Kinder werden ihr fehlen

27 Jahre Kita-Leitung in Syke: Anke Wohlfromm geht in den Ruhestand

Anke Wohlfromm, kurzes, graues Haar, steht mit einem Spielzeug-Bagger in der Hand vor dem Kindergarten Sonnenstrahl und lächelt. Hinter ihr spielen Kinder.
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Anke Wohlfromm ganz in ihrem Element: Seit 1994 hat sie den Kindergarten Sonnenstrahl – die erste Syker Kita in kirchlicher Trägerschaft – geleitet. Donnerstag war ihr letzter Arbeitstag. Sonntag wird sie im Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Anke Wohlfromm geht in den Ruhestand. Seit der Gründung vor 27 Jahren hat sie den ersten Syker Kindergarten in christlicher Trägerschaft geleitet. 1994 ging Kindergarten noch anders, erzählt sie.

Syke – Es ist nur ein kurzer Moment: Anke Wohlfromm steht im Flur des Kindergartens Sonnenstrahl, verharrt einen Augenblick und sieht durch die große Fensterfront den Kindern auf dem Hof beim Spielen zu. Fast schon sehnsüchtig. In diesen drei, vier, fünf Sekunden ist die Abschiedsstimmung geradezu greifbar. Anke Wohlfromm verlässt den Kindergarten – nach 27 Jahren als Leiterin geht sie in den Ruhestand.

Donnerstag war ihr letzter Arbeitstag, Sonntag folgt die offizielle Verabschiedung beim Gottesdienst in der Christuskirche.

Sonnenstrahl war in Syke der erste Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft. „Das haben wir Pastor Wilhelm Tesch zu verdanken“, erzählt Anke Wohlfromm. „Er fand, Syke wäre groß genug, um einen evangelischen Kindergarten vertragen zu können. Und dann ist er bei Politik und Verwaltung Klinken putzen gegangen.“ Er muss sehr überzeugend gewesen sein, denn allzu lange hatte er nicht gebraucht. 1994 eröffnete der evangelische Kindergarten Sonnenstrahl in den Räumen der früheren Bäckerei Siemers in der Syker Neustadt. Mit 15 Kindern und Anke Wohlfromm als Gründungsleiterin – was für sie selbst durchaus ein bisschen überraschend kam. „Ich hatte zwar die Ausbildung dafür, aber keinerlei Berufserfahrung. Zu der Zeit hatte ich einen kleinen Spielkreis betreut und mich für den Kindergarten als ganz normale Mitarbeiterin beworben. Pastor Tesch hat gesagt: Frau Wohlfromm, wenn Sie sich bewerben, dann machen Sie auch die Leitung.“ Und siehe oben: Wilhelm Tesch konnte sehr überzeugend sein.

Ein Bild aus der frühen Phase des evangelischen Kindergartens Sonnenstrahl: So sah Anke Wohlfromm 1996 aus.

Schon damals stand fest, dass das Haus an der Ecke Hohe Straße / Bürgermeister-Jürgens-Straße nur eine Übergangslösung sein würde. 1996 folgte der Umzug an die Wilhelm-Heile-Straße im damaligen Neubaugebiet Lerchenfeld. Und somit hat Anke Wohlfromm ihren Kindergarten gleich zweimal komplett neu eingerichtet.

In Bremen ist sie geboren und aufgewachsen. „In der Neustadt“, erzählt sie. Vor dem inneren Auge tauchen noch Bilder von ihren Spielkameraden auf und vom Altbremer Haus der Großeltern eine Straße weiter. Als sie fünf war, bauten ihre Eltern ein Haus in Erichshof. „Und jetzt wohnen wir schon 42 Jahre in Syke.“ Wobei sich dieses „Wir“ auf ihre eigene Familie bezieht.

Wickelkinder und Integrationsgruppe

Kindergarten geht heute ganz anders als vor 27 Jahren. „Als wir angefangen haben, hatten wir Betreuungszeiten von 8 bis 12 Uhr und alle Kinder mussten trocken sein“, erzählt Anke Wohlfromm. „Heute haben wir Zeiten von 7 bis 16 Uhr, wir haben Wickelkinder und es gibt Mittagessen. Die Räume sind aber die gleichen geblieben.“ Heißt: Immer wieder umdenken, umplanen und umräumen. Ein Beispiel fällt ihr spontan in Zusammenhang mit dem Mittagessen ein: „Wie mussten erst mal alle Schränke aufstocken, damit wir das ganze Geschirr unterbringen konnten.“

Eine Integrationsgruppe ist hinzugekommen. Auch dafür musste das Kita-Team vieles neu organisieren. Für Anke Wohlfromm war’s den Aufwand wert. „Ich empfinde es als Bereicherung, dass wir auch Kinder mit Handycap hier haben.“

Nur mit dem Helm auf den Dachboden

Gibt es so etwas wie eine unerledigte Baustelle? Kurzes Nachdenken. Dann Kopfschütteln. „Ich hätte gerne den Dachboden aufgestockt und ausgebaut“, fällt ihr dann doch noch ein. „Das hätte im Haus Platz geschaffen. Für einen Bewegungsraum. Oder für Schlafmöglichkeiten mittags. Oder wenn wir mit den Kindern selber mal was kochen wollen.“ Tatsächlich geben die Verhältnisse aber nichts anderes her als eine Abstellfläche. „Wenn ich da mal was suche, dann nur mit Helm“, sagt Anke Wohlfromm. „Da sind überall Balken.“

Aber darum müsste sich ihre Nachfolgerin kümmern. Anke Wohlfromm will erst mal den Kopf freikriegen. „Es ist oft so, dass ich einfach nicht abschalten kann.“ Mehr Zeit für ihre Enkelkinder möchte sie auch haben. „Die Syker wohnen eine Straße weiter, da ist das kein Problem. Bei den Hamburgern war es immer schwieriger.“

Nächstes Projekt: Ruinen-Mauer im Garten

Und dann kann sie sich an ihr nächstes Projekt machen: „Ich möchte mir im Garten eine Ruinen-Mauer bauen.“ Um die 2000 alte Steine hat sie dafür im Lauf der letzten Jahre gesammelt. „Auf allen möglichen Baustellen. Die stehen jetzt auf Paletten gestapelt bei mir im Garten. Die letzten beiden Stapel mache ich gerade sauber. So um die 600 Stück sind das nur noch. Vielleicht muss ich auch noch einen kleinen Maurerlehrgang belegen. Das darf ja durchaus etwas krumm und schief werden. Aber es sollte vielleicht nicht beim ersten Sturm umfallen.“

Ein bisschen Beschäftigungstherapie steckt da für Anke Wohlfromm durchaus drin. „Es wird eine Lücke geben“, ist sie gewiss. „Ich habe immer gerne gearbeitet, und die Kinder werden mir fehlen. Auch die Kollegen, die mal ab und zu eben reinkommen und schnacken.“

Verabschiedung am Sonntag

Diese Gewissheit wirkt sich auch auf ihre Verabschiedung am Sonntag aus: „Da muss ich die Worte so gut wählen, dass ich nicht sofort in Tränen ausbreche.“

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