Gebäudefront an der Hauptstraße

Fassade ohne Fenster: Ganz viel Klinker und sonst nichts

Eine geklinkerte Wand ohne Fenster: Für Peter Ehrt ist der Neubau des Seniorenheims keine Bereicherung für die Hauptstraße.
+
Eine geklinkerte Wand ohne Fenster: Für Peter Ehrt ist der Neubau des Seniorenheims keine Bereicherung für die Hauptstraße.

Syke – Peter Ehrt steht vor der Baustelle an der Hauptstraße und schüttelt fassungslos den Kopf. „Da reden wir jahrelang von Aufwertung der Innenstadt. Da sperren wir die Hauptstraße, um Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Und was kriegen wir? Ein Schuhgeschäft, den Landvolkverband, ein leerstehendes Hotel und eine fensterlose Wand.“

Die Wand wird die Fassade des Seniorenheims, das die Bremer Specht-Gruppe gerade für rund acht Millionen Euro auf dem Areal der abgerissenen Gaststätte Brüning und der benachbarten Tankstelle baut. 77 Pflege-Appartements entstehen dort.

Peter Ehrt sitzt seit 2011 für die CDU im Rat der Stadt und hat die Entwicklung von Anfang an mitverfolgt. Das Bauvorhaben sollte ursprünglich mal der Startschuss für die Entwicklung des Gängeviertels werden. Dem hatte der Syker Rat allerdings vor Jahren schon den Stecker gezogen: Es gab seinerzeit keine Mehrheit für das zugrunde liegende städtebauliche Entwicklungskonzept.

„Wir bauen das genau so, wie wir es immer dargestellt haben“

Ein Meilenstein sollte der Specht-Bau trotzdem werden: Die Richtung vorgeben, wo es städtebaulich hingehen soll. Und das, was Peter Ehrt jetzt am wachsenden Rohbau sieht, ist nicht das, was er erwartet hat.

„Wir bauen das genau so, wie wir es immer dargestellt haben“, sagt Frauke Meyenburg, die Pressesprecherin der Specht-Gruppe. „Das ist nie anders präsentiert worden.“

Bürgermeisterin Suse Laue bestätigt das. Und der Blick auf Skizzen und Architekten-Modelle beweist: Diese eine Schmalseite des Gebäudes ist von Anfang an als fensterlose Wand dargestellt – ausgenommen die Fenster vom Treppenhaus. Wobei sich allerdings erst auf den zweiten Blick erschließt, welche der beiden Schmalseiten zur Hauptstraße liegt.

Das Architektenmodell lässt erkennen, dass eine der beiden Schmalseiten des Gebäudes (ganz links im Bild) eher arm an Fenstern wird. Auf den ersten Blick ist allerdings nicht ganz eindeutig, dass diese Seite zur Hauptstraße zeigt.

Preisfrage: Wer hat da jetzt in der Planungsphase nicht richtig aufgepasst? – „Das Bauamt“, sagt Peter Ehrt. „Nö“, sagt Bauamtsleiter Hein Sievers.

Sievers gibt aber auch der Politik keine Schuld. Er erklärt: „Der Rat spricht ja nicht über eine Fassadengestaltung. Der Rat spricht über die Festsetzung eines Bebauungsplans. Und danach kommt der Landkreis ins Spiel. Der ist Genehmigungsbehörde und prüft den Bauantrag: Ob das, was da gebaut werden soll, den Festsetzungen des Bebauungsplans entspricht oder nicht. Ob zum Beispiel die Brandschutzbestimmungen eingehalten werden, ob genügend Stellplätze vorhanden sind. Aber der Landkreis macht sich nicht so viele Gedanken über die Anzahl von Fenstern.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Es sei denn, im vom Rat beschlossenen Bebauungsplan wäre ausdrücklich eine Festsetzung formuliert worden, die die Fassadengestaltung entsprechend regelt. Möglich ist das. Das ist hier aber nicht passiert.

„Wahrscheinlich waren wir da zu naiv oder zu gutgläubig“

Also hat doch die Politik gepennt? „Wahrscheinlich waren wir da zu naiv oder zu gutgläubig“, räumt Peter Ehrt ein. „An der Deutschen Eiche hat der Specht das ja schön gemacht, gerade auch mit der Einbindung der alten Bausubstanz.“ Dort hatte die Specht-Gruppe ebenfalls auf dem Gelände einer alten Gaststätte ein Seniorenheim gebaut und dabei freiwillig Teile des alten Veranda-Anbaus und der historischen Saal-Decke mit großem Aufwand rekonstruiert und in den Neubau integriert.

An der Hauptstraße ist es nun zu spät für grundsätzliche Änderungen. „Der Drops ist gelutscht“, sagt auch Peter Ehrt mit reichlich Frust.

Specht-Sprecherin Frauke Meyenburg empfiehlt: „Vielleicht sollten wir erst mal abwarten, bis es fertig ist. Die Wand wird noch verklinkert. Da kommt ‘ne Beschriftung drauf und Bepflanzung hinzu. Und dann sehen wir erst, wie es wirklich wirkt.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt

Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt

Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt
Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab
Verletzte und hoher Sachschaden durch Unfall

Verletzte und hoher Sachschaden durch Unfall

Verletzte und hoher Sachschaden durch Unfall
65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee

65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee

65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee

Kommentare