Ausstellung im Kreismuseum

Zeitreise mit fast vergessenem Spielzeug

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Kinder spielen mit allem, was sie haben. Ich hatte neben anderen Dingen Yu-Gi-Oh-Karten, Monster-Figuren und Autos von Hotwheels. Mit Spielzeug von 1945 bis 1975 erfahre ich nun, womit Jungs in einer Zeit spielten, in der das Geld rar war.

Syke - Von Robin Grulke. Im Syker Kreismuseum läuft zurzeit eine Ausstellung über Jungenspielzeug. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, wie ich in meiner Jugend gespielt habe und wie es in den Jahrzehnten zuvor war.

Ich wollte immer mit den neusten Sachen spielen. Ob Action-Man-Figuren, Lego-Paläste oder Videospiele: Ich hatte sie, massenhaft. Damals war es wie eine Sucht, in der ich es nicht mitbekam, dass meine Eltern viel Geld für meine Befriedigung ausgaben.

Heute blicke ich weit zurück und schaue mir an, womit die Kinder früher ihre freie Zeit verbrachten. Mir wird klar: Manchmal, wie so oft, ist weniger mehr. „Die Spielsachen spiegeln die Veränderungen der realen Welt wider.“ Kreismuseums-Leiter Dr. Ralf Vogeding zeigt auf einen schlichten, hölzernen Bauernhof, ein Teil der „Jungs“-Ausstellung mit Spielzeug aus den Jahren 1945 bis 1975. 

Der Hof habe einem Jungen gehört, der im Zweiten Weltkrieg nach Syke floh. „Das ist sozusagen die große Welt im kleinen Nachspiel“, meint Vogeding. Damals prägten die Höfe das ländliche Bild wohl ebenso wie die Fantasie der Kinder.

Den Lego-Palast warf ich einfach in die Kiste

Ende der 1940er-Jahre soll so ein Hof ein typisches Weihnachtsgeschenk gewesen sein, sagt Vogeding. Als ich etwa zehn Jahre alt war, bekam ich an Heiligabend einen Lego-Baukasten für einen riesigen indischen Palast geschenkt. Ich freute mich tierisch darüber und baute ihn noch in derselben Nacht zusammen. Nach drei einsamen Tagen in der Wohnzimmerecke erlöste ich ihn mit groben Griffen und kippte seine Bestandteile in die Box, in der ich bereits alle Bausätze zuvor hineingekippt hatte. Je mehr ich bekam, desto weniger lernte ich es zu schätzen.

Vor 60 Jahren hingegen lebten nur wenige im Überfluss. Die Jüngsten der Familie hatten oftmals einen Arbeitsalltag, der kaum Daddelei zuließ. Wer die Kühe hüten musste, konnte nicht gleichzeitig mit Holzfiguren spielen. „Außerdem waren das Wertsachen, die nicht kaputtgehen durften“, erzählt Vogeding.

Früher Cowboys mit Leoparden, heute Kalaschnikows und Gangster. Auch wenn es heute extremer ist: Spannung und Gewalt ziehen Jugendliche schon immer an.

Diese Mentalität hatten auch meine Großeltern verinnerlicht. Immer, wenn ich sie mit meinen Brüdern besuchte, kramten wir die gleichen Matchbox-Autos, Dino-Figuren und Holzklötze raus. Wir verbrachten ganze Tage damit, aus den Klötzen Garagen für alte Flitzer zu bauen. Hätten wir ein aufziehbares Schuco-Auto von 1950 gehabt, hätten wir auch das genommen. Wir wussten: Damit können wir spielen, und mehr gibts erst mal nicht.

Heute, mit 21 Jahren, gefällt mir das Prinzip, nach dem viele Jungs in den 50ern und 60ern ihre Spielsachen geschenkt bekamen. Ob elektrische Eisenbahn oder eine Indianermeute aus Elastolin: Oft gab es ein Teil pro Anlass. In der Ausstellung im Kreismuseum steht eine Sammlung mit Indianerfiguren, die ein Junge zwischen 1948 und 1952 zu Geburtstagen und zu Weihnachten von seiner Oma erhalten hat. In den fünf Jahren konnte er vielleicht 40 Figuren sammeln.

Spannende Geschichten gab es für 1,30 Mark

Mit Spielsachen langfristig zu denken lernte ich erst, als ich anfing, Yu-Gi-Oh-Karten zu sammeln. Elf Stück kosteten sechs Euro, und die bezahlt selbst eine liebende Mutter nicht mehr, wenn man nie genug bekommt. So floss mein Taschengeld über Jahre in bunte Kärtchen, die ich mir noch heute ansehe, wenn ich mich an Kindheitstage erinnern will.

Mehr Bilder für weniger Geld gab es früher neben Quartetts auch mit Comics. Für 1,30 Mark bekam man mit „Felix“ von 1958 bis 1981 Geschichten über Detektive, Schurken und Cowboys zu lesen. Mit Donald Duck hatte zwar auch ich eine Comicreihe gefunden, die heute noch in den Regalen meines Elternhauses steht. Die begehrte – und manchmal verbotene – Portion Gewalt sicherte ich mir aber mit Videospielen wie Call of Duty und Grand Theft Auto.

Ob billig oder teuer, digital oder analog: Kinder haben immer gespielt und sie werden es in Zukunft tun. Ich für meinen Teil habe gelernt: Es braucht nicht viel Geld, sondern eine blühende Fantasie.

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