Hennes Bender überzeugt im Gleis 1 nur phasenweise

Luft nach oben

+
Hennes Bender im Gleis 1. 

Syke - Von Frank Jaursch. Kurz nach zehn, zweite Zugabe. Hennes Bender steht im Union-Jack-Pailletten-Unterhemd („ist maßgeschneidert! Aber nicht für mich...“) auf der Bühne des Gleis 1 und präsentiert seine wörtliche deutsche Übersetzung von Queens „Bohemian Rhapsody“. A cappella. Volldampf. Er singt, er springt, er schnappt nach Luft. Die Zuschauer grölen. So stellt man sich einen gelungenen Abschluss vor.

Zwei Stunden zuvor ist es Bender gelungen, das Publikum nach der Begrüßung („Hallo Süke!“) in kürzester Zeit auf Temperatur zu bringen. Zuspätkommer werden direkt angesprochen („Sie haben den ganzen Anfang verpasst, mit der Pyroshow und den Tänzerinnen!“). Mit Zuschauerin Almut und ihrem Freundeskreis gewinnt er einen genialen Sidekick für die gesamte Dauer des Abends. Als im Publikum hinein eine Glasflasche klirrend umkippt, sinniert er: „Man meint, man wär in Wacken.“

In diesen Momenten wird deutlich: Der kann was. Hennes Bender gehört nicht ohne Grund seit Jahrzehnten zur Garde der renommiertesten Comedians in Deutschland.

Zwischen gutem Auftakt und starkem Ende aber kann der mittlerweile 50-Jährige, der mit seinem Bart ein bisschen aussieht wie ein kleiner Henning Wehland, sein Niveau nicht halten. Mag sein, dass diese norddeutschen Süker im nicht ganz ausverkauften Gleis 1 wirklich so unterkühlt sind, wie er sagt. Fakt ist, dass der Funke nicht recht überspringen will bei seinem Galopp durch die Comedy-Themen des Abends.

Eine Botschaft? Nee, die hat er nicht. „Ich bin doch nicht die Schweiz.“ Das hält ihn aber nicht davon ab, ein paar politische Statements einzuflechten. So kann Bender nicht verstehen, „wie einer behaupten kann, er wäre stolz, Deutscher zu sein. Man kann doch nur auf etwas stolz sein, was man auch selber geleistet hat.“ Aber als Ruhrpottler, fügt er Sekunden später hinzu, sei er schon Lokalpatriot. Das passt nicht recht zusammen.

In Syke, so scheint es, reicht es nicht ganz aus, sich über regionale Klischees und Dialekte auszulassen. Hamburger sagen „Da nicht für“, Niedersachsen hat sein fatalistisches „Nützt ja nix“. Aha. Das Gelächter aus dem Auditorium ist freundlich, aber nicht überschwänglich. „Luft nach oben“ hat der nur 1,62 Meter große Bender sein Programm genannt. Stimmt.

Dem Komiker ist offenbar einiges von der Galligkeit abhandengekommen, die sein Markenzeichen war. Früher hatte man bei Bender das Gefühl, eine Langspielplatte auf 45 Umdrehungen abzuspielen. Heute steht da „nur noch“ ein talentierter Witzeerzähler.

Es ist durchaus kurzweilig, wenn er über Semmelrogge, Asterix oder Würselen berichtet. Oder wenn er über Erlebnisse aus der Kindheit erzählt. Wie das Beispiel vom Erbrochenen, das sein Schulkumpel und er unter dem Schultisch fanden – und das sich nach langem Grübeln über Herkunft und Platzierung als vergessene Kokosmakrone entpuppte. Aber all das hatte das Gleis 1 schon mal abgedrehter, feinsinniger und lustiger.

Nützt ja nix.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Migranten aus Mittelamerika setzen Marsch Richtung USA fort

Migranten aus Mittelamerika setzen Marsch Richtung USA fort

Premierministerin May: Brexit-Deal fast fertig

Premierministerin May: Brexit-Deal fast fertig

Riad im Fall Khashoggi unter Druck: "Brutal geplanter Mord"

Riad im Fall Khashoggi unter Druck: "Brutal geplanter Mord"

Biogas-Anlage fängt während Bauarbeiten Feuer

Biogas-Anlage fängt während Bauarbeiten Feuer

Meistgelesene Artikel

Illegal 2001 begeistert bei erster Bassumer Rocknacht

Illegal 2001 begeistert bei erster Bassumer Rocknacht

Betrunkene Fahranfängerin kommt von Straße ab - leicht verletzt

Betrunkene Fahranfängerin kommt von Straße ab - leicht verletzt

Prozess um Twistringer Bahnhofsschlägerei verschoben

Prozess um Twistringer Bahnhofsschlägerei verschoben

Biogas-Anlage in Flammen: Feuerwehr im Großeinsatz

Biogas-Anlage in Flammen: Feuerwehr im Großeinsatz

Kommentare