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Aus für Traditionsgeschäft: Elektro Heusmann schließt

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Von: Fabian Pieper

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Die Lichter rechts gehen bald aus, denn Bernhard und Caren Liehr schließen ihr Ladengeschäft Elektro Heusmann in der Waldstraße. Ihren Kundenservice bieten sie allerdings weiterhin vom neuen Standort Dreye aus an.
Die Lichter rechts gehen bald aus, denn Bernhard und Caren Liehr schließen ihr Ladengeschäft Elektro Heusmann an der Waldstraße. Ihren Kundenservice bieten sie allerdings weiterhin vom neuen Standort Dreye aus an. © Jantje Ehlers

Syke – Wenn Bernhard Liehr, Inhaber des Syker Traditionsbetriebs Elektro Heusmann, am 31. Mai nach Feierabend sein Ladengeschäft in der Waldstraße abschließt, wird es das letzte Mal sein. Denn der Fachhändler für Elektrogeräte wird nach Weyhe ziehen und damit den Verkauf von Elektrogeräten an der Waldstraße aufgeben. Nach über 60 Jahren.

Nach wie vielen Jahren genau, das können Bernhard Liehr und seine Ehefrau Caren nicht sagen. Gründer Heinrich Heusmann hatte keine Aufzeichnungen hinterlassen, wann er sein Geschäft genau eröffnet hat. Was aber feststeht: Am 1. Februar 1995 übernahm Bernhard Liehr Geschäft und Werkstatt an der Waldstraße und wagte damit den Schritt in die Selbstständigkeit.

„Das war zu Beginn nicht einfach“, erinnert er sich und lehnt sich in seinem Stuhl ein Stück zurück. „Wir waren die Neuen in Syke. Die Kunden haben damals gesagt: ,Bringen Sie uns Herrn Heusmann‘. Das war schon ein schweres Brett.“

Keine leichte Übernahme

Dabei hatte Heinrich Heusmann das Geschäft an die Liehrs übertragen – ein schleppender Prozess. Über Gerüchte hatten Bernhard und Caren Liehr, die zuvor noch in Bremen gelebt und gearbeitet hatten, gehört, dass in Syke ein Elektrohändler in den Ruhestand gehen möchte. „Wir haben den Laden gesehen“, sagt Bernhard Liehr, „und waren sofort Feuer und Flamme.“ Die Gespräche um die Übernahme zogen sich hin. „Einmal saßen wir bei Heinrich Heusmann im Wohnzimmer und haben lange geredet“, kramt Caren Liehr in ihrem Gedächtnis. „Irgendwann habe ich ihn gefragt, ob er wirklich an uns verkaufen möchte. Da hat er aus dem Fenster geschaut und gesagt: ,Würden wir sonst hier sitzen?‘ Er war ein unheimlich lieber und sehr ruhiger Mensch.“

Kurz darauf war die Übergabe in trockenen Tüchern. Heinrich Heusmann wohnte weiterhin in der Wohnung über dem Laden und stand seinen Nachfolgern mit Rat und Tat zur Seite. Das sei auch notwendig gewesen, denn gerade in den ersten drei Jahren habe es viel zu tun gegeben: „Manchmal stand Heinrich Heusmann dann um 22 Uhr bei uns vor der Tür und hat gesagt, wir sollen endlich Feierabend machen“, erinnert sich Bernhard Liehr und lacht.

Mit der Zeit arbeitete sich Bernhard Liehr ein. Ehefrau Caren kündigte ihren Job als Bankkauffrau und stieg ins Geschäft mit ein. Die Kunden gewöhnten sich an die neuen Inhaber und lernten sie und ihre Arbeit zu schätzen. Denn neben dem Ladengeschäft bietet Elektro Heusmann auch einen Elektroinstallations- sowie einen Hausgerätekundendienst an. Der Laden, so erklärt der 64-Jährige es, sei allerdings immer das Aushängeschild gewesen.

Auch chaotische Zeiten, wie etwa zur Währungsreform 2002, konnten dem Geschäft nichts anhaben.

Corona-Pandemie als Wendepunkt

Dann kam Corona. Liehrs mussten ihren Laden mehrmals schließen. Die Kunden, die den persönlichen Kontakt sehr geschätzt haben, mussten draußen bleiben. Manchen von ihnen konnten die Inhaber wortwörtlich aus dem Fenster heraus helfen. Doch der überwiegende Rest verlegte sich auf Bestellungen aus dem Internet.

Davon habe sich das Geschäft auch nach den Lockdowns nicht mehr erholt. „Die Kunden haben ihr Kaufverhalten angepasst“, sagt Bernhard Liehr enttäuscht. „Corona war der Wendepunkt.“ Ganz zum Ende des einstündigen Pressegesprächs betritt eine Kundin den Laden. „Sonst war hier richtig viel los“, sagt Caren Liehr. Ein kleiner Teil der Kunden habe sich im Laden beraten lassen, nur um dann die Artikel anschließend im Internet-Großhandel zu bestellen. Das ärgert Bernhard Liehr: „Wenn ich mich zwei Stunden beraten lasse und dann im Internet bestelle, das ist schäbig!“

Dann lenkt aber wieder Ehefrau Caren ein: „Die meisten Kunden sind uns sehr treu. Erst gestern hat mir eine Kundin gesagt: ,Ach, Frau Liehr, wie schön, dass es sie gibt‘. Daher graut mir ein bisschen davor, zu sagen, dass wir schließen werden.“ Denn bislang hat das Inhaber-Ehepaar darüber noch nicht informiert. Seit heute läuft der Räumungsverkauf. Am 31. Mai schließt das Geschäft. Liehrs ziehen um nach Dreye an Adresse Mittelwendung 17. Am neuen Standort werden sie jedoch nur noch Service anbietern, aber nicht mehr den Verkauf.

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Ihr einziger Mitarbeiter, Dominik Wrede, wird den beiden dorthin folgen. „Mit ihm haben wir alles richtig gemacht“, adelt Bernhard Liehr seinen ehemaligen Auszubildenden. „Die Kunden sind von ihm total begeistert.“

Bis dahin wartet mit dem Räumungsverkauf und dem Umzug eine „Mammutaufgabe“ auf Bernhard und Caren Liehr. „Daher sind wir über jeden Kunden glücklich, der jetzt noch etwas kauft“, betont Ersterer.

Und dann werden sie an der Waldstraße 21 ein letztes Mal den Schlüssel im Schloss umdrehen. „Mit zwei weinenden Augen“, sagt Bernhard Liehr – in diesem Moment wortwörtlich.

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