im Haus liefert.

Borchers: „Eine intelligente Software steuert die gesamten Abläufe. Und sie ist selbstlernend. Das heißt: Sie merkt, wie der Verbraucher agiert und handelt entsprechend. So steht jederzeit genügend Strom und warmes Wasser zur Verfügung. Ohne Gas- und Stromanschluss. Und als Abfallprodukt erzeugen wir reinen Sauerstoff. Ich find das so geil!“

Steuerungstechnik wird bei Fehlern einfach ausgetauscht

Die ganze Steuerungstechnik ist modular aufgebaut. Das bedeutet: Bei einem Defekt kommt ein Techniker und tauscht einfach das betroffene Modul aus. Das geht dann einfach zur Überarbeitung zurück ins Werk.

„Im Juli wollen wir loslegen“, sagt Borchers. „Ich möchte zuerst alle Handwerker organisiert und verbindlich mit ins Boot geholt haben.“

Ein Zwei-Familienhaus soll auf dem Grundstück an der Ecke Steinkamp / Am Hang entstehen. Beide Wohnungen will Borchers verkaufen, die Haustechnik aber behalten. Erstens, weil er das bei zwei voneinander unabhängigen Wohnungen für sinnvoll hält. Zweitens, weil er Erfahrungen über den Betrieb der Anlage sammeln will. Um dann vielleicht noch mehr davon zu bauen.

Am Steinkamp investiert der Unternehmer insgesamt rund eine Million Euro. Wovon nur ein relativ kleiner Teil in die Steuerungstechnik fließt. Alle Zuschüsse und Fördermöglichkeiten eingerechnet, sei diese autarke Energieversorgung nur etwa 5000 bis 10.000 Euro teuer als eine konventionelle. „Und die Finanzierung läuft über 20 Jahre“, sagt Borchers. „Also worüber reden wir da?“

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