Expansion geplant

Deutschlands größter Brötchenbursche will in Syke regionalen Lieferservice aufbauen

Wenn Not am Mann ist, packt Sebastian Fiedel auch selber die Kisten für die Liefertouren seiner Mitarbeiter.
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Wenn Not am Mann ist, packt Sebastian Fiedel auch selber die Kisten für die Liefertouren seiner Mitarbeiter.

Wirtschaftliche Erfolgsgeschichten sind dieser Tage eher selten. Sebastian Fiedel kann eine erzählen. 2012 hat er als Ein-Mann-Betrieb im Nebenerwerb angefangen. Heute beschäftigt er in Syke mehr als 50 Mitarbeiter und will weiter expandieren.

Der 36-Jährige betreibt unter dem Markennamen Ihr Brötchenbursche einen Lieferservice. Brötchenbursche ist ein Franchise. Das heißt: Die Unternehmensidee hatte jemand anders, und der vergibt sie in Lizenz weiter. „Für mich war das damals ideal“, erzählt Fiedel. „Ich brauchte kein großes Eigenkapital zu investieren.“ Ganze 300 Euro musste er seinerzeit in die Hand nehmen. Und davon war der größte Teil für Werbung.

Wie der Name schon sagt, ging es dabei zunächst mal ausschließlich um das Liefern von Brötchen, Brot und Kuchen an die Haustür. An Orten, wo es keinen Bäcker um die Ecke gibt oder zu Zeiten, wo man selber vielleicht nicht grade aus dem Haus will. Sonntag morgens zum Beispiel.

Die Idee gefiel Sebastian Fiedel von Anfang an. Aus rein praktischen Gründen, weil er das neben seinem eigentlichen Beruf als Außenhandelskaufmann machen konnte. Und aus ideellen Gründen. „Mein Großvater war Bäckermeister in der Bremer Neustadt, und mein Vater war dort tatsächlich eine Zeit der Brötchenbursche.“

Und die Idee funktionierte auch. Obwohl nie viel Geld dabei hängen blieb. „Was übrig war, hab ich sofort wieder in die Neukundenwerbung gesteckt“, sagt Fiedel. Aber auf diese Weise wuchs sein Kundenstamm beständig. „Irgendwann war es dann so viel «nebenbei», dass Familie und Freizeit darunter gelitten haben.“

Die logische Konsequenz: 2017 kündigte Sebastian Fiedel seinen regulären Job – er hatte in Bremen Schiffs-Ersatzteile verkauft – und betrieb seinen Lieferservice in Vollzeit. „Immer noch ausschließlich Backwaren, und immer noch ausschließlich von Bäcker Meyer aus Bassum“, erzählt er. Aber er fing an, auch unter der Woche auszuliefern. Er ging auch mit einem Bremer Bäcker eine Kooperation ein und erweiterte sein Vertriebsgebiet. „Von Borgfeld bis Barnstorf und von Wildeshausen bis Bruchhausen-Vilsen.“ Über 20 Mitarbeiter hatte er da bereits.

„Was kann ich noch zusätzlich liefern?“, war die logische Frage, die sich als nächste stellte. Aber mit der Suche nach einer Antwort hatte Fiedel immer noch gezögert. Seine Kunden hatten immer mal wieder verschiedene Dinge nachgefragt. „Marmelade, Wurst und Käse hatte ich selber schon überlegt.“

Dann kam Corona. „Na gut, dann werfe ich mal meinen Hut in den Ring“, beschloss Fiedel für sich. „Innerhalb von zwei Wochen haben wir das Sortiment von 30 auf 150 Artikel ausgeweitet. Obst, Getränke, Honig, Kaffee, Nudeln“, zählt er auf. Bei einem Bio-Großhändler hat er sich als Kunde listen lassen. „So konnten wir auch mal Hefewürfel liefern oder Weizenmehl, als die Supermärkte keins mehr hatten.“

Aber mit dem Lockdown mussten seine Leute von heute auf morgen aus der Bäckerei raus und konnten dort die Lieferungen nicht mehr zusammenstellen. Fiedel mietete sich in der Bassumer Schüteznhalle ein und baute dort eine Versandstation auf. Und er musste einen Transporter beschaffen, um die Ware von der Bäckerei dorthin zu fahren. In Bremen hat er sich aus denselben Gründen in einer Tanzschule eingerichtet und in Syke das ehemalige Ladenlokal von Patzer an der Boschstraße gemietet. „Und das alles innerhalb einer Woche.“

Seitdem zeigt die Umsatzkurve kontinuierlich nach oben. Von 2000 Brötchen wöchentlich vor Corona auf 6200. „Und alles mit der gleichen Mannschaft. Ich weiß gar nicht, wie wir das alles geschafft haben.“

Von den 60 Brötchenburschen-Partnern deutschlandweit ist Sebastian Fiedel inzwischen der größte. „Vom Umsatz her, und von den Mitarbeitern auch.“ Über 50 sind es inzwischen. „Bis auf einen alles Mini-Jobber.“ Und noch immer hat er sechs bis acht Stellen nicht besetzt.

Wohin soll die Reise noch gehen? „Es wird irgendwann eine eigene Marke geben“, ist Fiedel überzeugt. „Für regionale Erzeuger. Es gibt viele tolle Produkte hier. Aber kein Kunde fährt von Hofladen zu Hofladen. Wenn wir alle Lieferanten listen und den Kunden die Produkte vor die Haustür liefern, haben alle etwas davon.“

Im Herbst ‘21 könnte es soweit sein. Technisch wäre das kein Problem, meint Fiedel. „Wir sind eh schon überall unterwegs. Lediglich die Post und die Zeitung haben ein dichteres Vertriebsnetz als wir.“

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